Györi ETO FC? - Gehässige Menschen könnten behaupten, dass von den drei Buchstaben "ETO" im Vereinsnamen der Ungarn schon die größte Gefahr ausgeht.

Aber genauso wie diesem konstruierten Vergleich mit Barcelonas Topstürmer das apostrophierte zweite O zur gelungenen Pointe fehlt, fehlen dem Gegner des VfB Stuttgart schlichtweg neuzeitliche Erfolge, um für das Qualifikationsspiel zum UEFA-Pokal auch tatsächlich sportliche Gefahr auszustrahlen.

Früher war eben alles besser

Die Qualifikation für die Qualifikation ist für das Team aus Pannonien ohnehin schon ein ziemlicher Erfolg. Beim letzten Titelgewinn, der ungarischen Meisterschaft, war Stuttgarts welterfahrener Torwart-Rountinier Jens Lehmann gerade zarte 14 Lenze alt und kickte noch für die Jugendmannschaft von Schwarz-Weiß Essen - das war 1983, als Györi ETO FC die Meisterschaft sogar verteidigen konnte.

Den sportlichen Zenith hatte der Club da allerdings bereits überschritten. Die größten Erfolge feierten die Ungarn Anfang der Sechzigerjahre, als man 1963 erstmals die Meisterschaft und zwischen 1965 und 1967 drei Mal den Landespokal gewinnen konnte. Den vierten und letzten Cup-Erfolg gab es 1979.

Es schien, als ob man den ausbleibenden sportlichen Erfolg mit permanenten "Neuanfängen" in schildbürgerischer Nonchalance auszutricksen versuchte. In einem knappen Jahrhundert von 1904 bis 1994 haben die Vereinschronisten nicht weniger als elf Namensänderungen protokolliert!

Erfolge unter Hidekuti

Ein Name sticht allerdings aus den Annalen des Györi ETO FC hervor: Nandor Hidegkuti, der geniale Angreifer und neben Ferenc Puskas Schlüsselspieler der legendären "Aranycsapat", der "Goldenen Elf", der "Magischen Magyaren", die im WM-Finale von 1954 deutschen Tugenden und Schweizer Wetter unterlagen.

Hidegkuti war es schließlich, der als Trainer das Team 1963 zur ersten Meisterschaft führte und wenig später bis ins Halbfinale des Europapokals der Landesmeister vorstieß, wo gegen Benifica Lissabon mit Eusebio allerdings Endstation war.

Tristesse

Ein Blick auf die schnell überschaubare Club-Prominenz versinnbildlicht ein wenig die sportliche Tristesse in der sich der Verein in den vergangenen Jahren befand. Karoly Palotai spielte zwar einst für Györi und gewann bei den Olympischen Spielen in Tokyo 1964 auch Gold mit Ungarn. Berühmt wurde Palotai allerdings erst später als internationaler Top-Schiedsrichter.

Und dann wäre da noch Miklos Feher. Der ungarische Offensivmann hatte seine Karriere beim Club aus Györ begonnen. Bei Benfica Lissabon endete sie tragisch. Im Januar 2004 brach der damals 25-jährige beim Spiel gegen Vitoria Guimaraes in der 60. Minute auf dem Feld mit Herzversagen zusammen und verstarb wenig später. Bei der Beisetzung in seiner Heimatstadt Györ erwiesen ihm mehr als 1.000 Trauergäste die letzte Ehre.

Der Geist von Hidekuti und Montezumas Rache

Im aktuellen Team könnte man sich noch an Tibor Tokody erinnern. Der Stürmer spielte von 2003 bis 2005 in der 2. Bundesliga für RWO und erzielte in 32 Spielen fünf Tore. Peter Bajzat kam in der Saison 2004/05 ebenfalls für Oberhausen auf insgesamt neun Einsätze und ein Tor.

Derzeit rangiert Györi ETO FC nach zwei Spieltagen und 1:5 Toren auf dem letzten Tabellenplatz. Das Ligaspiel am vergangenen Freitag gegen TE Kecskemeti musste abgesagt werden, da gleich zwölf Spieler am Rota-Virus und begleitendem Durchfall erkrankt waren - Montezumas Rache am halben Kader und kollektives Sprinttraining zu den Toiletten!

Ob das beachtlich junge Team um Trainer Sandor Egervari es dennoch schafft, den Geist des einstigen Erfolges unter Nandor Hidekuti wieder zu beleben? - Dies beim VfB zu bezweifeln wäre angesichts irdischer Kräfteverhältnisse und stabiler Stuttgarter Verdauung sicherlich kein Akt der Unhöflichkeit...

Michael Wollny