Sinsheim - Mike Frantz war einer von zwei Freiburger Spielern, die nach dem 3:3 gegen Hoffenheim vor die Presse traten - allen andern hatte das erneute Last-Minute-Remis offenbar zu sehr die Laune verhagelt, um Auskunft über die eigene Gefühlslage zu geben.

Zwar war auch Frantz traurig, dass die starke Leistung der Freiburger nicht mit dem ersten Saisonsieg belohnt wurde, aber der ehemalige Nürnberger freute sich dann doch auch ein wenig über seine beiden Treffer im SC-Dress, die er innerhalb von zwei Minuten (31./33.) erzielte.

Beim ersten Tor hatte Maximilian Philipp prima quergelegt, beim zweiten spritzte Frantz in eine scharfe Hereingabe von Jonathan Schmid und jagte den Ball aus kurzer Distanz ins kurze Eck. "Ich glaube, dieses Spiel hatte alles wovon Zuschauer träumen, wenn sie ins Stadion kommen", sagte der Doppeltorschütze. "Für uns war es natürlich umso ärgerlicher, dass wir nicht gewonnen haben. Ich finde, wir haben defensiv und offensiv gut gespielt."

Nur vermeintlich eine Notlösung

Dass Frantz in vorderster Front auflief, hatte manchen der SC-Beobachter überrascht. Schließlich ist der 27-Jährige eigentlich ein gelernter Mittelfeldspieler, der beim 1. FC Nürnberg meist links hinter den Spitzen eingesetzt worden war, ehe Gertjan Verbeek ihn zum Sechser umschulte.

Aufgrund des enormen Verletzungspechs in der Freiburger Offensive - Admir Mehmedi, Dani Schahin und Philipp Zulechner fielen in Hoffenheim aus - war SC-Trainer Christian Streich jedoch gezwungen zu improvisieren. Und kam dabei auf eine Lösung, die nur auf den ersten Blick überraschte.

Schließlich hatte die vermeintliche Notlösung seine Torgefahr schon in der Vergangenheit nachgewiesen: Acht Treffer standen in 109 Erstligaspielen für den "Club" zu Buche. Das ist eine gute Bilanz für einen Mittelfeldspieler, zumal in einem Verein, der insgesamt wenig Tore schießt. Auch wegen seiner Qualitäten beim Torabschluss zählte Frantz vor der Saison zu den Wunschspielern von Trainer Christian Streich.

"Irgendwie ist es wie verhext"

Der sah sich schnell bestätigt: Schon im Trainingslager im österreichischen Schruns hinterließ Frantz bei den Torabschlussübungen einen hervorragenden Eindruck, mit Ausnahme von Mehmedi und Zulechner traf keiner so oft ins Schwarze wie der gebürtige Saarbrücker, der nach dem Hoffenheim-Spiel nachdenklich wirkte: "Uns macht es aus, dass wir nach Rückschlägen sofort wieder aufstehen. Irgendwie ist es im Moment wie verhext, aber wir werden auch jetzt wieder aufstehen." Für die Zuschauer, so Frantz, habe sich das Kommen allerdings gelohnt.

Schon in der Vorsaison hatten beide Mannschaften dem Sinsheimer Publikum sechs Tore gegönnt und die paritätisch aufgeteilt, und auch diesmal sahen die Zuschauer ein höchst ansehnliches Spiel zwischen zwei Mannschaften, die absolut konsequent mit fußballerischen Mitteln arbeiten. Selbst in größter Bedrängnis wurden da die Bälle sauber aus dem eigenen Strafraum gespielt, beide Mannschaften zeigten ein paar sehr hübsche Kombinationen.

Ein Sieg muss her

"Wir müssen jetzt einfach mal gewinnen", sagte Streich, als er auf die Lobeshymnen angesprochen wurde. "Nur so können wir Bundesligatauglichkeit nachweisen."

So sieht es auch Mike Frantz, der liebend gerne auch am kommenden Samstag gegen Bayer Leverkusen wieder in der Startelf stehen würde. Ob im Mittelfeld oder im Sturm.

Aus Sinsheim berichtet Christoph Ruf