Dortmund - Das torlose Derby-Remis gegen den FC Schalke 04 war für Borussia Dortmund schon das vierte Bundesliga-Spiel in Folge ohne Sieg. Michael Zorc findet nach der Partie kritische Worte zum Auftritt, nimmt die junge Mannschaft aber auch in Schutz. Im Interview spricht der Sportdirektor des BVB über das umkämpfte Revierderby, die Situation der Borussia und die nächsten Partien gegen Lissabon und den Hamburger SV.

Frage: Michael Zorc, beim 0:0 gegen Schalke gab es in der ersten Halbzeit nicht einen einzigen Torschuss der Borussia. Haben Sie selbst so etwas in Ihrer langen Karriere in einem Derby schon mal erlebt?

Michael Zorc: Das weiß ich jetzt gar nicht so genau. Aber es war in der Tat mega harmlos, was wir in den ersten 45 Minuten auf den Platz gebracht haben. Wir haben uns immer wieder aus guten Positionen durch sehr einfache Fehler im eigenen Ballbesitz aus dem Rhythmus und aus dem Spiel gebracht. Das war alles nicht zwingend von uns. Das Resultat war dann am Ende kein einziger Torschuss.

"Wir hätten es verdient, das Derby zu gewinnen"

Frage: Es war ein sehr kampfbetontes Derby. Hat Schalke dem BVB in gewisser Weise den Schneid abgekauft?

Zorc: Das würde ich nicht so sehen, weil wir in der zweiten Halbzeit ja komplett anders aufgetreten sind. Ab der 50. Minute haben wir eine gute Leistung auf den Platz gebracht. Da haben wir uns regelmäßig Torchancen erspielt und auch viel mehr für das Spiel getan. Aufgrund der zweiten Halbzeit hätten wir es auch verdient, dieses Derby zu gewinnen. Wir hatten relativ große Chancen wie in der 74. Minute, als der Ball noch einen Meter vor dem Tor im letzten Moment geklärt wurde. Wir waren in der zweiten Halbzeit die komplett aktivere Mannschaft. Schalke hat das Fußballspielen eingestellt und eigentlich nur noch auf Konter gewartet. Leider haben wir es trotzdem nicht geschafft, das entscheidende Tor zu machen.

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Frage: Wie muss man das Unentschieden am Ende einordnen? Der BVB hat aus den jüngsten vier Spielen in der Bundesliga nur drei Punkte geholt.

Zorc: Wir müssen mit dem 0:0 leben, auch wenn wir mit der Situation insgesamt nicht zufrieden sind. Wir sind jetzt aber in einer Situation, in der die verletzten Spieler langsam zurückkommen. Dann werden wir noch mehr Qualität auf den Platz bringen. Und das heißt dann auch, noch vernünftiger wechseln zu können. Das gibt Hoffnung, dass wir dann in den kommenden Wochen auch wieder die Ergebnisse erzielen, die wir zuletzt nicht hatten.

"Wir haben einfach zu viele Verletzte"

Frage: Wie sehr hat der verletzte Gonzalo Castro der Mannschaft gegen Schalke gefehlt?

Zorc: Mit seinen vielen Torbeteiligungen in der offensiven Mittelfeldposition ist er ein eminent wichtiger Spieler für uns. Ich hoffe, dass es bald wieder geht bei ihm und er wieder spielen kann.

Frage: Das Fehlen von Castro allein erklärt aber nicht, warum der BVB es seit Wochen nicht mehr schafft, sein Offensivspiel auf den Platz zu bringen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Zorc: Wir haben einfach zu viele verletzte Spieler. Das ist auch der Grund, warum dann die jungen Spieler permanent durchspielen. Das hat man gegen Schalke zum Beispiel bei Felix Passlack gemerkt, der zuletzt immer spielen musste. Er macht dann auch mal Fehler, die er sonst eigentlich nicht macht. Aber das sind Fehler, die man einem 18-Jährigen auch einfach zugestehen muss.

Frage: Am Mittwoch trifft der BVB in der Champions League auf Sporting Lissabon. Was muss sich dann ändern?

Zorc: Das ist eine komplett andere Aufgabe und das wird ein komplett anderes Spiel. Ich habe mir das Ergebnis von Sporting angeschaut, sie haben auch nur torlos unentschieden gespielt. Ich habe den Eindruck, da läuft es noch weniger als bei uns, um ehrlich zu sein. Wir wollen mit unserer guten Ausgangsposition, die wir in der Champions League haben, natürlich jetzt auch den Einzug in die nächste Runde realisieren. Mit einem Sieg sind wir durch, darum geht’s am Mittwoch. 

"In Hamburg gibt es nur ein Ziel: drei Punkte"

Frage: International läuft es gut, aber in der Bundesliga hinkt der BVB hinterher.

Zorc: Wir brauchen dann ab Donnerstag eine klare Fokussierung auf die Bundesliga. Das ist unser Hauptwettbewerb und da wollen wir uns auch für die nächste Saison wieder für die Champions League qualifizieren. Wir haben jetzt Punkte liegen lassen. Dafür gibt es zum Teil Erklärungen. Zum Teil gibt es aber auch keine Entschuldigung, etwa für die erste Halbzeit in Ingolstadt. Das war einfach eine Nicht-Leistung, die wir da auf den Platz gebracht haben. Aber nun geht es für uns darum, uns wieder oben heran zu robben.

Frage: Nach der Länderspielpause wollen Sie also mit etlichen Rückkehrern im Kader wieder angreifen?

Zorc: Die Hoffnung ist schon groß, dass dann einige Spieler wieder mit dabei sind. Aber jetzt haben wir vor der Länderspielpause erstmal noch zwei wichtige Spiele. In der Champions League geht es, wie gesagt, darum, das Weiterkommen klar zu machen. Und dann müssen wir am Samstag nach Hamburg fahren und da gibt es für uns nur ein Ziel – drei Punkte.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte