Freiburg - Mit sieben Punkten aus den letzten drei Spielen hat sich der Sport-Club Freiburg im Abstiegskampf vor dem Baden-Württemberg-Derby gegen den VfB Stuttgart etwas Luft verschafft.

Vor dem brisanten Duell gegen den Tabellenletzten spricht Freiburgs Stürmer Admir Mehmedi im Interview mit bundesliga.de über das Derby, den bisherigen Saisonverlauf und auch darüber, wie er mit Kritik umgeht.

bundesliga.de: Admir Mehmedi, Freiburg und Stuttgart sind jetzt nicht unbedingt Nachbarstädte. Dennoch wird beim Spiel des Sport-Club gegen den VfB gerne von einem Derby gesprochen. Ist es für Sie ein richtiges Derby?

Mehmedi: Ich sehe es schon als Derby an. Man hat schon in der letzten Saison gesehen, dass es in diesen Spielen hoch her geht. Die Fans können es kaum erwarten. Und wir Spieler freuen uns auch auf dieses Duell.

"In der Rückrunde voll angreifen"

bundesliga.de: Der Sport-Club hat in den letzten Wochen fleißig gepunktet und scheint seine Stabilität wiedergefunden zu haben. Wie bewerten Sie den Aufwärtstrend?

Mehmedi: Die letzten Wochen waren sehr positiv für uns. Mit dem Augsburg-Spiel (das 0:2 verloren wurde, die Red.) hatten wir einen Rückschlag erlitten. Danach haben wir unsere Taktik ein wenig geändert. Damit fahren wir sehr gut. Es ist schade, dass wir im letzten Spiel in Mainz in den letzten Minuten noch den Ausgleich bekommen haben. Sonst hätten wir neun Punkte aus den letzten drei Spielen geholt.

bundesliga.de: Ist der Sport-Club jetzt im Soll?

Mehmedi: Ja. Inklusive des Pokalspiels haben wir von den letzten vier Spielen drei gewonnen und eins unentschieden gespielt. Wir wollen jetzt bis zur Winterpause so viele Punkte wie möglich holen, damit wir in der Rückrunde voll angreifen können.

bundesliga.de: Was meinen Sie mit „voll angreifen“?

Mehmedi: Wir wollen so schnell wie möglich den Klassenerhalt rechnerisch schaffen. Daran arbeiten wir.

bundesliga.de: Auch in dieser Saison hat Freiburg lange gebraucht, um am 10. Spieltag den ersten Saisonsieg einzufahren. Woran hat es gelegen, dass es so lange gedauert hat?

Mehmedi: Wir hätten sicher schon früher ein Spiel gewinnen können, wenn ich etwa an das Heimspiel gegen Mönchengladbach denke, in dem ich einen Elfmeter verschossen habe. Auch die Spiele gegen Hoffenheim oder Berlin haben wir in letzter Minute aus der Hand gegeben. Wir hätten also schon sechs Punkte mehr haben können. Dann wären es jetzt 18 Punkte. Es lief etwas unglücklich. Aber: Wir haben schon die ganze Zeit gut gearbeitet. Es war eigentlich nur das Quäntchen Glück, das am Ende gefehlt hatte.

bundesliga.de: Der Sport-Club ist auch nur schwer zu schlagen und hat erst vier Niederlagen einstecken müssen. Sehen Sie eine Entwicklung gegenüber der letzten Saison?

Mehmedi: Wir haben uns ganz sicher verbessert. Die Qualität im Kader ist besser als in der letzten Saison. Wir sind in der Breite besser aufgestellt. Wenn wir so weiterarbeiten und nicht nachlassen, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir den Klassenerhalt schaffen.

"Die Kritik ist mir egal"

bundesliga.de: Sie haben persönlich im letzten Jahr eine beeindruckende Saison gespielt und zwölf Tore erzielt. Die Erwartungen an Sie dürften gestiegen sein. Hatten Sie damit zu Beginn der neuen Saison Probleme?

Mehmedi: Sicher sind die Erwartungen an mich gestiegen. Nachdem ich eine so gute Saison gespielt habe, erwarten die Leute, dass es so weitergeht. Ich hatte allerdings schwere Wochen hinter mir, weil ich verletzt war und nach der WM nicht in die Gänge gekommen bin. Aber man sieht, wie schnell es geht, wie schnell man gefeiert und dann auch wieder kritisiert wird. Die Kritik von einigen Medien war sicher übertrieben. Mir ist das egal, weil mir nur die Meinung des Trainers wichtig ist und nicht das, was geschrieben wird.

bundesliga.de: Sie sind ein gestandener Nationalspieler. Wie sind Sie mit der Kritik umgegangen?

Mehmedi: Ich bin mit 23 Jahren noch relativ jung, habe aber auch schon 30 Länderspiele für die Schweiz absolviert. Ich bringe also eine gewisse Erfahrung mit. Es braucht schon viel, um mich aus der Ruhe zu bringen. Wichtig ist, dass ich weiter arbeite und meine Leistung bringe.

bundesliga.de: Jetzt kommt am Freitagabend das Derby gegen den VfB Stuttgart, bei dem am Montag Trainer Armin Veh überraschend zurückgetreten ist und nun durch Huub Stevens ersetzt wurde. Macht dieser Trainerwechsel die Aufgabe für Freiburg schwerer?

Mehmedi: Wir konzentrieren uns nur auf unsere Aufgabe. Uns ist wirklich egal, ob Stevens oder Veh oder Schneider beim VfB auf der Bank sitzen. Wichtig ist, dass wir unsere Leistung abrufen. Wenn wir das tun, dann werden wir auch ein positives Resultat erzielen.

bundesliga.de: Wie groß ist Ihre Vorfreude?

Mehmedi: Derby ist Derby. Zu meiner Schweizer Zeit habe ich die Derbys in Zürich zwischen Grasshoppers und dem FCZ gespielt. Die waren immer speziell. Das wird jetzt am Freitag auch so sein. Aber schlussendlich geht es auch nur um drei Punkte.

bundesliga.de: Worauf wird es für den Sport-Club ankommen? Wie ist Stuttgart zu schlagen?

Mehmedi: Ich denke, dass am Ende die Mannschaft, die alles für den Sieg tut und ihn mehr will, das Spiel auch gewinnen wird.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski