Klatsch, klatsch. "Das gibt's doch gar nicht! Nicht einmal das leere Tor trifft der", nörgelt ein Familienvater hinter dem Zaun, nachdem Luca Toni im Bayern-Training am Karfreitag zwei Schüsse hintereinander an den Pfosten setzt. Der Italiener quittiert die Fehlversuche mit einem lauten "Mamma Mia!" und lacht dabei.

Auch beim Sechs gegen Zwei ist die Stimmung auf dem Trainingsplatz an der Säbener Straße gut. Kapitän Mark van Bommel macht den "Schiedsrichter" und zählt immer wieder laut die Ballkontakte der Spieler im Außenkreis, bei denen es das Duo in der Mitte nicht schafft, die Kugel zu erobern. Nach jeder Runde wird geflachst.

Bei sommerlichen 25 Grad bereitet sich der FC Bayern München auf die Partie gegen Eintracht Frankfurt (Sa., ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) vor - und das mit guter Laune. Sollten die Profis die 0:4-Schmach im Camp Nou tatsächlich schon verdaut haben?

"Können noch viel retten"

Im anschließenden Pressegespräch gibt Toni auch bundesliga.de einen Einblick in sein Seelenleben. "Ich habe das schon noch im Kopf. Wir Spieler haben als erstes gemerkt, was für ein schlechtes Spiel wir abgeliefert haben. Es war ein schrecklicher Abend. Aktuell sind wir am Boden", muss der Italiener zugeben. Die Lage ist also ernst.

Aber nicht aussichtslos, wie der kämpferische Angreifer verdeutlicht. "Wir werden alles geben, weil wir noch viel retten können. Wenn wir gegen Frankfurt gewinnen und danach die Deutsche Meisterschaft holen, können wir dieses Jahr noch retten", sagt Toni.

Für die Bayern gilt es, gegen die Hessen die richtige Mischung aus Locker- und Verbissenheit zu finden. Bei drei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter VfL Wolfsburg darf sich der Rekordmeister nämlich gegen den Tabellenzwölften keinen weiteren Ausrutscher leisten, er will und muss die letzte verbliebene Titelchance nutzen.

Mitleid mit Klinsmann

Nach den zwei Pleiten innerhalb von fünf Tagen mit 1:9 Toren gegen die "Wölfe" und Barca gibt sich Toni selbstkritisch. "Was der Trainer sagt, berücksichtigen wir natürlich. Aber der Trainer steht ja nicht auf dem Platz", nimmt der 31-Jährige Jürgen Klinsmann in Schutz.

"Der Trainer tut mir leid, weil alle die Schuld auf ihn schieben. Das ist nicht richtig, wir sind alle verantwortlich für das, was passiert ist."

In der Allianz Arena zählt daher am Samstag nur das Ergebnis. "Wir müssen die Niederlagen jetzt abhaken, der nächste Gegner heißt nicht Barcelona, sondern Eintracht Frankfurt. Ob wir aggressiv spielen oder nicht, ist egal. Was zählt, sind ein Sieg und drei Punkte. Basta!"

Mit vollem Risiko zum Titel

Nicht lediglich ein Erfolgserlebnis gegen Frankfurt soll her, der FCB muss vielmehr eine Serie starten. "Die Bundesliga dauert jetzt noch einen Monat. Wir müssen alles auf diese eine Karte setzen und gewinnen. Wenn uns das nicht gelingen sollte, ist das ganze Jahr gescheitert", weiß Toni, der in der vergangenen Saison mit dem Club das Double geholt hat.

Die Mannschaft, wenn auch personell kaum verändert, sei aber keineswegs schlechter als im Vorjahr. "Wir hatten in dieser Saison viel mehr Verletzungen", stellt Toni fest.

Weiterhin Personalprobleme

Auch gegen Frankfurt muss der FC Bayern wieder auf wichtige Spieler verzichten. Miroslav Klose (Sprunggelenk) und Philipp Lahm (Wade) fallen erneut aus. Daniel van Buyten fehlt weiterhin wegen familärer Probleme. Immerhin kehrt Lucio nach überstandenen Adduktorenproblemen in die Innenverteidigung zurück.

In welcher Aufstellung auch immer, gegen Frankfurt fordert Toni eine entschlossene Reaktion: "Wir müssen Gas geben und nicht so viel reden, sondern Taten sprechen lassen!"

So wie Toni es im Bayern-Training selbst tat, als er im Abschlussspielchen doch noch einnetzte und den zuvor nörgelnden Familienvater hinter dem Zaun zufrieden stellte.

Von der Säbener Straße berichtet Tim Tonner