Düsseldorf - Ticket gelöst, Stimmung gelöst - doch Joachim Löw dämpfte vor dem Abflug der deutschen Nationalmannschaft zum Länderspiel in Polen die Euphorie der Fans, die bereits vom ersten Titel seit 1996 träumen.

"Man strebt immer Titel an. Aber für mich ist es noch zu früh, über den Titel zu reden, weil sich im Fußball immer sehr schnell sehr viel ändern kann", sagte der Bundestrainer der Bild am Sonntag.

"Wollen auch in Polen gewinnen"

Torjäger Miroslav Klose warnte nach der 6:2 (3:1)-Gala des WM-Dritten gegen Österreich zudem vor einem Schlendrian, wie er vor der EM 2008 Einzug gehalten hatte. "Ich kann mir das eigentlich nicht vorstellen, aber im Fußball ist alles möglich", sagte der Routinier vor dem Kurztrip in sein Geburtsland, wo es am Dienstag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) gegen den EM-Gastgeber geht.

In Danzig wolle man aber nicht nur EM-Luft schnuppen, sondern auch sportlich überzeugen. "Wir wollen wieder eine gute Leistung zeigen", sagte Klose, und Toni Kroos ergänzte: "Ein Länderspiel ist ein Länderspiel, wir wollen auch in Polen gewinnen und müssen voll konzentriert in dieses Spiel gehen."

"Entwickelt und auf einem guten Weg"

Das unterstrich auch Löw, der am Sonntagnachmittag gemeinsam mit Manager Oliver Bierhoff, Mesut Özil, Manuel Neuer, Philipp Lahm und einigen anderen euphorisch beim Jubiläumsfest des VfL Altendiez gefeiert wurde. VfL-Vizepräsident und DFB-Boss Theo Zwanziger lobte seine Ehrengäste überschwänglich. "Der deutsche Fußball ist stolz auf diese Mannschaft. Ihr habt eine klasse Qualifikation gespielt und attraktiven Fußball geboten", sagte Zwanziger in Richtung der Mannschaft, die gegen Österreich vom überragenden Özil angeführt worden war.

Auch Löw war hochzufrieden. "Die Mannschaft hat Großartiges geleistet. Wir können stolz sein, wie wir nach einer anstrengenden und schwierigen WM die Qualifikation gemeistert haben. Wir haben bislang alle acht Spiele gewonnen, was absolut bemerkenswert ist", sagte der Coach nach der in der EM-Qualifikation bislang einmaligen deutschen Siegesserie, durch die Deutschland zwangsläufig ein Topfavorit bei der EM ist.

"Wir haben uns sicherlich weiter entwickelt und sind auf einem guten Weg. Aber wir haben in Europa noch einige andere Nationen, die bei der EM zum Favoritenkreis zählen. Dazu gehören Spanien und Holland, die auch permanent ihre Spiele gewinnen. Zudem hat Portugal eine gute Mannschaft, aber auch England und Frankreich sind nach wie vor nicht zu unterschätzen", sagte aber Löw.

"Bomber-Jäger" Klose voll des Lobes

So sieht es auch Özil, der in seinem Geburtsort Gelsenkirchen nicht nur zwei herrliche Tore erzielt, sondern im Stile eines Ausnahmekönners phasenweise Zauberfußball zelebriert hatte. "Wir haben gezeigt, dass wir eine Topmannschaft sind, aber Spanien, Holland und Frankreich sind ebenfalls nicht zu unterschätzen", sagte der Mittelfeldspieler von Real Madrid. Miroslav Klose, Lukas Podolski, Andre Schürrle und Mario Götze reihten sich ebenfalls noch in die deutsche Torschützenliste ein und machten das Spektakel perfekt.

"Wir sind gut drauf, das haben wir bewiesen. Die Mannschaft hat gezeigt, zu was sie in der Lage ist. Wir haben viele kreative Spieler in den eigenen Reihen, und das auch in der Breite", sagte Kapitän Philipp Lahm, der aber auch einräumte: "Bei den Gegentoren haben wir nicht gut ausgesehen."

Angesichts des Ergebnisses überwog aber die Freude über die erfolgreiche Qualifikation, die nur der Anfang gewesen sein soll. "In den zehn Jahren seit ich dabei bin, hat sich so viel geändert. Vor vier, fünf Jahren hieß es, dass wir keinen gescheiten Torwart hätten, dann keine Mittelfeldspieler, dann keinen Stürmer. Jetzt haben wir alles - doppelt und dreifach. Das ist die beste deutsche Mannschaft, in der ich gespielt habe", sagte Klose, dem nur noch sechs Treffer bis zum Rekord von Gerd Müller (68 Tore) in der Nationalelf fehlen. Und auch der gebürtige Pole Podolski, der endlich mal wieder seine wahren Qualitäten gezeigt hatte, kündigte an: "Bei der EM spielen wir um den Titel."

Wechsel in der Startelf und eine Nachnominierung

Bis dahin hat Löw, der in Danzig auf Bastian Schweinsteiger, Özil und Neuer verzichtet und den Leverkusener Lars Bender nachnominierte, noch eine Menge Arbeit. Gegen Polen werden im Gegensatz zum Österreich-Spiel Per Mertesacker und BVB-Juwel Mario Götze in der Startelf stehen, zudem steht Tim Wiese für Neuer zwischen den Pfosten.

In Danzig kann der DFB auch schon das EM-Quartier im Hotel Dwor Oliwski im Badeort Sopot buchen. "Die grobe Vorbereitung haben wir natürlich schon gemacht, jetzt geht es ins Detail. Ich denke, dass wir in den nächsten 14 Tagen die EM-Vorbereitung fixieren können", sagte Teammanager Oliver Bierhoff.

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung: Wiese - Träsch, Mertesacker, Badstuber, Lahm - Rolfes, Kroos - Schürrle, Götze, Podolski - Klose


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