Bremen - Als sich die Gemüter wieder beruhigt hatten, und die Szenen, über die sich die Bremer und die Schalker während der Partie nicht immer so ganz einig gewesen waren, geklärt waren, da stand in den Katakomben des Weser-Stadions auf einmal ein Spieler im Mittelpunkt, den man eher selten im Rampenlicht antrifft und dem es dort auch wenig behagt: Petri Pasanen.

Der 30-Jährige Finne, der die Bremer im Sommer nach sieben Jahren an der Weser einvernehmlich verlassen wird, zählt zu den verlässlichsten und vorbildlichsten Profis, die Trainer Thomas Schaaf in seinen Reihen hat und mit Sicherheit war Pasanen stets einer seiner treuesten. Egal auf welcher Position Schaaf ihn brauchte, wohin er in der Viererkette auch geschoben wurde, Pasanen machte seine Sache immer ordentlich und das ohne jedes murren.

Ein Musterprofi eben, einer von der Sorte, die zwar nie zu den großen Stars der Bundesliga zählen würden, aber deren Wert für eine Mannschaft unschätzbar ist. So war Pasanen auch gegen Schalke wieder besonders wichtig, dieses Mal als Innenverteidiger-Ersatz für den verletzten Sebastian Prödl. Und der ruhige Finne machte seine Arbeit so gut, dass er von Werder gar zum "Mann des Spiels" gewählt wurde.

Gefühlter Vereinsrekord

Kein Bremer hatte an diesem Abend mehr Ballkontakte als er, mit Übersicht räumte er manch drohende Gefahr an der Seite von Per Mertesacker aus dem Weg und fast hätte Pasanen seinen Einsatz noch mit einem Treffer krönen können. Doch sein Kopfballtor aus der Anfangsphase der Partie wurde wegen eines vorangegangenen Fouls an Schalke-Keeper Manuel Neuer abgepfiffen. Pasanen nahm es mit Humor: "Es gibt wohl ein Gesetz, dass Finnen in der Bundesliga keine Tore schießen dürfen", scherzte er, obwohl ihm eigentlich nicht ganz so heiter zumute war.

Denn zwar hatten die Bremer durch das 1:1 nun zum siebten Mal in Folge nicht verloren, doch dabei eben fünf Mal die Punkte geteilt und schlimmer noch, auch zum sechsten Mal im heimischen Stadion nicht mehr gewonnen. "Das war gefühlt das 50. Unentschieden und gefühlter Vereinsrekord, was das betrifft", erklärte Pasanen, "aber in unserer Situation nehmen wir jeden Punkt gerne mit."

Es wird bis zum Schluss dauern

Denn die Werderaner können auch nach dem 30. Spieltag immer noch nicht erleichtert aufatmen, rein rechnerisch hat sich der Tabellenelfte nicht endgültig aus der Abstiegsgefahr befreit. "Wir haben immer gesagt, dass es bis zum Schluss dauern wird", sagte Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs, "wir hätten gegen Schalke einen Riesenschritt in der Tabelle machen können, aber wir nutzen momentan unsere Torchancen nicht aus. Es muss auch mal wieder zu drei Punkten reichen."

Kapitän Torsten Frings wollte in der "Einhörnchen-Taktik" seiner Mannschaft aber durchaus Positives sehen: "Jedes Spiel ist wichtig für uns und jedes Spiel, das wir nicht verlieren, ist gut. Wir holen Punkte und bald haben wir genug, um die Klasse zu halten."

Umbruch wird eingeläutet

Dabei möchte auch Pasanen noch tatkräftig mithelfen, um sich gebührend von den Bremer Fans zu verabschieden. Leicht fällt es ihm nicht, seine "zweite Heimat" zu verlassen. Er war nie der Typ, der gerne seine Emotionen gezeigte, war lieber stets der coole Finne, der sich Fragen über sein Privatleben höflich verbat. "Ich bin schon traurig", sagte Pasanen knapp, und auch bei Werder lässt man ihn ungern ziehen: "Es ist schade, dass er uns verlässt. Er hat sich immer korrekt verhalten und alles für Werder gegeben, aber irgendwann muss man loslassen", sagte Allofs.

Der Weggang des Routiniers läutet den Umbruch ein, der bei den Bremern im Sommer ansteht, auch wenn der Abstieg abgewendet wird. Denn ohne den lukrativen internationalen Wettbewerb müssen die Hanseaten künftig noch konsequenter sparen und die Mannschaft wohl auch weiter verjüngen. Pasanen wird Werder in vielerlei Hinsicht fehlen, besonders wenn er nun betont: "Werder ist im Moment viel wichtiger als ich." Kein Wunder, dass auch seine Mitspieler ihm noch zu einem schönen Abschiedsgeschenk verhelfen wollen. "Das mit dem letzten Tor für ihn - das müssen wir noch irgendwie hinkriegen", kündigte Mertesacker an: "Das hat er sich einfach verdient."

Petra Philippsen