Wolfsburg/Köln - "Abstiegsmagier" Magath greift zu ungewöhnlichen Tricks - allein daran lässt sich ablesen, wie ernst die Lage beim VfL Wolfsburg vor dem Kellerduell gegen den 1. FC Köln ist. Am Sonntag (ab 15 Uhr im Live-Ticker) müssen die "Wölfe" unter gewaltigem Druck eine landläufige Meinung widerlegen: dass sie keinen Abstiegskampf können.

VfL-Coach Felix Magath versuchte am Karfreitag, die Stimmung etwas aufzulockern. "Ich plane nicht mit der Relegation, ich möchte rechtzeitig in Urlaub gehen", sagte Magath, ließ aber dennoch keine Zweifel aufkommen, dass die Lage ernst ist: "Es wurde viel geredet, auch schon vor mir. Jetzt müssen Taten folgen. Wir brauchen drei Punkte."

"Tun, was die Spieler nicht erwarten"

Noch am Mittwoch hatte der Übungsleiter für eine faustdicke Überraschung gesorgt: Er gab seinen Spielern frei. In so einer Situation sei es wichtig, "das zu tun, was die Spieler nicht erwarten", sagte Magath. Womöglich hatten die VfL-Profis nach den vergangenen Tagen etwas Zeit zur Besinnung tatsächlich bitter nötig gehabt.

Nicht nur von Magath waren die Spieler nach dem ernüchternden 2:2 gegen den FC St. Pauli in den Senkel gestellt worden. Am Dienstag stellten sich Diego und Co. im Fan-Saal der Wolfsburger Arena den unzufriedenen Anhängern, die deutlich machten, dass sie die "Schnauze voll" haben. "Es ist schon eine besondere Drucksituation", sagte Kapitän Marcel Schäfer.

"Jetzt rudern wir ans rettende Ufer"

Zumindest glauben die Spieler, bei der Aussprache einen Schulterschluss mit dem Anhang vollzogen zu haben. "Es ist unheimlich gut, dass die Fans trotz der schwierigen Situation weiter hinter uns stehen", sagte Diego Benaglio: "Jetzt gilt es, alle Kräfte zu bündeln und sich auf das Spiel gegen Köln zu fokussieren."

Momentan stehen die "Wölfe" punktgleich vor Borussia Mönchengladbach und dem FC St. Pauli auf dem Relegationsplatz. Frankfurt auf Rang 15 hat nach dem 1:1 gegen den FC Bayern München fünf Zähler mehr auf dem Konto.

Magath, der personell aus dem Vollen schöpfen kann, will sich komplizierte Rechnereien am liebsten ersparen, ihm gefallen Aufgaben mit wenigen Variablen. Entsprechend simpel fällt seine Analyse aus: "Wir wollen alle nicht in die 2. Bundesliga runter, weder Fans noch Spieler. Insofern sitzen wir alle in einem Boot, und jetzt rudern wir ans rettende Ufer."

Turbulente Tage in Köln

Die lustige Bootsfahrt verhindern möchten die Gäste aus Köln, die ebenfalls turbulente Tage hinter sich haben. Frank Schaefer hat unter der Woche erklärt, dass er zum Saisonende als Chef-Trainer des 1. FC Köln aufhören wird.

Der medialen Berichterstattung über eine mögliche Einflussnahme von FC-Sportdirektor Volker Finke auf die Entscheidung widersprach Schaefer vehement: "Es gab klare Absprachen mit Volker Finke, dass er sehr nah an das Team heranrückt und mich tatkräftig unterstützt. Unser gemeinsames Ziel ist es, Potenziale für den Club zu nutzen und einzubringen. Meine Entscheidung hat nichts mit Volker Finke zu tun!"

Yabo vor Startelf-Debüt

Nachdem der FC in den vergangenen Auswärtsspielen bittere Niederlagen kassierte, gehe es in Wolfsburg nun darum, den Negativlauf in der Fremde zu stoppen und einen wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt zu machen. Schaefer glaubt, dass die Mannschaft motiviert zum VfL reisen wird. "Wir müssen nun auch auswärts zeigen, wozu wir in der Lage sind. Wir sind gut vorbereitet und ich bin überzeugt davon, dass wir in Wolfsburg ein gutes Auswärtsspiel zeigen werden", erklärt der Trainer.

Verzichten muss Schaefer womöglich auf den Portugiesen Petit, der aufgrund eines familiären Krankheitsfalles unter der Woche in sein Heimatland reiste und erst am Freitag zurückkehrte. Lukas Podolski fehlt gelbgesperrt, Slawomir Peszko fällt nach seinem Innenbandriss verletzt aus. Der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler Reinhold Yabo und Offensivallrounder Sebastian Freis dürfen sich daher laut Schaefer berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in der Startelf machen.