Als viele schon wieder mit einer neuerlichen Krise beim FC Bayern München gerechnet hatten, zeigte der deutsche Meister große Moral und verließ die Arena schließlich als strahlender Sieger.

Durch das 4:2 (1:2) gegen den VfL Wolfsburg nach 0:2-Rückstand hat der FC Bayern auch das ausgegebene Ziel Herbstmeisterschaft weiter im Blick.

"Nur eine Zwischenstation"

"Das war nichts für schwache Nerven. Wir mussten viel Aufwand betreiben, um den Dreier einzufahren", sagte Jürgen Klinsmann nach seiner bisher erfolgreichsten Woche als Trainer beim Rekordmeister sichtlich erleichtert.

Nach dem dritten Erfolg in Serie, inklusive des 3:0 in der Champions League gegen den AC Florenz, befinden sich die Bayern klar im Aufwind und sogar schon wieder auf Tuchfühlung zur Spitze.

Schon am Mittwoch bei Eintracht Frankfurt wollen die Bayern nachlegen. "Das kann nur eine Zwischenstation sein", betonte Manager Uli Hoeneß beim Blick auf die Tabelle.

Bayern nur "Hausmeister"?

Beim Duell mit Ex-Coach Felix Magath hatte zunächst aber nicht viel nach einem Sieg der Münchner ausgesehen. Grafite (31.) per Foulelfmeter und Edin Dzeko (34.) hatten die Gäste gegen äußerst müde und uninspirierte Bayern verdient mit 2:0 in Führung gebracht.

Die Münchner Fans machten ihrem Unmut bereits lautstark Luft, und Hoeneß dachte zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr an die Herbstmeisterschaft, sondern "höchstens, dass wir Hausmeister werden".

"Ribery-Treffer entscheidend"

Doch eine Einzelleistung von Franck Ribery (41.), der nach seiner Verletzung immer besser in Tritt kommt, brachte schließlich die Wende.

"Das war entscheidend", meinte VfL-Magath anschließend. Bis dahin habe er durchaus die Hoffnung gehabt, dass die Wolfsburger Negativserie in München (noch kein Bundesliga-Sieg) enden würde: "Doch dann haben wir wohl Angst bekommen. Wir waren zu passiv." Mittelfeldspieler Zvjezdan Misimovic drückte es noch drastischer aus: "Wir dürfen uns nicht so amateurhaft verhalten."

Gut 20 Jahre ist es her...

Die Schwächen des VfL nutzten die nun wesentlich engagierteren Bayern vor 69.000 Zuschauern eiskalt aus: Kapitän Mark van Bommel (54.), der eingewechselte Tim Borowski (63.) und Bastian Schweinsteiger (80.) sorgten dafür, dass der Rekordmeister erstmals wieder seit dem 21. Mai 1988 einen zwei Tore Rückstand aufholte. Damals gelang in Leverkusen sogar nach einem 0:3 noch 4:3.

"Wir haben eine Packung Herztropfen genommen, und dann lief es besser", beschrieb Schweinsteiger mit breitem Grinsen den Umschwung.

Laut Christian Lell habe man sich in der Kabine "ganz tief in die Augen geschaut und dann den Hebel umgelegt". Für Magath war es letztendlich nur eine "Frage von Qualität. Die Bayern machen ihre Torchancen, wir nicht".

Hoeneß kritisiert Defensive

Hoeneß war entsprechend angetan, dass sein Team "aus einem aussichtlosen Spiel mit einer grandiosen zweiten Halbzeit die Zuschauer begeistert hat. Die Mannschaft hat Gesicht und tolle Moral gezeigt". Für Ex-Coach Ottmar Hitzfeld war die Leistung nach der Pause schon "ziemlich meisterlich".

Dennoch wollte Klinsmann vor dem Spiel in Frankfurt die Augen vor den neuerlichen Abwehrschwächen nicht verschließen. "Wir müssen dringend an den Problemen in der Defensive arbeiten", erklärte er.

Auch Hoeneß war mit der Viererkette, in der mit Ausnahme von Martin Demichelis keiner Normalform erreichte, nicht zufrieden: "Wenn man so viele Gegentore kriegt und so viele Chancen zulässt, muss man was tun. Wir müssen nicht andere Spieler holen, sondern eine andere Einstellung zeigen."