Leverkusen - Der Auftakt in die Europa League ist geglückt. Bayer Leverkusen zerlegte nach einem phasenweise begeisternden Spiel den norwegischen Rekordmeister Rosenborg Trondheim mit 4:0 und übernahm damit die Tabellenführung in der Gruppe B. Jetzt wartet in der Bundesliga der 1. FC Nürnberg (ab 17 Uhr im Live-Ticker).

Mit den Franken haben die "Werkskicker" noch ein Hühnchen zu rupfen. War es doch der letztjährige Abstiegskandidat, der Bayer Leverkusen nach dem Rekordstart von 24 Spielen ohne Niederlage die erste Pleite zufügte. Davon erholte sich der damalige Herbstmeister nicht mehr. Am Ende rutschten die Rheinländer sogar noch aus den Champions-League-Rängen.

Heynckes lässt rotieren

Die Lehre aus der vergangenen Spielzeit war, dass der Kader in der Breite nicht gut genug aufgestellt war. Das hat die sportliche Leitung von Bayer Leverkusen gründlich geändert. Im Sturm streiten sich jetzt etwa mit Patrick Helmes, Stefan Kießling, Eren Derdiyok und Nicolai Jörgensen vier Angreifer um die Plätze.

Rotation heißt daher das neue Zauberwort in Leverkusen. Gegen Rosenborg erwischte es Kießling. Doch genau diese Konkurrenzsituation ist gewollt. Fast alle Positionen im Kader sind inzwischen doppelt besetzt. Und in den kommenden englischen Wochen erhalten die Kicker auch ihre Einsatzzeiten.

"Wir haben sehr viele Spiele und brauchen dafür einen großen ausgeglichenen Kader", weiß Leverkusens defensiver Mittelfeldspieler Hanno Balitsch. "Das wirkt sich jetzt aus. Und keiner macht dabei schlechte Miene." Hinzu kommt, dass sich auch kein Spieler sicher sein kann, sich über einen längeren Zeitraum schwächere Spiele leisten zu können.

"Helmes hat hart an sich gearbeitet"

Entsprechend geben die Stars Gas. Patrick Helmes ist die Spielfreude dabei in den letzten Wochen besonders anzumerken. "Die drei Tore gegen Rosenborg sind ein Produkt seiner Arbeit. Patrick Helmes ist in dieser Saison in einem körperlich wesentlich besseren Gesamtzustand. Er hat hart an sich gearbeitet", freute sich Heynckes über den couragierten Auftritt seines Stürmers.

Nachdem Patrick Helmes fast die gesamte letzte Saison wegen eines Kreuzbandrisses aussetzen musste, nähert er sich mit Riesenschritten wieder seiner Bestform. Im Pokal hat er getroffen, beim Länderspiel in Dänemark, in Hannover am vergangenen Wochenende in letzter Minute und jetzt gleich im Dreierpack.

"Die Vorbereitung verlief für mich perfekt. Ich bin wieder gut beisammen, das sieht man", sagte Helmes, der die Verletzung endgültig überstanden hat. "Ich bin im Kopf recht klar. Verletzungen kommen im Fußball nun einmal vor. Auch ich wurde nicht verschont. Es war ein hartes Jahr, aus dem ich viel gelernt habe. Jetzt scheint aber langsam die Sonne wieder."

"Wir haben alle Feuer und sind fit"

Für Bayer Leverkusen könnten auch in der Bundesliga schon bald wieder sonnige Zeiten anbrechen. Der Spielplan beschert den "Werkskickern" nun zwei Heimspiele gegen Nürnberg und Frankfurt innerhalb von vier Tagen. Mit zwei Siegen könnte Bayer 04 sich wieder in der Spitzengruppe der Tabelle zurückmelden.

"Wir befinden uns noch ein bisschen in der Findungsphase. Aber es wird langsam", glaubt Bayer-Stürmer Eren Derdiyok. "Wir haben Feuer und sind alle fit." Gerade im Angriff ist der Konkurrenzkampf zwischen Patrick Helmes, Eren Derdiyok und Stefan Kießling, die sich um die zwei Plätze streiten, groß.

Bayer Leverkusen sieht sich für die kommenden Aufgaben gut gerüstet. Die Formkurve zeigt wieder nach oben. "Wir haben in der Saison noch nicht so gut gespielt, wie wir können", sagt Verteidiger Sami Hyypiä. "Ich hoffe, das 4:0 gegen Rosenborg war der Wendepunkt in dieser Saison. Das war ein vielversprechendes Spiel von uns."

Bunjaku-Schock für den FCN

Gegen Nürnberg gilt es nun, diese Leistung am Sonntag zu bestätigen. Doch der "Club" ist keinesfalls zu unterschätzen, auch wenn er nur zwei seiner bislang 21 Gastspiele in Leverkusen gewinnen konnte. In seinen beiden Auswärtsspielen in dieser Saison trotzen die Franken den favorisierten Teams aus Mönchengladbach und Hamburg jeweils ein 1:1 ab.

Allerdings mussten die "Clubberer" unter der Woche den Schock verdauen, dass sie in den kommenden sechs Monaten auf Torjäger Albert Bunjaku verzichten müssen, bei dem ein Knorpelschaden am Knie festgestellt worden war. "Sein Ausfall trifft uns, er war absoluter Stammspieler", ärgerte sich "Club"-Trainer Dieter Hecking, der ansonsten abgesehen von Rubin Okotie, der noch Trainingsrückstand hat, personell aus dem vollen Schöpfen kann.

Für einen Nürnberger wird es ein ganz besonderes Spiel. Jens Hegeler ist bei Bayer Leverkusen seit 2006 unter Vertrag und an den "Club" ausgeliehen. Das Defensivtalent hofft auf einen Einsatz in der BayArena. Auf Leverkusener Seite erinnern sich Stefan Kießling und Stefan Reinartz gerne an ihre erfolgreiche Zeit beim "Club".

Tobias Gonscherowski