Köln - 15 von 18 Bundesliga-Clubs trainieren in der Winterpause in sonnigeren Gefilden. Nur der 1. FC Köln, der FC Ingolstadt 04 und die TSG 1899 Hoffenheim bleiben in Deutschland. Für beide Varianten gibt es Pro und Kontra. Im Exklusiv-Interview spricht Michael Frontzeck, einst unter anderem Trainer von Borussia Mönchengladbach, Hannover 96 und des FC St. Pauli, über seine Erfahrungen mit Trainingslagern und die Schwerpunkte in den kommenden Wochen.

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bundesliga.de: Herr Frontzeck, 15 Bundesligisten fahren in der Winterpause ins Trainingslager in die Sonne, drei bleiben zuhause. Wie haben Sie es als Trainer am liebsten gehalten?

Michael Frontzeck: Mittlerweile haben die Bundesligisten und auch die Vereine aus der 2. Bundesliga auch daheim perfekte Bedingungen. Man kann also auch zuhause bleiben. Ich habe es aber immer so gehalten, ein paar Tage in den Süden zu fliegen. Dort kann man im Schnellkraftbereich besser arbeiten. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Im Grunde genommen ist es auch die Regel, aber nicht zwingend notwendig.

bundesliga.de: Wo setzen die Trainer in der Winterpause inhaltlich den Trainingsschwerpunkt?

Frontzeck: Die Spieler haben für ihren Kurzurlaub individuelle Pläne mitbekommen. Sie sollten in dieser Zeit ein bisschen abschalten, aber auch ein gewisses Level halten. Deshalb muss man jetzt nicht mehr Kondition bolzen. Es geht darum, wieder in den Rhythmus zu finden. Einige Freundschaftsspiele werden absolviert. Aber eine echte Winterpause ist es auch nicht, dafür ist die Zeit zu kurz. Die Zweitligisten haben immerhin noch eine Woche mehr. Für die lohnt es sich dann auch, sieben oder acht Tage wegzufahren.

"Die Bedingungen sind im Normalfall besser"

bundesliga.de: Fällt die Integration eventueller Neuzugänge in einem Trainingslager leichter als im normalen Trainingsbetrieb?

Frontzeck: Ja, das denke ich schon. Für die neuen Spieler, die dazu kommen, ist das ein Vorteil. Genauso wie für einen neuen Trainer, der die Mannschaft dann eng beieinander hat. Man kann abseits des Platzes auch andere Aktivitäten zusammen unternehmen. Das bietet sich an. Aber in erster Linie ist man im Trainingslager, um die Grundlagen im fußballerischen Bereich zu legen, weil die Bedingungen im Normalfall besser sind. Auf der anderen Seite liegt auch in Deutschland der Schnee nicht meterhoch.

bundesliga.de: Welche außergewöhnlichen Begebenheiten aus Trainingslagern fallen Ihnen ein?

Frontzeck: Ich hatte meistens Glück. Wir hatten mal in der Türkei zwei Tage, an denen es nonstop geregnet hat, dann muss man improvisieren. Die Plätze waren aber ausgezeichnet und trotz Regens gut bespielbar. Ich habe nie erlebt, dass man gar nicht mehr auf den Platz konnte.

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bundesliga.de: Beim FC Ingolstadt ist jetzt ein Training im Freien wegen Schneefalls und starken Windes ausgefallen, die Mannschaft ist dann in die Halle gegangen. Improvisationstalent kann auch hierzulande gefragt sein.

Frontzeck: Ja, gerade im Süden Deutschlands ist die Gefahr sicher größer. Die Vereine haben aber inzwischen Trainingsplätze mit Rasenheizung, dann fällt vielleicht mal ein Vormittagstraining aus. Man kann auch in der Halle Fußball spielen und an der Körperlichkeit arbeiten. Das ist kein Problem. Problematisch wird es erst, wenn von drei Wochen Pause an zwei Wochen solche Bedingungen herrschen. Ich gehe aber davon aus, dass die Vereine, die in Deutschland bleiben, auch einen Notfallplan haben und kurzfristig ein paar Tage wegfliegen können.

Video: Florida-Cup kann kommen

bundesliga.de: Ein Argument für einen Verbleib in Deutschland ist, dass man mehr Zeit hat, weil für An- und Abreise in Trainingslager schon ein bis zwei Tage benötigt werden, wenn beispielsweise Bayer 04 Leverkusen nach Florida fliegt.

Frontzeck: Das ist sicher eine sehr lange Reise. Die meisten Vereine zieht es nach Spanien oder Portugal. Dann dauern die Flüge auch nur drei oder vier Stunden.

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bundesliga.de: Früher haben die Vereine die Winterpause mit Hallenfußball und vielen Turnieren überbrückt. Bedauern Sie es, dass die Zeiten vorbei sind?

Frontzeck: Nein, man muss auch aufpassen, dass nicht zu viel Fußball im Fernsehen gezeigt wird und man das Rad überdreht. Ich weiß nicht, ob man dann noch eine Hallensaison draufpacken sollte, zumal es in der Kürze der Zeit auch gar nicht möglich ist. Auch die Verletzungsgefahr ist immer gegeben. Ich kann mich daran erinnern, dass wir das Hallenmasters über Jahre gespielt haben – das war für die Zuschauer und Spieler attraktiv. Aber als es dann um hohe Preisgelder ging, wurde es auf dem Feld auch mal ungemütlich.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski