Frankfurt - Michael Skibbe blieb sich auch in der Stunde der Enttäuschung treu. Gegen 12.10 Uhr trat er am Dienstag zum letzten Mal in der Frankfurter Arena vor die Presse, gefasst und höflich wie immer.

"Ob der Entwicklung in der Rückrunde bin ich sehr unglücklich Nach anderthalb guten Jahren konnten wir leider keinen guten Fußball mehr zeigen", sagte er: "So ein Abschluss ist für alle bedauerlich. Ich bin aber überzeugt, dass der Klassenerhalt auch mit mir gelungen wäre."

Entscheidung fiel am Sonntag

Den soll nun aber Christoph Daum schaffen, der am Mittwoch der Presse vorgestellt und danach das erste Training leiten wird. Der glückliche 2:1-Sieg am vergangenen Wochenende gegen den FC St. Pauli hatte in Frankfurt nicht die Wirkung eines Befreiungsschlages. Zu schwach spielte die Mannschaft, die in der Rückrunde in zehn Spielen nur eines gewinnen konnte und die ersten acht Partien ohne eigenen Torerfolg geblieben war.

Die Entscheidung gegen Skibbe sei schon am Sonntag gefallen, erklärte Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende der Eintracht. Die Entscheidung ist Bruchhagen auch deshalb "schwer gefallen", weil der Verein ja erst vor rund zehn Wochen mit Skibbe einen Vertrag bis Ende Juni 2012 geschlossen hatte.

"Will eine Aufbruchstimmung erzeugen"

Am Montagnachmittag traf sich Bruchhagen mit Daum in dessen Haus in Köln, wo die Zusammenarbeit zunächst bis Ende der Saison beschlossen wurde. "Beide Parteien haben die Absicht, auch darüber hinaus zusammenzuarbeiten", erklärte Bruchhagen. Mit Skibbe musste auch dessen Assistent Edwin Boekamp den Verein verlassen. Am Dienstag leiteten Torwarttrainer Andreas Menger und Fitnesstrainer Michael Farbacher das Training, beide sollen auch unter Daum weiter zum Trainerstab gehören. Auch plant Daum, seinen langjährigen Assistenten Roland Koch mit nach Hessen zu holen.

Für Daum ist das Engagement in Frankfurt die Möglichkeit, wieder in der Bundesliga Fuß zu fassen. 2009 war er vom 1. FC Köln zu Fenerbahce Istanbul gewechselt, wo es am Ende der vergangenen Saison zur Trennung kam. Der 57-Jährige freut sich auf die Aufgabe. "Ich will eine Aufbruchsstimmung in Frankfurt erzeugen. Die Eintracht ist ein Traditionsverein mit Riesenpotenzial. Ich bin kein Feuerwehrmann, ich bin ein Konzepttrainer. An die 2. bundesliga denke ich daher nicht", erklärte der gebürtige Zwickauer am Dienstag im Kölner "Express".

Franz lobt den scheidenden Skibbe

Bruchhagen hofft, dass die "spürbare Verunsicherung durch den Trainerwechsel von der Mannschaft gelöst" werde. Sieben Spieltage vor Rundenende hat die wankende Eintracht nur drei Punkte Vorsprung vor Relegationsplatz 16. Daum sagt: "Mein Wunsch ist es, dass der 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt drin bleiben." Das Restprogramm der Eintracht aber ist hart: Zu Daums Debüt muss die Mannschaft nach der Länderspielpause nach Wolfsburg, dann kommt Werder Bremen, dann geht es nach Hoffenheim, bevor die Bayern aus München nach Frankfurt kommen.

Danach muss die Eintracht zum Derby nach Mainz, bevor zum letzten Heimspiel der 1. FC Köln in die Frankfurter Arena kommt; zum Abschluss geht s nach Dortmund. Abwehrspieler Maik Franz fand es wie viele andere in der Mannschaft "schade" für den scheidenden Trainer. "Auch wenn wir in den letzten acht Wochen nicht so stark gespielt haben, hat Skibbe super Arbeit geleistet", sagte Franz.

Tobias Schächter