Kasendorf - 3.500 Zuschauer sahen am Freitagabend in Kasendorf bei Kulmbach das erste Testspiel des 1. FC Nürnberg im Sommer. Bei sengender Hitze feierte der Bundesligist einen gelungenen Start in die Vorbereitung. Trainer Dieter Hecking ist aber aus anderen Gründen optimistisch.

Der ortsansässige SSV hatte das Gastspiel des fränkischen Bundesligisten bei einem Gewinnspiel einer Brauerei gewonnen: 145.000 Kronkorken hatten die Oberfranken gesammelt. In dem Spiel, das der Bezirksligist immerhin 20 Minuten lang torlos halten konnte, setzte sich der FCN schließlich mit 12:0 durch, nach jeweils zwei Treffern von Alexander Esswein, Sebastian Polter, Per Nilsson, Julian Wießmeier und Roussel Ngankam, einem Tor von Timo Gebhardt und einem Eigentor von SSV-Kapitän Martin Stübinger.

Platz im Mittelfeld



So etwas nennt man wohl einen standesgemäßen Sieg. Und einen optimalen Saisonauftakt für Trainer Dieter Hecking, der schon am Freitagvormittag optimistisch in die Zukunft blickte. Nicht zuletzt, weil "sich viele unserer jungen Spieler noch einen Schritt weiterentwickeln werden." Was zur obligatorischen Frage nach dem Saisonziel führt. "Wir wollen möglichst ruhig durch die Saison kommen und wieder für ein paar positive Überraschungen sorgen", sagte der Coach am Rand des Trainingsgeländes. "Zwischen Platz 8 und 15 ist auch in der kommenden Saison wieder alles drin. Zumal die Liga noch enger zusammengerückt ist."

In Kasendorf fehlte noch Marcos Antonio (29), dessen Arbeitspapier erst ab dem 1. Juli gilt und der deshalb noch nicht spielberechtigt war. Der Brasilianer, den Hecking als "Typen" und "starke Persönlichkeit" beschreibt, dem er den Sprung in die Bundesliga "zutraue", kam ablösefrei von Rapid Bukarest und dürfte als Stammspieler in der Innenverteidigung gesetzt sein.

Fürs Mittelfeld holte man Timo Gebhart aus Stuttgart und den offensiven Mittelfeldspieler Hiroshi Kiyotake, der aus Osaka kam. Zudem sicherte sich der FCN die Dienste der beiden Talente Roussel-Fidele Ngankam-Hontcheu aus dem Hertha-Nachwuchs und Noah Korczowski (18), den man dem frisch gebackenen A-Jugendmeister Schalke 04 abluchste.

Auch auf U-20-Nationalspieler Sebastian Polter, der in der vergangenen Saison in Wolfsburg zu zwölf Einsätzen und zwei Ligatoren kam, freut sich Hecking. Dem Vernehmen nach habe auch Felix Magath dem Nachwuchsspieler geraten, sich in Franken weiter zu entwickeln, ehe er nach Ende der Ausleihfrist nach Niedersachsen zurückkehrt.

Finanziell gut aufgestellt



Allerdings verließen auch einige altgediente Bundesligaprofis (Juri Judt, Dominik Maroh, Jens Hegeler, Albert Bunjaku, Christian Eigler) den "Club", darunter mit Philipp Wollscheid und Daniel Didavi, der vom VfB Stuttgart ausgeliehen war, auch zwei der hoffnungsvollsten Talente im deutschen Fußball. Auch ihn hätte Hecking liebend gerne gehalten, doch bei lukrativen Angeboten wie dem aus Leverkusen muss der FCN die Waffen strecken. Denn trotz eines Gewinns "im siebenstelligen Bereich" (Geschäftsführer Ralf Woy) wird der "Club" wohl noch ein paar Jahre brauchen, bis er die Verbindlichkeiten abgetragen hat.

Doch auch hier spüren sie in Franken, dass sich die Lage langsam aber sicher entspannt: Timothy Chandler, der ein Angebot aus Stuttgart vorliegen hatte, entschied sich im Frühsommer für den FCN. Gut möglich, dass er das ein oder andere Spiel mit Timm Klose in der Viererkette absolvieren wird. Der Schweizer, der im Falle einer Nominierung für die Schweizer Olympia-Auswahl wohl nach London mitfliegen würde, trauen die "Club"-Verantwortlichen den nächsten Schritt zu. Manager Martin Bader lobte den Leistungsstand des 24-Jährigen jedenfalls vor kurzem ausdrücklich: "Timm macht es sehr gut."

Christoph Ruf