Dortmund - Die Fans träumen vom Derbysieg auf Schalke, die Spieler nehmen vorher noch einen Erfolg in der Europa League in der Ukraine ins Visier (Do., ab 20:50 Uhr im Live-Ticker). Beim BVB geht man die nächsten Aufgaben mit breiter Brust an.

Der Führungstreffer gegen Wolfsburg war die Initialzündung. Nicht nur für eine befreit aufspielende Dortmunder Mannschaft, nicht nur für den zweiten Sieg der Saison. Er war vielmehr das Zeichen für die BVB-Fans, ihren Fokus in die Zukunft zu richten und einen Herzenswunsch lautstark zu skandieren. "Wir woll'n den Derbysieg", schallte es aus zehntausenden Kehlen durch den Signal Iduna Park.

Dortmund mit viel Selbstbewusstsein

Das Duell gegen den Erzrivalen Schalke 04 am Sonntag elektrisiert die schwarz-gelben Massen. Und spätestens nach dem 2:0-Efolg über Wolfsburg blicken nicht nur die Anhänger, sondern auch die Spieler optimistisch nach vorne. "Schalke wird verunsichert sein, wir hingegen haben aus den letzten Spielen eine Menge Selbstbewusstsein ziehen können", glaubt Sebastian Kehl.

Auch die Art und Weise des Sieges gegen die "Wölfe" fällt in diese Kategorie. "Überlegen und letztlich souverän", nannte Mats Hummels den Auftritt des BVB, der immer mehr die Forderung des Trainers nach Ballbesitz und Dominanz in die Tat umsetzt. In der ersten Halbzeit verbuchten die Dortmunder 70 Prozent Ballbesitz, kontrollierten das Spiel weitgehend, verzeichneten aber zu wenige Torchancen.

Starke Partie von Sahin

In der zweiten Hälfte entwickelte die junge Elf - in der erneut sechs Spieler standen, die erst 22 Jahre alt oder sogar jünger sind - dann auch mehr Durchschlagskraft. 12:3 Torchancen erspielte sich der BVB, schraubte sein Konto bis zum Spielende auf 19:5 Torschüsse. Eine Interpretation von Dominanz, die Jürgen Klopp auch für die nächsten Spiele anmahnt: "Wir müssen darauf achten, dass wir uns nicht im eigenen Ballbesitz suhlen, sondern mehr Abschlüsse suchen."

Zum Garanten der Dortmunder Stabilität entwickelt sich dabei immer mehr Nuri Sahin. Der 22-Jährige war auch gegen Wolfsburg Dreh- und Angelpunkt des Dortmunder Spiels, verbuchte 103 Ballkontakte, räumte im defensiven Mittelfeld ab, bereitete fünf Torchancen vor und krönte seine Leistung mit einem Treffer.

Wichtiges Auftaktspiel für die Europa League

Nicht wenig wird also auch von Sahin abhängen, wenn der BVB am Donnerstag sein erstes Spiel der Gruppenphase in der Europa League bei Karpaty Lemberg bestreitet. Die weite Reise in die Ukraine ist dabei für die Profis ebenso kein Thema wie der Drei-Tage-Rhythmus, in dem die nächsten Aufgaben die Borussia national und international fordern werden. "International zu spielen ist doch das, was jeder Fußballer will", stellt Marcel Schmelzer klar. "Entsprechend positiv werden wir das Spiel in Lemberg angehen."

Die Wichtigkeit dieser Begegnung mahnt Sportdirektor Michael Zorc an, dem der Hype um das Revierderby in den letzten Tagen deutlich zu weit ging. "Obwohl wir kurz vor diesem Spiel stehen, wird mir zu viel von Schalke gesprochen, von null Punkten, von Fanboykott." Dabei habe man ein Jahr lang hart gearbeitet, um in die Gruppenphase der Europa League einzuziehen. "Und dieses Auftaktspiel", so Zorc, "ist von immenser sportlicher Bedeutung."

Die Mannschaft hat die Botschaft verstanden, auch wenn das Derby im Hinterkopf bleibt. In der Ukraine, verspricht Sebastian Kehl, "wollen wir direkt im ersten Spiel zeigen, dass wir da sind - und dann nehmen wir auch diese Selbstbewusstsein mit nach Schalke!" Oder um es mit Mats Hummels zu sagen: "Jetzt haben wir die Chance, einen guten Start noch besser zu machen!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte