Köln - Die wichtigsten Entscheidungen standen schon vor Beginn des 34. Spieltags fest: Borussia Dortmund hatte den Gewinn der Meisterschaft schon am 32. Spieltag besiegelt und auch in Sachen definitiver Klassenerhalt war alles geregelt. Dennoch mussten einige Teams auch in der letzten Runde der Saison 2011/12 an ihre Schmerzgrenze zu gehen, um das gesteckte Ziel zu erreichen.

In Berlin lautete das Vorhaben für die Partie gegen 1899 Hoffenheim "drei Punkte!". Hertha BSC musste unbedingt gegen den Club seines Ex-Trainers Markus Babbel gewinnen, um zumindest theoretisch die Möglichkeit zu haben, den 1. FC Köln noch von Relegationsplatz 16 zu verdrängen.

Die "alte Dame" beißt



Trainer Otto Rehhagel hatte die Mannschaft unter der Woche per Geheim-Training abgeschirmt und hinter verschlossenen Toren auf die alles entscheidende Begegnung eingeschworen - mit Erfolg! Die Hertha bewies vom Anpfiff weg, dass sie wollte; die Aggressivität stimmte. Zwar gewannen Peter Niemeyer und Co. nur 45,6 Prozent ihrer Zweikämpfe, doch 29 Foulspiele (Hoffenheim: 16) beweisen, dass die Spieler wussten, was die Stunde geschlagen hatte.

Auch die Laufleistung der Hauptstädter stimmte: Hoffenheim sammelte 104,4 Kilometer, die "alte Dame" lief fast 10.000 Meter mehr (113,4)! Dabei taten sich Raffael (11,05 km), Levan Kobiashvili (11,06) und Änis Ben-Hatira (11,64) als unermüdliche Antreiber hervor.

Besonders Letzterer avancierte zum Helden des Spiels. Mit seinem Freistoß-Treffer in der 14. Minute zum 1:0 tat Ben-Hatira für sein Team den ersten Schritt in Richtung Relegation, ehe der 23-Jährige mit seinem zweiten Tor (78.) den direkten Abstieg noch weiter wegstoßen sollte. Das entscheidende 3:1 erzielte mit Raffael schließlich der kreative Kopf und zweitbeste Scorer des Hauptstadt-Clubs.

Köln und Podolski scheitern am Rekordmeister



Dem besten Punktesammler des 1. FC Köln, Lukas Podolski, blieb ein Treffer im Entscheidungsspiel gegen den FC Bayern München verwehrt. Dabei versuchte der Liebling der FC-Fans von Beginn an alles, seine Liebe in der Bundesliga zu halten und den fünften Abstieg in die 2. Bundesliga zu verhindern (drei Torschüsse) und seine Mannschaftskollegen mitzureißen.

Doch das gelang dem 26-jährigen Nationalspieler nur bedingt. So stimmte zwar der läuferische Einsatz der "Geißböcke" - immerhin liefen sie mit 115,1 km etwas mehr als der Rekordmeister (113,4) - doch sie fanden nicht die Bindung zum Spiel. Der FCB schoss mehr als doppelt so oft aufs Tor (16:7) und bestimmte die Partie nach einer Findungsphase fast nach Belieben, wie 59,1 Prozent Ballbesitz verdeutlichen.

Hannover versteht Weckruf



Ähnlich einfach wie für den FC Bayern las sich auch die Aufgabe von Hannover 96, das zur Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation einen Sieg gegen Tabellenschlusslicht 1. FC Kaiserslautern benötigte. Doch die bereits als Absteiger feststehenden Gäste aus der Pfalz zwangen der Mannschaft von Trainer Mirko Slomka ein hartes Stück Arbeit ab. 116,5 Kilometer liefen die "Roten Teufel" (Hannover: 112,4) und setzten auch das erste Ausrufezeichen der Partie.

Pierre De Wit (11,42 km), der mit Oliver Kirch (12,4) und Florian Dick (11,84) zu den lauffreudigsten Lauterern gehörte, versetzte den Europacup-Träumen der Niedersachsen mit einem wunderbaren Fernschuss-Tor bereits in der 7. Minute einen Dämpfer.

Doch anstatt aufzustecken, verstand Hannover den frühen Rückstand als Weckruf und kam danach immer besser in die Partie. Die Belohnung folgte noch vor der Pause durch ein Eigentor der Gäste, an dessen Entstehung 96-Stürmer Didier Ya Konan maßgeblich beteiligt war. Der Ivorer war es auch schließlich, der für die "Roten" in der 71. Minute mit seinem sechsten Saisontor den 2:1-Endstand herstellte und den Traum von der erneuten Europa-League-Teilnahme erfüllte.

Gregor Nentwig