Zusammenfassung

  • Marc Wilmots war von 2012 bis 2016 belgischer Nationaltrainer

  • Von 1996 bis 2000 und 2001 bis 2003 spielte der Belgier für den FC Schalke 04

  • Wilmots über BVB-Stürmer Michy Batshuayi: "Borussia Dortmund war die beste Wahl, die er treffen konnte"

Köln - Marc Wilmots verfolgt weiterhin mit ganz viel Freude die Bundesliga. Nach seinen Stationen als Nationaltrainer Belgiens und der Elfenbeinküste kümmert sich der ehemalige Schalker nun um die Karriere seiner Söhne. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht er über Borussia Dortmunds Michy Batshuayi, den er als Jugend-Trainer bei Standard Lüttich trainierte und ein paar Jahre später auch im belgischen Nationalteam betreute. Wilmots analysiert die ersten Wochen des BVB-Torjägers in der Bundesliga, seinen Charakter und wie er seine Zukunft sieht.

bundesliga.de: Herr Wilmots, was zeichnet Michy Batshuayi aus?

Marc Wilmots: Als Spieler ist er schnell, trickreich und sehr abgeklärt vor dem gegnerischen Tor. Er ist sowohl mit dem Rücken zum gegnerischen Tor, als auch vor dem Tor klasse. Und er geht immer wieder lange Wege, um auch für seine Mitspieler Freiräume zu schaffen. Er ist mit dem rechten wie dem linken Fuß gleich stark. Als Person ist er eher schüchtern, aber er ist gut gelaunt und hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Ein cooler Junge.

bundesliga.de: In welchen Bereichen hat er in den vergangenen Monaten den größten Sprung gemacht?

Wilmots: Seine Ausstrahlung. Er spielt mit breiter Brust. Er zeigt, dass er viel robuster ist, er scheut keinen Zweikampf und geht auch dahin, wo es weh tut.

Video: Reus, Götze, Schürrle, Batshuayi - das BVB-Traumquartett in der Offensive

bundesliga.de: Wie gut passt er zu Borussia Dortmund?

Wilmots: Richtig gut. Die Spielweise des BVB ist für seinen Stil bestens geeignet. Mit technisch starken Spielern wie Marco Reus, Mario Götze und André Schürrle hinter sich, hat er die besten Voraussetzungen, um sein Potenzial bestens auszuschöpfen. Von diesem schnellen und direkten Spiel nach vorne kann er nur profitieren. In Dortmund wird kaum mit hohen langen Bällen gespielt, sondern die Aktionen werden sorgfältig und sauber bis zum gegnerischen Strafraum gespielt. Auch von den feinen Pässen in die Tiefe eines Gonzalo Castro oder eines Shinji Kagawa profitiert er. In diesem fantastischen Stadion kann er nur Spaß haben. Seine Entscheidung, nach Dortmund zu gehen, war die beste, die er treffen konnte.

"Die Spielweise des BVB ist für seinen Stil bestens geeignet. Von diesem schnellen und direkten Spiel nach vorne kann er nur profitieren." Marc Wilmots über Michy Batshuayi

bundesliga.de: Kann er bis zum Ende der Saison so treffsicher bleiben (fünf Treffer in den ersten drei Partien Wettbewerbs übergreifend), auch wenn er zuletzt leicht schwächelte?

Wilmots: Er muss natürlich verletzungsfrei und auch topfit bleiben, um alle drei Tage spielen zu können. Aber er ist ja bei Chelsea nicht oft zum Einsatz gekommen, dementsprechend braucht er einen besseren Rhythmus. Mir imponiert insbesondere sein Lächeln: Man merkt ihm an, dass er mit großer Freude diese neue Herausforderung annimmt. Und mit seinen Toren hat er Dortmund richtig gut getan, denn als er kam, sah es für die Borussia eher düster aus.

Schon dreimal erfolgreich für den BVB in der Bundesliga: Borussia Dortmunds Angreifer Michy Batshuayi © imago

bundesliga.de: Er ist auch nach Dortmund gekommen, um Spielpraxis zu sammeln, mit dem Ziel, zur WM nach Russland mitzufahren. Wie schätzen Sie seine Chancen ein?

Wilmots: Wenn er weiter so treffsicher bleibt, dann wird es für Nationalcaoch Roberto Martinez schwer, auf Michy zu verzichten. Er steht in Konkurrenz mit Divock Origi vom VfL Wolfsburg. Dass die WM sein Ziel Nummer eins ist, ist nachzuvollziehen, weil er ja noch nie an einer Weltmeisterschaft teilgenommen hat – im Gegensatz zu Origi.

"Die Bundesliga scheint für ihn wie gemacht zu sein, weil es offensiv zugeht." Marc Wilmots über Michy Batshuayi

bundesliga.de: Wird er auch in der kommenden Saison für den BVB auf Torejagd gehen?

Wilmots: Das ist ganz ehrlich schwer zu sagen. Mit jedem Treffer macht er sich auch für andere europäische Top-Clubs interessant. Chelsea wird wohl einen neuen Trainer bekommen – es ist nicht auszuschließen, dass er auf Michy baut. In jedem Fall braucht man sich um seine Zukunft keine Sorgen zu machen. Wichtig ist, dass er in seinem Club glücklich ist. Dafür muss er regelmäßig eingesetzt werden. Kein Mensch weiß aber schon jetzt, wie es in vier Monaten aussehen wird.

Kaum zu stoppen: BVB-Angreifer Michy Batshuayi bei seinem Treffer gegen den Hamburger SV © imago / Uwe Kraft

bundesliga.de: Passt seine Spielweise besser zur Bundesliga als zur Premier League?

Wilmots: Ich denke, in beiden Ligen kann er sich durchsetzen. Klar scheint die Bundesliga für ihn wie gemacht, weil es offensiv zugeht. Aber auch in England hat er in seinen wenigen Einsätzen bewiesen, dass er auch mit dem Rücken zum Tor glänzen kann.

Das Interview führte Alexis Menuge.