Basel - Die DFB-Elf hat den vorletzten Test vor der EURO 2012 gründlich verbaselt. Mit 3:5 unterlag die Elf von Bundestrainer Joachim Löw den nicht für die Endrunde qualifizierten Schweizern.

Im Interview spricht Löw über die Bedeutung der Partie, die katastrophale Abwehrleistung und das bittere Debüt von Torwart-Talent Marc Andre ter Stegen.

Frage: Das Spiel gegen die Schweiz ist sicherlich nicht nach Ihren Vorstellungen verlaufen. Wie bewerten Sie den Auftritt der deutschen Mannschaft?

Joachim Löw: Das Ergebnis ist ärgerlich, das hätten wir nicht gedacht. Darüber kann man sich natürlich nicht freuen. Wir haben viel zu viele Fehler in unserem Spiel gemacht. Es gibt nun einiges aufzuarbeiten, denn es sind sehr viele Dinge passiert, die muss man noch mal in Ruhe vor sich ablaufen lassen und dann analysieren.

Frage: Haben Sie eine Erklärung, warum Ihre Mannschaft so untergegangen ist?

Löw: Das ist natürlich eine gefährliche Phase in der Vorbereitung, denn nach vielen intensiven Einheiten hat die Konzentration gefehlt. Das soll jetzt aber nicht als Ausrede gelten. Die Schweizer waren einfach frischer, beweglicher und konzentrierter. Wir wollten einige Dinge sehen, das hat aber nicht funktioniert.

Frage: Muss Ihnen nicht vor allem die Abwehrleistung kurz vor dem EM-Start Angst und Bange machen?

Löw: Unser Defensivverhalten war nicht gerade berauschend. Deshalb darf man aber nicht nur den Abwehrspielern einen Vorwurf machen. Grundsätzlich mache ich mir aber keine Sorgen, denn wir haben noch zwei Wochen Zeit. Die Abstimmung wird besser werden - ich habe keine Bedenken. Die Bayern steigen am Montag ins Training ein. Einige Spieler haben gefehlt, die unser Spiel prägen. Mit den Bayern-Spielern gehen wir zur Normalität über. Ab Montag beginnt die Vorbereitung auf die EM.

Frage: Wie gehen Sie denn mit den Bayern um, die erst am Samstagabend im Quartier eingetroffen sind?

Löw: Ich werde mit keinem Spieler über das verlorene Spiel (Champions-League-Finale, d. Red.) sprechen. Ich habe keine Bedenken, dass da etwas hängen bleibt.

Frage: Müssen sie Marc-Andre ter Stegen, dessen Premiere zwischen den Pfosten der Nationalmannschaft voll in die Hose ging, besonders trösten?

Löw: Er darf jetzt den Kopf nicht hängen lassen. Er hat eine Riesensaison gespielt, hat unglaubliche Anlagen. Bei den ersten zwei Toren wurde er ganz kalt erwischt, sieht dann in der einen oder anderen Situation unglücklich aus. Da kann man diskutieren, ob er einen Schritt weiter vorne stehen muss. Ich mache ihm aber keine Vorwürfe. Er ist ein großartiger Torhüter mit vielen guten Anlagen, vielen guten Qualitäten. Er wird seinen Weg machen. Jetzt ist er ein bisschen geknickt, aber wir werden ihn wieder aufbauen. Ich bin überzeugt, dass er das wegstecken wird.

Frage: Torjäger Miro Klose und Abwehrspieler Per Mertesacker scheinen nach ihren Verletzungen noch meilenweit von ihrer Bestform entfernt. Wie ordnen Sie die Leistungen dieser beiden Routiniers ein?

Löw: Man hat gesehen, dass beiden noch die Wettkampfpraxis fehlt. Deshalb war das Spiel sehr wichtig für sie. Sie werden noch das eine oder andere Spiel brauchen, um wieder ihre Normalform zu erreichen. Vor allem bei Miro hat man gesehen, dass er die eine oder andere Torchance, bei der er normalerweise sehr sicher ist, ausgelassen hat.

Frage: Am Dienstag müssen Sie Ihr endgültiges EM-Aufgebot benennen, zuvor werden noch vier Spieler gestrichen. Wird das Spiel gegen die Schweiz Ihre Entscheidung beeinflussen?

Löw: Das war gegen die Schweiz kein individuelles Schaulaufen. Ich wollte sehen, was der Einzelne dem Team bringen kann. Einzelne Spieler aufgrund einer Situation, eines Spiels, eines Kurzeinsatzes zu bewerten, wäre völlig falsch. Für manche war das Trainingslager eine große Chance für die Zukunft. Ich kann mir gut vorstellen, dass das eine gute Schule war. Für manche wird es sicher hart, wenn sie nicht mit zur EM fahren. Aber es war gut, dass sie dabei waren.