Dortmund - Neue Impulse auf und neben dem Platz – nicht mehr und nicht weniger erwartet Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc von Thomas Tuchel. Im Interview mit bundesliga.de spricht Zorc wenige Stunden vor dem Saisonstart gegen Borussia Mönchengladbach über den neuen Trainer, seine Arbeit und sein Auftreten und blickt voraus auf den Bundesliga-Auftakt für den BVB am Samstag.

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews.

bundesliga.de: Michael Zorc, zum Bundesliga-Auftakt wartet auf Borussia Dortmund am Samstag ein Top-Gegner. Die Partie gegen Borussia Mönchengladbach (Samstag, ab 18:00 Uhr im Liveticker) bedeutet gleich eine echte Standortbestimmung. Hätten Sie es gern eine Nummer kleiner gehabt?

Michael Zorc: Vor allem freuen wir uns, dass es am Samstag endlich richtig losgeht. Alle fiebern dem Bundesliga-Start entgegen. Uns haben die Qualifikationsspiele zur Europa League vielleicht schon ein bisschen Orientierung gegeben. Wir hatten insgesamt schon drei Pflichtspiele, in die du konzentrierter gehst und die du anders annimmst als ein normales Testspiel. Wir fühlen uns jedenfalls gut vorbereitet.

bundesliga.de: Das klingt so, als erwarten Sie am Samstag drei Punkte für den BVB.

Zorc: Natürlich wollen wir mit einem Sieg in die Saison starten, das ist doch keine Frage. Zuhause wollen wir jedes Spiel gewinnen. Aber das wir dafür richtig viel Arbeit vor uns haben, steht ja außer Frage.

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"Tuchel kann Spieler und Mannschaften entwickeln"

bundesliga.de: Wie schätzen Sie Borussia Mönchengladbach ein?

Zorc: Gladbach ist eine absolute Top-Mannschaft. Sie hat gerade erst im Pokal bei St. Pauli gezeigt, was in ihr steckt, als sie in der zweiten Halbzeit aufgedreht und das Spiel in kurzer Zeit gedreht haben. Eine sehr spielstarke Mannschaft, die einiges mitbringt. Aber wir sind vorbereitet.

bundesliga.de: Die Partie gegen Gladbach ist zugleich die Bundesliga-Premiere von Thomas Tuchel als BVB-Cheftrainer. Ohne ihn mit seinem Vorgänger Jürgen Klopp vergleichen zu wollen – was macht Thomas Tuchel aus und warum ist er zu diesem Zeitpunkt in diesem Verein genau der richtige Trainer?

Zorc: Thomas Tuchel hat in Mainz über einen für den Profifußball sehr langen Zeitraum nachgewiesen, dass er einzelne Spieler, aber auch eine ganze Mannschaft entwickeln kann. Er hat eine klare Vorstellung, wie das Spiel seiner Mannschaft aussehen soll. Darauf arbeitet er sehr konzentriert hin.

"Jede Handlung, jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt"

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bundesliga.de: Der Ruf eines sehr akribischen Trainers eilt ihm voraus.

Zorc: Er arbeitet sehr genau und fokussiert. Ob man das akribisch nennen muss, nur weil er selbst beim Training die Hütchen aufstellt? Das sollte man nicht verwechseln. Tatsache ist, dass er sehr detailversessen ist. Thomas will auch kleine Dinge verbessern, weil dann am Ende das große Ganze besser wird.

bundesliga.de: Hat es Sie eher irritiert oder belustigt, dass Dinge wie das Aufstellen von Hütchen und die Umstellung der Ernährung in der Öffentlichkeit auf solches Interesse gestoßen sind?

Zorc: Es hat mich jedenfalls nicht überrascht. Heute wird jeder Schritt, jede Handlung und jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und kommentiert. Das gehört zum Fußballgeschäft heute mit dazu.

"Das Team steht neuen Impulsen sehr offen gegenüber"

bundesliga.de: Unbestritten ist aber, dass Thomas Tuchel auf verschiedenen Ebenen neue Impulse setzt. Sportlich drückt sich das in neuen Übungsformen im Training aus. Hans-Joachim Watzke hat eingestanden, nicht immer auf Anhieb alles durchschaut zu haben.

Zorc: Dass Thomas Tuchel auf und auch neben dem Platz neue Impulse setzt, ist sehr gewollt. Das ist doch gerade die Chance, die sich mit einem neuen Trainer verbindet. Thomas hat sehr komplexe Trainingsformen eingeführt, die auch für uns teilweise neu waren. Ich bin schon lange im Profifußball dabei, aber die eine oder andere Trainingsform hatte ich so auch noch nicht gesehen. Dann fragt man natürlich auch mal nach und lässt sich erklären, welche Ziele damit verfolgt oder welche Schwerpunkte dadurch gesetzt werden.

bundesliga.de: Die Spieler scheinen den neuen Trainingsformen und der neue Ansprache sehr interessiert gegenüber zu stehen.

Zorc: Die Mannschaft steht den neuen Impulsen sehr offen gegenüber, das ist ganz wichtig. Man kann täglich beobachten, dass die Jungs mit viel Freude in jedem Training dabei sind. Das sieht momentan wirklich alles gut aus. Aber man darf auch nicht vergessen, dass wir bis jetzt in der Vorbereitung waren – da ist meistens alles wunderbar.

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"Unsere Fans freuen sich auf die Saison mit dem Trainer"

bundesliga.de: Was für Thomas Tuchel in Bezug auf die Mannschaft auch ein Thema zu sein scheint, ist das Auftreten in der Öffentlichkeit und der höfliche Umgang mit Menschen. Benötigen gerade junge Spieler auch in diesem Bereich eine Orientierung?

Zorc: Ich habe ja bewusst von den Impulsen auf und neben dem Platz gesprochen. Ich glaube, in allen Lebensbereichen tut eine grundsätzliche Bescheidenheit gut. Es ist die Basis, um auch im Profi-Bereich Top-Leistungen zu entwickeln. Es bedeutet, dass man viel Respekt zeigt und Dinge wertschätzt. Auch die Tatsache, dass man als Fußball-Profi ein sehr privilegiertes Leben hat, in der Regel viel Geld verdient, und dies auch noch mit einem Hobby, das Spaß macht. Wenn man sich das ab und zu mal in Erinnerung ruft, kann es nicht schaden.

bundesliga.de: Sie haben betont, dass die Mannschaft offen ist für neue Impulse. Auch die Fans und das Umfeld scheinen trotz des schweren Abschieds von Jürgen Klopp sehr neugierig und offen zu sein für das, was jetzt kommt. Hat Sie das überrascht?

Zorc: Wir haben mit Jürgen Klopp eine wunderschöne Zeit gehabt, eine der schönsten Zeiten in der Vereinsgeschichte von Borussia Dortmund. Die Jahre mit ihm waren extrem erfolgreich. Aber das ist jetzt abgeschlossen. Es ist nun ein Neustart mit einem neuen Trainer, der von uns jegliche Unterstützung bekommt. Bei unseren Fans habe ich den Eindruck, dass sie sich auf die Saison mit dem neuen Trainer freuen.

"Im Vorfeld wurden viele Klischees bedient"

bundesliga.de: Thomas Tuchel hat auch selbst mit seiner Art gepunktet - offen, gesprächig, engagiert.

Zorc: Natürlich wurden im Vorfeld auch viele Klischees bedient, wie Thomas ist oder sein soll. Aber wenn man ihn jetzt erlebt, dann entsteht bei ganz vielen Menschen der Eindruck: Das ist ein offener Typ und es passt richtig gut zwischen ihm und dem BVB. Beurteilt wird am Ende seine Arbeit. Also warten wir jetzt mal ab und schauen, was auf dem Platz heraus kommt.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte

Im zweiten Teil des Interviews verrät Michael Zorc, wer für ihn die Überraschung der Vorbereitung ist, warum er von den Profis noch mehr Selbstverantwortung fordert und was aus Kevin Großkreutz wird.