Ein Cowboy und ein Krieger in der Defensive, ein Schnuller im Sturm und ein Frauenschwarm auf der Bank: Chile fühlt sich für das WM-Comeback nach zwölf Jahren bestens aufgestellt und will die Fußball-Welt überraschen.

"Wir wollen ins Halbfinale und Geschichte schreiben", sagt Bundesliga-Profi Arturo Vidal von Bayer Leverkusen vor dem Auftaktspiel der Chilenen am Mittwoch in Nelspruit gegen Honduras (ab 13:15 Uhr im Live-Ticker).

Noch kein Sieg bei einer WM-Endrunde

Mauricio Isla ist gar noch forscher: "Wir wollen Weltmeister werden. Wir wissen, dass wir die Chance dazu haben", behauptet der Abwehrspieler von Udinese Calcio. Dabei wartet Chile seit 48 Jahren und 13 Spielen auf einen Sieg bei einer WM-Endrunde.

Vidal, in seiner Heimat "Krieger" genannt, und Isla - der "Cowboy" - gehören zur Generation der U 20 von 2007. Diese wurde in Kanada WM-Dritter und stellt nun das Gerüst der aktuellen "Roja" (die Rote). Der trauen viele einen Sensationscoup zu. Bei einer Internetwahl des Weltverbandes FIFA stimmte ein Drittel aller User für die Südamerikaner als das potenzielle Überraschungsteam der WM. Honduras wurde mit 8,8 Prozent Vierter.

"Wir wollen ganz Chile eine Freude machen, denn das Land hat in den letzten Monaten eine schwere Zeit durchgemacht", äußert Vidal mit Blick auf das verheerende Erdbeben Ende Februar.

Der "verrückte" Trainer

Die großen Hoffnungen ruhen dabei auf dem Trainer und dem Torjäger. Coach Marcelo Bielsa, in seiner argentinischen Heimat "Der Verrückte" genannt, formte aus vielen Talenten ein starkes Team. Sein auslaufender Vertrag soll gleich bis 2015 verlängert werden. Die frühere Staatspräsidentin Michelle Bachelet, die bei Chiles WM-Qualifikation noch im Amt war, ist ganz vernarrt in Bielsa. "Er ist ein interessanter und attraktiver Typ, eine fatale Kombination für Frauen", sagte Bachelet, die Bielsa und das Team am Dienstag im Mannschaftsquartier besuchte.

Im Sturm setzen die Chilenen auf Humberto Souza, mit zehn Treffern bester Schütze der Südamerika-Qualifikation und damit mehr als doppelt so erfolgreich wie Weltfußballer Lionel Messi (Argentinien/4). Den bulligen Souza von Real Saragossa nennen sie in der Heimat den "Dicken". Oder als Ironie auf seine aggressive Spielweise "Schnuller".

Honduras ohne Top-Torjäger

Die Honduraner müssen bei ihrer zweiten WM-Teilnahme nach 1982 dagegen auf ihren Top-Torjäger Carlo Costly (Fußbruch) verzichten. "Niemand kann Costly ersetzen", sagte Nationaltrainer Reinaldo Rueda nach dem Ausfall des sechsmaligen Quali-Torschützen. Am Dienstagabend musste auch noch Mittelfeldspieler Julio Cesar de Leon für das Turnier passen. Für den 30-jährige vom italienischen Zweitligisten FC Turin wurde Jerry Palacios nachnominiert, der nun gemeinsam mit seinen Brüdern Johnny und Wilson im Aufgebot der Los Catrachos steht.

Die Honduraner sind beflügelt, von der unerhofften Qualifikation am 15. Oktober, den die Regierung daraufhin als Nationalfeiertig ausrief. Genau umgekehrt zu Schalke 04 im legendären Meister-Duell 2001 hatten die Spieler nach dem letzten Spiel in El Salvador (1:0) schon geweint, als der 2:2-Ausgleich der USA gegen Rivale Costa Rica doch noch das WM-Ticket bescherte. Der aus dem Innenraum verwiesene Rueda fieberte damals in der Kabine mit. "Dort habe ich die Heilige Jungfrau auf Knien angefleht, in den USA für ein Wunder zu sorgen", sagte er später.

Irdischer Beistand soll es nun in Südafrika richten. So gehören Staatspräsident Porfirio Lobo und vier Spieler aus dem WM-Team von 1982 zu den 1800 Anhängern der Honduraner vor Ort. - Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Chile: 1 Bravo - 4 Isla, 17 Medel, 3 Ponce, 8 Vidal - 6 Carmona, 20 Millar, 14 Fernandez - 7 Sanchez, 9 Souza, 11 Mark Gonzalez. Trainer: Bielsa

Honduras: 18 Vallandares - 23 Mendoza, 2 Chavez, 3 Figueroa, 21 Izaguirre - 8 Wilson Palacios - 20 Guevara, 19 Turcios - 7 Nunez - 9 Pavon, 11 Souza. Trainer: Rueda

Schiedsrichter: Eddy Allen Maillet (Seychellen)