München - Nach dem EM-Ende sind den meisten Fußball-Protagonisten ein paar Tage Pause vergönnt - nur nicht den Verantwortlichen des FC Bayern. Denn der deutsche Rekordmeister meldete sich am Tag nach dem Finalsieg der Spanier mit einem Paukenschlag zurück.

Kein Geringerer als Matthias Sammer wird ab sofort bei den Münchnern einsteigen, um dem zuletzt leicht taumelnden Prestige-Verein wieder das Siegerimage einzuimpfen. Für Sammer, der als "Sport-Vorstand" in die obere FCB-Etage einsteigt, muss der bisherige Sportdirektor Christian Nerlinger weichen. Nachdem sich die Bayern zum zweiten mal in Folge den Meistertitel von Borussia Dortmund abspenstig machen ließen, und zudem im DFB-Pokal und Champions League das jeweilige Finale verloren, sahen sich Uli Hoeneß und Co. offenbar zu diesem Schritt gezwungen.

Freigabe aus Frankfurt

Der Bayern-Präsident bedauerte den Schritt, sich von Nerlinger zu trennen und gab als Grund "deutliche Unterschiede in der Auffassung der Visionen und die Zukunft des Vereins" an. Sammer sei ab sofort für alle Dinge der Lizenzspielermannschaft außerhalb des Trainingsplatzes, für das Nachwuchskonzept und für das Scouting zuständig.

Dabei sei die Entscheidung bereits vor einigen Wochen gefallen, man habe aber "auf Rücksicht auf die Nationalmannschaft" das Ende der EM abgewartet. "Wir haben während der EM einige Gespräche geführt und diese erst am letzten Wochenende intensiviert", erklärte Hoeneß. "Als wir uns dann mit Matthias Sammer geeinigt hatten, hat es ein Gespräch mit ihm und dem DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach gegeben. Und als von dort die Freigabe kam, war es klar, dass wir spätestens am Mittwoch die Zusammenarbeit mit Matthias Sammer beginnen können."

Beckenbauer hat "positive feelings"

Der DFB wollte kein Spielverderber sein und legte Sammer keine Steine in den Weg. "Wir lassen Matthias Sammer nur sehr schweren Herzens gehen", so Niersbach. Sammer, dessen Vertrag mit dem DFB bis 31. März 2016 gelaufen wäre, sei ein "Querdenker, ein unbequemer Geist im positiven Sinne, den wir sehr vermissen werden", ergänzte Niersbach, der nun selbst einen neuen Sportdirektor braucht.

Kurze Zeit, nachdem die Pressestelle des FCB die Bombe platzen ließ, meldete sich Franz Beckenbauer via Twitter (und in englischer Sprache) zu Wort. "I have positive feelings about Matthias Sammer joining FCB. Welcome!" zwitscherte der "Kaiser" seine Zufriedenheit in die Welt heraus. Sammer beim FC Bayern - da hat wohl nicht nur Beckenbauer ein gutes Gefühl.

Oberste Priorität für den neuen starken Mann dürfte es sein, den Münchnern das "Mia-san-mia-Gefühl" zurückzugeben und das verlorene Terrain gegenüber dem BVB, seinem früheren Club, zurückzugewinnen. Sammer, dessen Markenzeichen sowohl als Spieler als auch Trainer und Sportdirektor es war, sich auf den totalen Erfolg zu fokussieren, hat eine Menge Arbeit vor sich. Eine seiner ersten Amtshandlungen dürfte es sein, die vielen EM-Fahrer aufzurichten, wenn diese nach ihrem Urlaub an der Säbener Straße eintrudeln.

Johannes Fischer