Mit welchem System und mit welchen Stürmern lässt Trainer Bruno Labbadia den Hamburger SV auflaufen? Das war wohl die am meisten diskutierte Frage unter Fußball-Fans und Experten vor dem Topspiel des Tabellenzweiten gegen Spitzenreiter Bayer Leverkusen. Ohne die verletzten Mladen Petric (Sprunggelenk) und Paolo Guerrero (Kreuzbandriss) kamen viele mögliche Szenarien in Fragen.

Labbadia entschied sich für das bewährte 4-4-2 und schickte etwas überraschend den 19-jährigen Tolgay Ali Arslan neben dem gesetzten Marcus Berg im Angriff auf Torejagd. Doch der HSV bleibt weiter vom Verletzungspech verfolgt.

Auch Arslan verletzt

Arslan musste bereits in der 39. Minute ausgewechselt werden. "Das sah nicht so gut aus. Wir hoffen, dass es nicht so schlimm ist", sagte Labbadia sichtlich konsterniert auf der Pressekonferenz nach dem 0:0.

Dass sein Team über die gesamten 90 Minuten nur sieben Torschüsse abgab und durch den eingewechselten Torun eigentlich nur eine 100-prozentige Torchance hatte, schrieb er der Leistung des Gegners zu: "Es war ein schweres Spiel, Leverkusen hat in der Abwehr sehr stark verschoben. Besonders Sami Hyypiäs Stellungsspiel und Passgenauigkeit waren beeindruckend, da war es schwer für uns, daran vorbeizukommen."

Hoffmann wundert sich nicht

Doch das Fehlen von Petric und Guerrero machte sich wieder einmal deutlich bemerkbar: Im Angriff der "Rothosen" fehlte es an der nötigen Qualität und Durchschlagskraft, mit denen der HSV bislang so dominant vor heimischem Publikum aufgetreten ist.

Für Vorstandsboss Bernd Hoffmann ist das auch nicht verwunderlich. "Wenn wir die Verletzungen von Petric und Guerrero gleichwertig ersetzen könnten, dann hätten wir in der Kaderplanung etwas falsch gemacht", sagte Hoffmann.

Berg lässt sich nicht unter kriegen

So ruht der Druck auf den Schultern von Marcus Berg. Gegen Leverkusen schoss der 23-Jährige immerhin zwei Mal aufs Tor, ihm fehlte aber die Bindung zum Offensiv-Spiel der Hausherren - 27 Ballkontakte sind eine schwache Quote.

Berg ist aber dennoch gewillt, sich der Herausforderung zu stellen. "Ich habe das Gefühl, dass es immer besser wird. Ich versuche dem Team zu helfen, das Team versucht mir zu helfen. Ich werde weiter hart an mir arbeiten", so Berg.

Keine Neuverpflichtung

Eine Verstärkung des Kaders noch vor Beginn der Transferperiode II im Januar ist beim HSV laut Labbadia ausgeschlossen: "Wir haben eine Notsituation, die nicht schön ist. Aber wir können jetzt nur einen Arbeitslosen holen. Aber bis der Spieler fit wäre, ist die Vorrunde vorbei."

Aus diesem Grund ist schon der Kauf des ehemaligen Dortmunders Ebi Smolarek gescheitert, der sich sieben Tage im Probetraining vorstellte.

Elia ist bereit

Doch welche Alternativen hat Labbadia, um die Lage in den Griff zu bekommen. Denkbar wäre, dass er Eljero Elia aus dem Mittelfeld endgültig in den Sturm befördert. Denn Tunay Torun fühlte sich wohler, wenn er nicht mit dem Rücken zum Tor steht. Das hat er gegen Bayer gezeigt.

Elia hätte mit der neuen Position, die er in einigen Spielen schon kurzzeitig ausfüllen musste, kein Problem: "Ich bin für alles bereit. Vielleicht werde ich jetzt Stürmer. Ich bin froh, wenn ich neue Erfahrungen machen kann."

Dass Labbadia einfach sein System auf ein 4-5-1 mit einer Spitze und drei offensiven Mittelfeldspielern umstellt, ist eher unwahrscheinlich. Dafür ist er zu sehr von seiner Philosophie überzeugt.

Warten auf den Januar

So müssen sich die Hamburger bis zum Ende der Hinrunde durchschlagen. Kapitän David Jarolim sieht darin aber kein Problem. "Die Mannschaft ist stark genug, die Ausfälle bis zum Winter zu kompensieren. Wir brauchen kein Alibi. Dafür haben wir genug Qualität", erklärte der Tscheche dem "Abendblatt".

Aber spätestens dann muss etwas passieren - fordert auch Ze Roberto in der "Bild": "Für den Erfolg braucht man einen großen Kader und erfahrene Spieler. Wir brauchen mehr Spieler und müssen mehr Qualität dazukaufen".

Aus Hamburg berichtet Michael Reis