Nichts Neues vom Tabellenführer. Bayer Leverkusen behielt auch im 18. Saisonspiel seine "Weiße Weste" und trotzte den Attacken der Konkurrenz mit einem 4:2-Sieg gegen den 1. FSV Mainz 05. Damit fährt die "Werkself" als Branchenprimus zum schweren Gastspiel nach Hoffenheim am kommenden Sonntag.

2:2, 3:2, 4:2. Auch die nackten Ergebnisse der letzten drei Partien belegen, dass Bayer Leverkusen weiter unbeirrt seine Kreise durch die Saison zieht. Die Gegner wehren sich vehement, versuchen Bayer offensiv beizukommen. Doch die Truppe von Trainer Jupp Heynckes findet nach wie vor stets die passende Antwort.

Rolfes-Comeback nach 70 Minuten

Bereits zum 7. Mal geriet Leverkusen in dieser Spielzeit in Rückstand, verloren hat der Spitzenreiter noch kein Spiel. Die Mannschaft strotzt vor Selbstbewusstsein und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. "Wir haben in der Saison schon oft gezeigt, dass wir in der Lage sind, Spiele zu drehen", freut sich Mannschaftskapitän Simon Rolfes: "Wir haben etwas schläfrig angefangen, aber dann den Schalter umgedreht. Wir hätten es schon bis zur Halbzeit das Spiel entscheiden müssen."

Rolfes konnte sich das Treiben seiner Mannschaftskollegen über 70 Minuten gelassen von der Bank aus anschauen. Nach seiner langen Verletzung muss sich der 27-Jährige noch etwas in Geduld üben, genauso wie weitere Hochkaräter wie Renato Augusto und Patrick Helmes. Sie alle werden behutsam aufgebaut und müssen nicht sofort wieder ins kalte Wasser springen.

"Ein Rückstand wirft uns nicht um"

Denn ihre Vertreter erledigen einen so ausgezeichneten Job, dass die Stars fast nicht vermisst werden. Es fällt auch nicht groß auf, dass Torjäger Stefan Kießling seit vier Spielen nicht mehr getroffen hat. Es fällt nicht ins Gewicht, dass die lange Zeit fast unüberwindbare Defensive mit zuletzt dreimal zwei Gegentoren etwas schwächelt. Bayer schlägt zurück.

"Wir sind stabil geworden, ein Rückstand wirft uns nicht um. Wir sind auch einmal mit einem Unentschieden zufrieden und kommen immer wieder zurück", sagt Bayers Sportchef Rudi Völler: "Wir freuen uns, dass wir vorne sind und stehen verdientermaßen auf Platz 1. Was für mich aber wichtiger ist als die 18 Spiele ohne Niederlage, ist der 10-Punkte-Vorsprung auf den Sechsten Werder Bremen."

Neuer Rasen für die BayArena

Denn auch wenn Bayer Leverkusen seit dem 7. Spieltag ununterbrochen die Tabelle anführt, gilt das offizielle Saisonziel Qualifikation für den internationalen Wettbewerb als Gesetz. "Unser klar definiertes Ziel lautet internationaler Wettbewerb", bleibt auch Bayer-Keeper René Adler bei der offiziellen Linie: "Mit dem Dreier sind wir dem Ziel wieder ein Stück näher gekommen. Ob Europa League, Champions League oder ob nach weiter oben, da lassen wir uns überraschen. Wir machen von Woche zu Woche unsere Hausaufgaben."

Zu diesen Hausaufgaben zählt auch die Verlegung eines neuen Rasens in der BayArena. "Für unser technisch anspruchsvolles Spiel ist ein guter Platz ganz wichtig", berichtet Rudi Völler: "Eigentlich wollten wir erst im Sommer einen neuen Platz verlegen. Aber der Platz ist zu schlecht. In den nächsten Wochen werden wir einen neuen Rasen legen. Wir wollen alle Möglichkeiten ausschöpfen. Uns ist es lieber, wenn keinem Spieler der Ball wegspringt."

"Werden auch weiterhin Erfolg haben"

Aber auch mit den gegenwärtigen Platzverhältnissen kamen die Rheinländer gut zurecht. Es hat sich ausgezahlt, dass die "Werkself" in der Winterpause in heimischen Gefilden blieb und auf Schnee und Eis trainierte. Der Rückrundenstart ist gelungen.

"Wir haben Potenzial, wir haben Klasse. Jetzt kommen Alternativen dazu. Deswegen nehmen wir alles gelassen hin, was draußen kolportiert und diskutiert wird. Wer die Mannschaft gesehen hat, wie sie gespielt hat, wie sie organisiert ist, wie sie verteidigt, Tempowechsel in ihrem Spiel hat und nicht nur Hurrafußball spielt, der weiß ganz genau, dass wir so auch weiterhin Erfolg haben werden", prophezeit Trainer Jupp Heynckes selbstbewusst.

"Wenn Simon Rolfes, Renato Augusto und Patrick Helmes wieder spielen, werden wir noch kompakter, besser und genauso erfolgreich sein wie bisher", so Heynckes weiter. Moment einmal. Das würde ja dann im Umkehrschluss bedeuten, dass Bayer Leverkusen die Meisterschaft einfährt. Doch so weit will Heynckes dann doch nicht gehen. Noch nicht.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski