Nach einem erst in der Verlängerung souverän herausgespielten 4:1-Sieg gegen den Zweitligisten 1. FSV Mainz 05 steht Bayer 04 Leverkusen zum dritten Mal nach 1993 und 2002 im DFB-Pokalfinale. Dort treffen die Rheinländer am 30. Mai auf den Gewinner der Partie Hamburger SV gegen Werder Bremen.

Es war ein hartes Stück Arbeit für den großen Favoriten. Bayer Leverkusen tat sich lange Zeit sehr schwer gegen die extrem defensiv eingestellten Gäste aus Mainz.

Erst nach rund 70 Spielminuten und der Einwechslung von Angelos Charisteas für den glücklosen Patrick Helmes erhöhte die Werkself sichtbar den Druck und kam zwangsläufig zu den entsprechenden Torchancen.

"In der Verlängerung stehend k.o."

"Wir haben nie die Geduld verloren, auch wenn es kein attraktives oder sensationelles Spiel von uns war", meinte Bayer-Kapitän Simon Rolfes. "Wir haben von Beginn an gemerkt, dass die Mainzer sehr defensiv gestanden haben. Da wurde uns klar, dass wir sie mit Geduld richtig laufen lassen und müde spielen müssen. In der Verlängerung waren sie dann stehend k.o. und konnten nichts mehr zusetzen."

Geduld und Ausdauer waren bei diesem anspruchsvollen Abnutzungskampf gefordert. Und nach dem späten Mainzer Ausgleichstor auch eine gute Moral. "Am meisten bleibt bei mir von diesem Spiel hängen, dass die Mannschaft eine wahnsinnig gute Moral gezeigt hat", freute sich Bayer-Trainer Bruno Labbadia.

Der verdiente Lohn

Angesichts der bisher so enttäuschenden Rückrunde war dies keine Selbstverständlichkeit. "Die Ergebnisse der letzten Wochen hatten oft nichts mit der Leistung zu tun", versucht Labbadia zu relativieren. "Wir hatten das Glück nicht gepachtet, man denke nur an das letzte Spiel in Wolfsburg. Es war enttäuschend, dass sich die harte Arbeit der Mannschaft in den letzten Wochen überhaupt nicht in den Resultaten widerspiegelt."

In der Bundesliga fiel Bayer von der Tabellenführung nach dem 13. Spieltag auf gegenwärtig Rang 9 zurück, seit dem Umzug in die Düsseldorfer LTU arena blieb die Labbadia-Elf in fünf Heimspielen sieglos.

"Das war sehr hart für uns. Da hat man gemerkt, dass wir noch nicht so gefestigt sind", meint Labbadia. "Umso schöner war es zu merken, dass die Mannschaft so fokussiert auf das Halbfinale war und unbedingt ins Finale wollte. Auch für mich als Trainer ist das Finale in meinem ersten Bundesliga-Jahr die Erfüllung eines Traumes."

Glücklicher Adler

Über den DFB-Pokal kann die "Werkself" das Saisonziel internationales Geschäft, das in der Bundesliga aller Voraussicht nach verpasst wird, doch noch erreichen. Entsprechend groß war aber auch der Druck vor dem von Sportdirektor Rudi Völler ausgerufenen "Spiel des Jahres". "Wir haben dem Druck Stand gehalten und sind sehr erleichtert", freute sich Keeper René Adler, der bei Pokalspielen seiner Truppe eine Besonderheit festgestellt hat.

"Das ist ein Phänomen bei uns. In Pokalspielen spürt man eine gewisse Anspannung und einen Teamspirit bei uns. Wir wollten unbedingt nach Berlin und dieses einmalige Erlebnis fühlen und mitnehmen."

Labbadia weiß aus eigener Erfahrung als Spieler, wie einmalig ein Pokalfinale im Berliner Olympiastadion ist. 1990 gewann er mit dem 1. FC Kaiserslautern den "Pott" nach einem 3:2-Sieg und zwei Labbadia-Treffern gegen Werder Bremen. Auch Spieler wie Simon Rolfes, Manuel Friedrich oder Angelos Charisteas, die 2004 allesamt im Kader des damaligen Pokalsiegers Werder Bremen standen, können ihren Kollegen davon vorschwärmen.

Tobias Gonscherowski