Die vergangene Saison darf bei Werder Bremen wohl endgültig als Betriebsunfall abgehakt werden. Nach Platz 10 im Vorjahr sind die "Grün-Weißen" wieder wie gewohnt in der Spitzengruppe vertreten, die Meisterschaft ist im Visier. Und das mit beeindruckenden Zahlen: bester Angriff der Liga mit 31 Toren, drittbeste Abwehr (12 Gegentore), sieben Zu-Null-Spiele und seit nun mehr 21 Pflichtspielen ungeschlagen.

Gegen den VfL Wolfsburg reichte es am 14. Spieltag zwar "nur" zu einem 2:2, doch die Art und Weise, wie die Bremer diesen Punkt in der Nachspielzeit erkämpft haben, war schon beeindruckend.

Den Blick nach vorn gerichtet

"Das 1:2 in einer Drangphase von uns war schon ein herber Rückschlag. Da hätte ich fast Verständnis gehabt, wenn die Mannschaft so kurz vor Schluss nicht mehr an einen Punkt glaubt. Aber das Team schaut immer positiv nach vorn. Die Gegner registrieren schon, dass hier eine Mannschaft aufläuft, die einfach nie aufgibt", erklärte Sportdirektor Klaus Allofs nach der Partie.

Der Schütze zum viel umjubelten Endstand, Per Mertesacker, analysierte den Spielverlauf ähnlich: "Eigentlich war das 1:2 schon der Todesstoß, aber das sollte uns nicht aufhalten. Wir sind trotzdem zurückgekommen. Wolfsburg hat gut gestanden, aber man hat gemerkt, dass wir unbedingt den Ausgleich wollten."

Schaaf übt Kritik

Trainer Thomas Schaaf indes stieß nicht ins selbe Horn: "Ich bin unzufrieden und ärgere mich. Wir haben nicht wie in den vergangenen Wochen die Balance aus Offensive und Defensive gefunden. Wir waren unnötig hektisch, hatten keine klare Linie. Wir haben schnell gespielt, aber nicht sicher und ruhig."

Dennoch: Mit mutigem Spiel nach vorn, mit unbedingtem Willen, zum Torerfolg zu kommen, haben sich die Bremer wieder zurück in den Kreis der Top-Favoriten für den Titel gespielt.

Remis über Remis

Allofs macht zwar regelmäßig keinen Hehl daraus, dass sein Team immer antritt, um die Meisterschaft zu gewinnen. Die Spieler geben sich trotz der momentanen Erfolgsserie aber noch defensiv. "Einige reden jetzt immer vom Ziel Meisterschaft, aber dafür spielen wir momentan zu oft Unentschieden", haderte Marko Marin mit den bislang sechs Punkteteilungen.

Kapitän Torsten Frings, der gegen Wolfsburg nach zwei Spielen Verletzungspause wieder von Beginn an auf dem Feld stand, mahnte ebenfalls zur Zurückhaltung. "Über unsere Serie oder die Meisterschaft sollten wir jetzt nicht reden. Wir müssen uns einfach nur auf das nächste Spiel konzentrieren", so Frings.

Nach 14 Spieltagen steht aber fest: Bremen ist so gut in Form wie schon lange nicht mehr. Zuletzt hatten die Hanseaten eine ähnliche Erfolgssträhne in der Saison 2003/04, als sie in 27 aufeinanderfolgenden Pflichtspielen ungeschlagen blieben. Und am Ende der Saison gewann Werder das Double aus Meisterschaft und Pokal.

Aus Bremen berichtet Michael Reis