Köln - Mit diesem Namen hat wohl kaum einer gerechnet: In der bundesliga.de-Liste der 100 aktivsten Bundesliga-Spieler der Saison 2014/15 befindet sich Milos Jojic von Borussia Dortmund auf dem zweiten Platz. Warum eigentlich?

Es mag zunächst etwas überraschend klingen, gehört Milos Jojic im Starensemble der Borussia doch eher zu den weniger klangvollen Namen. In den letzten vier Bundesliga-Spielen hat es der Serbe noch nicht einmal in den Dortmunder Kader geschafft. Waren die sieben Einstätze davor umso überzeugender?

So schnell wie Aubameyang

In den vier zugrunde liegenden Kategorien Anzahl der Torschüsse, Summe der gewonnenen Zweikämpfe, angekommene Pässe und Anzahl der Sprints taucht Jojic in allen vier Bereichen unter den besten 33 Spielern der Bundesliga auf. So kommt er am Ende auf eine Summe von 624 Punkten und rangiert mit deutlichem Abstand vor dem Hoffenheimer Roberto Firmino (608 Punkte) auf dem zweiten Platz.

Sein bester Wert ist dabei die Kategorie Zweikampf. Hier ist sich der 22-Jährige für nichts zu schade. Im Schnitt geht er alle drei Minuten ins 1-zu-1-Duell mit einem Gegenspieler. An den ersten sieben Spieltagen lief Jojic, der im Mittelfeld jede Position spielen kann, zumeist als Sechser auf.  Was ihn aber vom klassischen defensiven Mittelfeldspieler unterscheidet, ist der Faktor Sprint. Im Vergleich zu Mannschaftskollegen wie Sven Bender und Sebastian Kehl kommt er nicht nur auf eine höhere Anzahl an Sprints, sondern auch auf eine deutlich höhere Geschwindigkeit. Mit 34 Kilometern pro Stunde liegt sein Spitzenwert sogar auf einem Level mit Super-Sprinter Pierre-Emerick Aubameyang.

Hervorragendes Passspiel

Das alles paart sich schließlich mit einer hervorragenden Passgenauigkeit. Von 256 gespielten Pässen kamen starke 84,8 Prozent beim Mitspieler an. Nur 14 Bundesliga-Spieler waren hier besser. Dass Jojic auch beim Torschuss (pro Einsatz schießt er durchschnittlich zwei Mal aufs Tor) weit vorne liegt, macht ihn im Grunde zu einem kompletten Mittelfeldspieler.

Allein das Tore schießen scheint ihm in dieser Spielzeit nicht mehr zu gelingen. Weder ein Treffer noch ein Assist stehen hier auf seinem Konto. Dass er es grundsätzlich kann, hat er aber bereits bewiesen. Nach elf Toren und 10 Assists in 50 Spielen bei Partizan Belgrad, wechselte er im Winter 2013/14 zu Borussia Dortmund. Dort schien es im ersten Halbjahr in einer ähnlichen Frequenz weiterzugehen. Vier Tore und eine Vorlage in zehn Einsätzen sorgten für einen gelungenen Einstand bei Schwarz-Gelb.

Große Konkurrenz beim BVB

Inzwischen ist Jojic auch in der Nationalelf von Serbien angekommen, spielte dort zuletzt auf der Spielmacher-Position. Bei Dortmund wird es hingegen weit schwieriger, in die Stammelf zurückzukehren. In der Offensive sind Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan und Shinji Kagawa gesetzt, in der Defensive drängen neben Sven Bender und Sebastian Kehl nun auch die wiedergenesenen Ilkay Gündogan und Nuri Sahin auf ihre Einsätze.

Trotz seiner überzeugenden Werte wird sich Jojic also erst einmal hinten anstellen müssen. Der Serbe ist noch jung und wird es verkraften, gilt ohnehin als ruhiger Zeitgenosse. Auf seinem Instagram-Profil gibt er regelmäßig Buchempfehlungen für seine Follower. Und sollte es mit dem Tore schießen wieder besser klappen, dann wird auch Jürgen Klopp bestimmt wieder zeitnah auf die Dienste von Milos Jojic zurückgreifen.

Karol Herrmann