Hamburg - Dieses Mal war das Duell zwischen dem Hamburger SV und Borussia Dortmund kein Torspektakel wie in den vergangenen Aufeinandertreffen. Das wird HSV-Trainer Joe Zinnbauer aber erfreut zur Kenntnis genommen haben. Mit Tugenden wie Einsatzwillen und Kampfbereitschaft knöpften die Rothosen den Dortmundern, die zuvor vier Bundesliga-Partien in Folge gewonnen hatten, einen Punkt ab (zum Spielbericht).

Zinnbauer baute seine erste Elf auf vier Positionen um. Den verletzten Rajkovic vertrat Cleber Reis in der Innenverteidigung sehr gut. Der Brasilianer war vor allem im Zweikampf stark (77 Prozent gewonnen) und hatte beim HSV die meisten Ballkontakte (55). Besonders in der Defensive spielte der Gastgeber sehr diszipliniert und ließ den BVB kaum Torgefahr entwickeln. "Die Defensivarbeit war sehr gut. Wir haben fast gar nichts zugelassen. Der Plan zu Null spielen zu wollen, ist aufgegangen", erklärte Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier. Sein Torwart Jaroslav Drobny verlebte in der Tat einen sehr ruhigen Nachmittag in der Imtech Arena und musste nur zwei Bälle der Dortmunder parieren.

Neuer Negativrekord droht

Die Hamburger wussten vor dem Spiel nur zu genau, dass sie spielerisch nicht mit dem BVB mithalten können. Also verlegten sich die Rothosen auf gelegentliche Nadelstiche in der Offensive. Und fast hätte es in der ersten Halbzeit sogar mit einem Treffer geklappt, doch Ivica Olic und Mohamed Gouaida scheiterten mit ihren Versuchen.

"In der ersten Hälfte haben wir sogar die besseren Chancen gehabt", befand Olic, der wieder einmal in Sachen Einstellung voran marschierte. Einen neuen Negativrekord werden die Hanseaten in dieser Saison aber wohl doch noch aufstellen, denn der HSV blieb zum 13. Mal in dieser Saison ohne Treffer, bei noch zehn ausstehenden Spielen dürfte der Vereinsrekord von 14 torlosen Partien aus der Saison 1991/92 nur eine Frage der Zeit sein.

In der zweiten Halbzeit beschränkten sich die Hamburger noch mehr auf das Verhindern eines Gegentores. Während der BVB vor allem in der Schlussphase noch einmal Druck erzeugen konnte, schoss der HSV in den zweiten 45 Minuten nur ein Mal auf das Tor von Keeper Roman Weidenfeller. Spielerisch war es wieder einmal mau, was die Hamburger ihrem Publikum zeigten, doch die Fans in der ausverkauften Imtech Arena feierten ihr Team nach dem Schlusspfiff und zollten ihrem Team Respekt für 90 Minuten Leidenschaft.

"Wir waren heute richtig heiß auf die Zweikämpfe"

"Ich will auch lieber offensiver spielen und weiter vorne angreifen, aber das ist momentan nicht gefragt. Momentan ist kompaktes Verteidigen gefragt", erklärte Heiko Westermann im Interviev nach dem Spiel. Auch seine Teamkollegen standen dem Hamburger Routinier in Sachen Einsatz und Leidenschaft in nichts nach. "Wir waren heute richtig heiß auf die Zweikämpfe", so Diekmeier,  "wenn man da unten drin steht, muss man hart in die Duelle Mann-gegen-Mann gehen, sonst geht das nicht. In einigen der vergangenen Spielen haben wir uns da nicht so gut angestellt und abkochen lassen."

Nach dem Spiel ärgerten sich die Dortmunder über die harte Gangart der Hamburger und Trainer Jürgen Klopp übte Kritik an der Spielweise von Valon Behrami. Der Schweizer stand nach überstandener Knie-OP das erste Mal im Jahr 2015 auf dem Rasen und zeigte, warum ihn sein Trainer als "Aggressive-Leader" seines Teams bezeichnet. Gleich nach drei Minuten stand der 29-Jährige kurz vor dem Platzverweis als er mit seinem Ellenbogen den Dortmunder Henrikh Mkhitaryan am Kopf traf.

"Das war eine klare Rote Karte. Fertig, aus", schimpfte Klopp auf der Pressekonferenz (Die Stimmen zum Spiel). Joe Zinnbauer nahm seinen Schützling in Schutz: "Valon hat das mit Sicherheit nicht mit Absicht gemacht. Er hatte noch keine Spielpraxis und ihm hat in dieser Situation noch die nötige Koordination gefehlt." Nach einer Stunde nahm Zinnbauer den Schweizer dann aber doch vom Feld, da dieser, in der Tat, kurz vor einer Ampelkarte stand.

Zufriedene Hamburger freuen sich über Remis

"Vor dem Spiel hätte wir beim 0:0 gegen den BVB sicherlich sofort eingeschlagen", gab Diekmeier nach dem Spiel zu. Er war mit dem Ergebnis zufrieden, genauso wie Teamkollege Ivica Olic: "Über 90 Minuten haben wir kämpferisch eine gute Leistung gezeigt. Mit dem Punkt kann man leben, er ist für uns ganz wichtig. Wir haben alles gegeben und die Fans nicht enttäuscht." Auch Zinnbauer war stolz auf die Leistung seines Teams: "Das hat uns im Vorfeld sicherlich keiner zugetraut. Defensiv haben wir gut gestanden, offensiv haben wir unsere Konterchancen gehabt und sie leider nicht genutzt. Ich glaube, unterm Strich ist es für uns ein wichtiger Punkt im Abstiegskampf."

An die Leistung gegen die Dortmunder kann und muss der HSV jetzt anknüpfen, denn immer noch steckt der Bundesliga-Dino mitten im Abstiegskampf. "Wir haben wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Diese Leistung müssen wir jetzt auch mal auswärts abrufen", erklärte Westermann. Am nächsten Spieltag geht es für die Rothosen zur TSG Hoffenheim - dann wollen die Hanseaten auch auswärts wieder etwas Zählbares mit nach Hause nehmen. 

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage