Die Euphorie des 2:1-Überraschungscoups von München hielt genau eine Woche.

Dann hatte den 1. FC Köln nach einem 1:1 gegen Arminia Bielefeld die Alltagsrealität wieder. Doch die fühlt sich immer noch sehr gut an.

Vor Bremen in der Tabelle

Denn der Aufsteiger steuert in relativ ruhigen Gewässern souverän dem Saisonziel gesicherter Mittelfeldplatz entgegen. Momentan rangieren die Domstädter auf Position 10 der Bundesliga-Tabelle und haben gegenwärtig sogar den Champions League-Teilnehmer Werder Bremen hinter sich gelassen.

Seit sechs Spielen sind die "Geißböcke" ungeschlagen. Sie haben einen Vorsprung von neun Punkten auf die Abstiegsränge heraus gearbeitet und früher als alle anderen Bundesligisten bereits mit Lukas Podolski (Bayern München) und Sebastian Freis (Karlsruher SC) hochkarätige Neuverpflichtungen für die kommende Saison perfekt gemacht.

Novakovic und Petit wohl einsatzbereit

Jetzt steigt am Freitag (ab 20 Uhr im Live-Ticker) in der Veltins-Arena der alte Westschlager gegen den FC Schalke 04. Und entgegen ersten Befürchtungen kann Trainer Christoph Daum dabei voraussichtlich auch auf wichtige Stammspieler zurückgreifen. Sowohl Torjäger und Mannschaftskapitän Milivoje Novakovic als auch Mittelfeldstratege Petit haben ihre Blessuren aus dem Bielefeld-Spiel überstanden und sind wohl einsatzbereit.

"Wir fahren wieder als Außenseiter nach Schalke, wollen die Schalker ärgern und etwas mitzunehmen", kündigt Kölns Abwehrspieler Marvin Matip keck an. "Vielleicht wird es ein Punkt, vielleicht werden es drei." Das Selbstvertrauen kommt nicht von ungefähr. Denn die Kölner haben nicht nur das Hinspiel mit 1:0 gegen "Königsblau" gewonnen.

Daum hofft auf erneute Überraschung

Der FC stellt auch das drittbeste Auswärtsteam der Liga und hat auf fremden Plätzen bereits 16 Punkte eingefahren und damit mehr als etwa die vier Topteams (Hertha, HSV, Hoffenheim und Wolfsburg) der Bundesliga. In Schalke ist der Aufsteiger auf dem Papier dennoch wieder Außenseiter.

Aber das waren die Rheinländer vor zwei Wochen in München auch schon. "Und gegen die Bayern hatten wir nichts zu verlieren. Da konnten wir befreit aufspielen", hofft Daum auf eine Wiederholung der großen Überraschung.

Probleme vor heimischem Publikum

So stark sich die Kölner in dieser Saison in den Auswärtsspielen präsentieren, so ernüchternd ist die Punkteausbeute im heimischen RheinEnergieStadion. Seit fünf Heimspielen wartet der FC auf einen Heimsieg, nur neun Treffer gelangen in elf Partien, der Minuswert der Bundesliga.

"Es bringt uns nicht weiter, wenn wir von einem Heimkomplex sprechen", versucht FC-Manager Michael Meier zu beschwichtigen. "Wir haben auch gegen Karlsruhe einen Punkt geholt und damit keinen Boden verloren. Genauso wie gegen Bielefeld. Unsere Fans haben verinnerlicht, dass es in diesem Jahr um den Klassenerhalt geht. Und dass wir uns ambitioniert positionieren wollen in der Bundesliga."

Viel Methode

Gegen Bielefeld hat die Mannschaft vor allem im ersten Durchgang ein richtig gutes Spiel gemacht. "Das war die beste erste Halbzeit der ganzen Saison", urteilte Marvin Matip. "Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten richtig gut gespielt", fand auch Christoph Daum, der die Punkteteilung zumindest nach außen auch als Erfolg verkaufte. "Wir verfahren nach der Eichhörnchen-Taktik und holen uns Punkt für Punkt."

Und mit dieser Methode ist der 1. FC Köln bislang auch sehr gut gefahren.

Tobias Gonscherowski