Köln/Gelsenkirchen – Der FC Schalke 04 steht vor der größten Aufgabe in dieser Saison. Trotzdem herrscht bei den Knappen vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League am Mittwochabend (ab 20.30 Uhr im Liveticker) gegen Real Madrid Zuversicht.

Als eine der besten Mannschaften der Welt werden die Königlichen aus Spaniens Hauptstadt gehandelt, kein anderer Club wird öfter als Topfavorit auf den Triumph in der Königsklasse genannt als der Vorjahressieger. Zumal sich in den Reihen des spanischen Rekordmeisters Superstar Cristiano Ronaldo befindet, der frisch gebackene Weltfußballer und beste Torschütze in der letzten Champions-League-Saison, als er mit 17 Treffern in elf Spielen einen Rekord aufstellte. Seine Klasse bekamen vor Jahresfrist auch die Schalker zu spüren. Bei den 1:6- und 1:3-Niederlagen im CL-Achtelfinale traf CR7 jeweils doppelt.

"Ronaldo in schwächster Form seit 2009"

Doch vor dem Duell mit den Knappen schwächelt ausgerechnet der Superstar der Madrilenen. Seit vier Spielen hat Ronaldo in der Primera Division nicht mehr getroffen. Für den Weltstar, der letzte Saison in 47 Pflichtspielen für Real 51 Tore erzielte, ist das schon eine Krise. Die große spanische Zeitung Marca schrieb deshalb: "Er ist nicht wiederzuerkennen und in der schwächsten Form seit seinem Wechsel 2009 nach Madrid."

Zudem muss Real-Coach Carlo Ancelotti auf fünf seiner Stars verzichten: James Rodriguez (Mittelfußbruch), Sergio Ramos (Knieprobleme), Fabio Coentrao (Wadenzerrung), Luka Modric (Muskelbündelriss) und Weltmeister Sami Khedira (Oberschenkelverletzung) können nicht mitwirken.

Defensiv zum Erfolg

Schalkes Coach Roberto Di Matteo will gegen den Topfavoriten wieder auf eine verstärkte Defensive setzen. In der Bundesliga hat das 2015 bisher gut funktioniert, in vier Spielen kassierten die Knappen nur zwei Gegentore. Seit der Italiener Coach in Gelsenkirchen ist, stand bereits sieben Mal die Null. "Wir spielen ein System, das uns Stabilität gebracht hat. Es macht uns stark", sagt Torjäger Klaas-Jan Huntelaar und verweist auf das 1:1 bei Bayern München vor zwei Wochen: "Das ist auch eine Topmannschaft wie Real."

Der in der Bundesliga aktuell gesperrte Stürmer darf gegen Real wieder ran und ist nach auskuriertem grippalem Infekt fit. "Er hat im Sechzehner einen guten Riecher. Er ist einer, der kurzen Prozess macht", setzt Sportvorstand Horst Heldt seine Hoffnungen in den Niederländer.

"Stil eines italienischen Trainers"

Beim Gegner hat Di Matteo mit seiner Defensiv-Taktik bereits Eindruck gemacht. "Es ist der Stil eines italienischen Trainers", sagt Carlo Ancelotti. Aus den Worten des Fußballlehrers der Königlichen spricht dabei durchaus Anerkennung: "Ich bin Italiener, und wir haben damit eine Menge gewonnen."

Dass seine Taktik auch auf allerhöchstem Niveau funktioniert, hat Di Matteo schon bewiesen: Bei seinem Champions-League-Triumph 2012 mit dem FC Chelsea bremste er nicht nur im Finale den FC Bayern München aus, sondern zuvor auch Pep Guardiolas FC Barcelona. Und auch Ancelotti hat mit italienischer Defensivkunst seinen jüngsten Erfolg gefeiert: Vor allem im letztjährigen Halbfinale gegen den FC Bayern imponierte Reals Starensemble mit hochkonzentrierter Abwehrarbeit und blitzschnellen Kontern.

Zwei Verletzte kehren zurück

Personell wird sich die angespannte Situation bei Königsblau gegen Real ein wenig entspannen. Zwar fehlen mit Ralf Fährmann (Kreuzbandzerrung), Fabian Giefer (Adduktorenzerrung), Leon Goretzka (Aufbautraining nach mehrfachem Muskelbündelriss), Julian Draxler (Reha nach Sehnenriss), Sead Kolasinac (Aufbautraining nach Kreuzbandriss), Jefferson Farfan (Reha nach Knorpelschaden) und Chinedu Obasi (Reha nach Schienbein-Operation) weiterhin sieben Spieler. Dafür kehren neben Huntelaar auch Jan Kirchhoff und Joel Matip in den Kader zurück. "Der eine oder andere hatte ein kleines Problem, aber sie sind wieder dabei", sagt Di Matteo. Im Tor wird wieder der 19-jährige Timon Wellenreuther stehen.