Stuttgart - Als Tunay Torun als erster Stuttgarter aus der Kabine kommt, steht ihm die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben.

"Wir haben uns so viele Chancen herausgearbeitet, da muss man einfach als Sieger vom Platz gehen", erklärt der türkische Nationalspieler den wartenden Journalisten und macht dabei den Eindruck, als könne er es immer noch nicht glauben, gegen Steaua Bukarest im ersten Spiel der Europa-League-Gruppenphase nur 2:2 gespielt zu haben. Dabei musste der VfB am Ende noch von Glück reden, dass ihnen Abwehrrecke Georg Niedermeier mit einem platzierten Kopfball noch den Punkt gesichert hatte.

Niedermeier, der für den am Oberschenkel verletzten Serdar Tasci spielen durfte, feierte seinen Ausgleichstreffer auf besondere Art: Beinahe martialisch baute er sich nach dem Torerfolg vor den Stuttgarter Fans auf und ließ sich feiern. Danach noch ein feuriger Tritt in die Werbebande - fertig war das Ritual, das zum Ausdruck brachte, wie viel Leben nach wie vor in dieser Stuttgarter Mannschaft trotz der jüngsten Misserfolge in der Bundesliga steckt. "Wir hatten Chancen für drei Spiele", erklärte Niedermeier seinen Gefühlsausbruch gemischt aus Wut und Freude.

Viele Chancen blieben liegen



In der Tat zeigten die Schwaben gegen die im Umschaltspiel geschickten Rumänen offensiv eine starke Vorstellung. Der kämpferisch überzeugende Cacau, diesmal als Linksaußen aufgeboten, scheiterte zwei Mal unglücklich an der Latte. Auch Torun oder der kurz vor Abpfiff eingewechselte Martin Harnik hätten treffen können. Sie taten es nicht, was VfB-Manager Fredi Bobic zu der Analyse veranlasste: "Die Spieler haben Vieles richtig gemacht, aber es passieren derzeit zu viele leichte Fehler."

In der Tat muss man die Stuttgarter Vorstellung in zwei Teilen bewerten. So konnte die Defensiv-Leistung nicht mit der des Angriffs mithalten. Immer wieder konnten sich die Rumänen elegant und platzraubend befreien und kamen ihrerseits zu guten Gelegenheiten. Ein Umstand, der besonders vor dem nächsten Auswärtsspiel in der Bundesliga am kommenden Sonntag zur Sorge Anlass gibt.

Schnelle Bremer Angreifer



Dann geht es nach Bremen. Zu einer Mannschaft also, die in dieser Saison bereits mehrmals bewiesen hat, zu welch schnellem und technisch ausgereiften Spiel sie in der Lage ist. Dort werden sich die Verteidiger der Stuttgarter steigern müssen, wollen sie die schnellen Eljero Elia, Marko Arnautovic oder Nils Petersen in Schach halten. Auf der anderen Seite wartet auf den VfB eine Aufgabe, die ihm entgegenkommen könnte. So werden sich die Bremer im heimischen Weserstadion mit der Schubkraft der eigenen Anhänger im Rücken kaum verstecken.

Angriff wird die Devise der Norddeutschen sein. Das kommt der Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia entgegen, die mit Harnik, Torun, Ibrahima Traore oder Shinji Okazaki über zahlreiche schnelle Konterspieler verfügt. Der VfB wird bei den spielstarken Bremern eher nicht die Rolle des Handelnden übernehmen müssen - ein Umstand, der den Schwaben liegt. Wobei sie bei Werder Bremen auf den rotgesperrten Ibisevic verzichten müssen, der auch gegen Bukarest seine "Knipser-Qualitäten" unter Beweis stellte.

Klar ist aber auch: Nach nur einem Punkt aus den ersten drei Partien muss der VfB langsam aber sicher die Erfolgsspur einschlagen. "Insgesamt müssen wir jetzt endlich Ergebnisse liefern", sprach Christian Gentner am Donnerstagabend Klartext. Nach der Leistung gegen Bukarest muss man sagen: Das kann klappen - wenn es in Bremen auch in der Abwehr funktioniert.

Jens Fischer