München - Wenn die Nerven über Sieg und Niederlage entscheiden, wenn Existenzängste die Beine lähmen und wenn das Spielerische in den Hintergrund tritt - dann ist Abstiegskampf angesagt. Brisant sind vor allem die direkten Aufeinandertreffen, wenn sich also zwei Teams mit den gleichen Sorgen und Nöte gegenüberstehen (jetzt mit dem Tabellenrechner alle Partien bis zum Saisonende durchspielen).

In der aktuellen Saison haben diese Duelle beileibe keinen Seltenheitswert - im Gegenteil: Der erbitterte Kampf um den Klassenerhalt spitzt sich derart zu, dass es an jedem der restlichen Spieltage zu mindestens einem Duell zweier abstiegsgefährdeter Mannschaften kommt. Nach kurzem Luftholen aufgrund der Länderspielpause geht es schon am Freitag, den 1. April mit dem nächsten Kapitel weiter - der FC St. Pauli empfängt Schalke 04.

Rangnick will Kommunikation verbessern

Dass die "Knappen" so tief im Schlamassel stecken, ist jedoch alles andere als ein Aprilscherz. Nach dem Trainerwechsel soll nun Ralf Rangnick das Traditionsteam so weit auf Kurs bringen, dass man in der Liga möglichst schnell aus dem Gröbsten raus ist. Gar nicht so einfach - wie der neue Übungsleiter nach der 0:2-Niederlage in Leverkusen konstatierte: "Ich habe nicht das Gefühl, dass die Mannschaft eine Vorstellung hat, wie sie den Gegner in Bedrängnis bringen soll."

Die Länderspielpause kommt Rangnick dabei wie gerufen, auch wenn er auf viele abgestellte Spieler verzichten muss. In den Tagen bis zum Schlüsselspiel am Millerntor will der Coach nicht nur an einer neuen Taktik feilen, sondern auch die Kommunikation mit seinen Profis optimieren: "Die Spieler werden einen Trainer kennenlernen, der eine andere Art hat, wie man miteinander umgeht."

"Brauchen noch mindestens zwei Siege"

Rangnick, Spitzname "Professor", rechnet die nötige Ausbeute im Abstiegskampf schon einmal hoch: "Das ist eine Situation, in der man mindestens noch zwei Siege braucht. Vielleicht reichen auch fünf Punkte." Kein Wunder, dass Schalkes neuer Cheftrainer auf die drei Punkte gegen den Mitkonkurrenten besonders scharf ist. "Mit den beiden Siegen sollten wir, wenn möglich, schon beim Auswärtsspiel gegen St. Pauli beginnen."

Im Gegensatz zu den "Königsblauen", die keine Érfahrungen im Abstiegskampf besitzen, waren die Hamburger von Anfang an auf den Klassenerhalt gepolt. Dennoch zeigte der "Kiezclub" in den vergangenen Wochen eine stark fallende Tendenz: Nach dem berauschenden Derby-Sieg gegen den HSV kassierte das Team von Trainer Holger Stanislawski fünf Pleiten in Serie und rutschte damit auf den Relegationsplatz.

"Wer schwarz mitfährt, fliegt raus"

Vor allem in der Offensive drückt den Hamburger der Schuh: 29 Saisontreffer sind hinter Eintracht Frankfurt die zweitschlechteste Ausbeute aller Bundesligisten. Mit Ausnahme von Gerald Asamoah, der mit sechs Toren und sechs Vorlagen auf zwölf Punkte in der Scorerwertung kommt, ist kein einziger St. Paulianer unter den Top 50 der Liga zu finden - und das, obwohl die Hamburger nicht selten das bestimmende Team waren. "Wir haben es nicht geschafft unsere Dominanz im Ergebnis auszudrücken" ist entsprechend ein Standardsatz von Stanislawski.

Um die Trendwende gegen Schalke 04 einzuleiten, setzt der redegewandte Hamburger Coach auf radikale Maßnahmen - zumindest im rhetorischen Bereich. "Es ist an der Zeit, die Streitaxt rauszuholen", kündigte "Stani" im "Hamburger Abendblatt" martialisch an. "Es gibt gewisse Maßnahmen, die man jetzt ergreifen muss. Wir werden alles dafür tun, dass es hier auch im nächsten Jahr noch Bundesliga gibt. Jeder, der auf den Zug aufspringen will, bekommt ein Ticket. Wer aber schwarz mitfährt, fliegt raus."

Am Donnerstag verletzte sich Moritz Volz nach einem Zweikampf mit Gerald Asamoah schwer und fällt mit einem Schienbeinbruch bis zum Saisonende aus. Das hat Stanislawski mit der "Streitaxt" vermutlich nicht gemeint.

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