Freiburg - Im Frühling wurde an den Nebenplätzen des Freiburger Stadions ein paar Tage lang herumgewerkelt. Seither verdecken dichte schwarze Planen die Sicht auf den Trainingsplatz, auf dem Trainer Christian Streich seine Spieler derzeit auf das Saisonfinish einstellt.

Zu groß ist die Angst vor Spionen anderer Vereine. Gerade Freistoßvarianten oder taktische Anordnungen sind schließlich nur dann wertvolle Waffen, wenn sich der Gegner nicht vorher schon darauf eingestellt hat. Die rund 15 Zaungäste, die einen Blick auf ihre Lieblinge werfen wollen, nehmen es mit Fassung. Schließlich bliebt beim SC Freiburg nach dem Training jeder Spieler stehen und schreibt bereitwillig Autogramme.

Objektive Lage ist besser als die Stimmung

Die Ausgangslage im Abstiegskampf ist dabei klar: Um ganz sicher auch in der kommenden Saison erstklassig zu sein, müsste Freiburg sowohl sein Heimspiel am Samstag gegen den FC Bayern München als auch das Auswärtsspiel am 34. Spieltag in Hannover gewinnen. Je nachdem, wie die Konkurrenz aus Hamburg, Stuttgart, Hannover und Paderborn spielt, genügen allerdings auch weniger Punkte (Was wäre, wenn...? Der engste Abstiegskampf aller Zeiten).

Die objektive Lage beim SC, der bekanntlich auf einem Nicht-Abstiegsplatz (15.) rangiert, ist also weit besser als mancher Kommentar zuletzt klang. Nach dem unglücklichen Last-Minute-Remis in Hamburg las sich mancher Zeitungstext bereits wie ein Abgesang auf den SC. Gewürdigt wurde nur, dass der SC mal wieder einen Sieg aus der Hand gegeben hatte. Dass er bei einem Konkurrenten auswärts gepunktet und dabei das klar bessere Team gewesen war, ging dabei ein wenig unter.

Am Selbstbewusstsein arbeiten

In Freiburg haben sie das natürlich auch registriert - wohlwissend, dass auch manche Aussage aus dem eigenen Lager nicht eben euphorisch klang. Umso mehr hat man sich vorgenommen, in den kommenden Tagen das Selbstbewusstsein der Spieler zu stärken, auf all das hinzuweisen, was den SC auch in dieser Spielzeit ausgezeichnet hat und dafür zu sorgen, dass am kommenden Samstag wieder eine Mannschaft auf dem Platz steht, die "mit Mut und Courage" (Trainer Christian Streich) ihre Chance sucht.

"Wir hatten schon positive Erlebnisse zuhause gegen Bayern München", wird dann auch Karim Guédé auf scfreiburg.com zitiert. "Von daher gilt es auch am Samstag, mit einem positiven Gefühl und mit positiver Kraft gegen sie anzutreten."

Auch Streich geht mit positivem Beispiel voran. Der Mann, dem man nach unglücklichen Niederlagen stets ansieht, wie ihn die Ereignisse mitnehmen, betont seit Wochen und Monaten die Stärken seiner Mannschaft, ihre Laufbereitschaft, die taktische Disziplin, das spielerische Niveau, das über dem der meisten Konkurrenten im letzten Tabellendrittel liegen dürfte. Auch Sportdirektor Jochen Saier äußert sich zuversichtlich: "Wir sind davon überzeugt, dass wir die Klasse halten."

Video: Christian Streich - Der Talententwickler

Gewachsene Strukturen

Doch während mancher Konkurrent Kurztrainingslager oder spezielle Teambuildingsmaßnahmen anvisiert, vertraut man in Freiburg auf die gewachsenen Strukturen innerhalb der Mannschaft. Die seien ebenfalls entscheidend, wenn es um die letzten Prozentpunkte im Abstiegskampf geht, meint Streich. "Ich bin sehr froh, eine Mannschaft zu trainieren, in der so viele außergewöhnliche Charaktere mit Sozialkompetenz stehen." Spieler wie Julian Schuster, Pavel Krmas oder Karim Guédé pushten die Mannschaft auch dann, wenn sie nicht zur Startelf gehören.

Auch Goalgetter Nils Petersen ("So etwas besprechen wir zusammen"), dessen Kraft noch nicht wieder für 90 Minuten reicht, akzeptiere klaglos, wenn Streich - wie beim HSV-Spiel - zum Ergebnis komme, dass er wertvoller sei, wenn er von der Bank komme. Mit welcher Aufstellung man dann am Samstag ins Rennen gegen die Bayern geht, ist - wie immer - offen. Dass die Mannschaft "alles in die Waagschale werfen" wird, wie Streich sagt, steht hingegen fest.