München - Nicht nur die Fans, sondern auch die Mitspieler klatschten Beifall, als mit Thiago der Wegbereiter des 6:1-Sieges gegen den FC Porto den Rasen verließ. "Wir sind eine Mannschaft. Unsere Leistung war großartig, ich bin sehr stolz darauf und genieße es", sagte der Spanier. Der FC Bayern München ist als Team in den vergangenen Wochen enger zusammengerückt und findet darin die Erfolgsformel für die entscheidenden Spiele.

Gerne ist in diesem Zusammenhang vom bayerischen Selbstverständnis "Mia san Mia" die Rede, jenem Motto, das sich der FC Bayern selbst auf die Fahnen geschrieben hat. In Zeiten des Erfolgs bedeutet es, sich seiner Wurzen bewusst zu sein und die Bodenständigkeit zu wahren. Zugleich heißt es, sich nicht vom eigenen Weg abbringen zu lassen. Was auch passiert, wir sind wir!

Herz, Leidenschaft und Aggressivität

"Man hat in den letzten Jahren immer wieder gesehen, was das heißt. Die Mannschaft will", übersetzt Kapitän Philipp Lahm diese Mentalität ins Sportliche. "Die Mannschaft hat viel Herz, Leidenschaft und Aggressivität gezeigt. Jeder ist für den anderen gelaufen." Welch großen Anteil jeder einzelne am gemeinsamen Erfolg hat, zeigt die Torstatistik der laufenden Saison in der Champions League: 16 der 23 eingesetzten Bayern-Spieler können mindestens eine Torbeteiligung vorweisen. So viel Teamwork ist aktuell von keiner anderen Mannschaft in der Königsklasse zu toppen.

Dabei waren zwei der Hauptdarsteller in dieser Kategorie gegen Porto nach wie vor zum Zuschauen verdammt. Franck Ribery und Arjen Robben bejubelten von der Tribüne aus den Triumph ihrer Kollegen auf dem Rasen. Mit David Alaba, Medhi Benatia und Javi Martinez durften auch die weiteren Rekonvaleszenten im Stadion am Erfolg teilhaben. Bastian Schweinsteiger stand nach Verletzung zwar wieder im Kader, kam aber nicht zum Einsatz, er wird noch gebraucht in den kommenden Wochen.

Thiagos Rückkehr als Vorbild

So wie alle anderen, deren Rückkehr sich andeutet. Robben intensivierte unmittelbar vor dem Rückspiel gegen Porto sein Training und dürfte nach einmonatiger Pause schon bald wieder zum Aufgebot zählen. Eine noch längere Leidenszeit endete am Mittwoch für Martinez: Knapp acht Monate nach seinem Kreuzbandriss kehrte der Spanier auf den Trainingsplatz zurück und wurde - ähnlich wie zuvor Thiago - mit viel Applaus von seinen Mannschaftskollegen empfangen.

Thiagos Comeback nach über einjähriger Pause und Rückschlägen in der Reha dient in vielerlei Hinsicht als Vorbild. Der Spanier wird nach seinem Innenbandteilriss von Woche zu Woche besser, ist jedoch laut eigener Aussage noch nicht bei 100 Prozent. Dafür gelangen ihm in den letzten beiden Champions-League-Spielen wichtige Tore.

"Er ist ein Kämpfer und er hat keine Angst, das ist seine Mentalität", sagt Trainer Pep Guardiola über ihn. Auch Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge ist glücklich, dass Thiago im letzten Drittel der Saison zur Verfügung steht. "Er kann für uns Spiele entscheiden", sagt Rummenigge.

Nur ein Schritt bis Meisterschaft und Pokalfinale

Die erste Entscheidung steht für die Bayern bereits am Wochenende an. Mit einem Sieg gegen Hertha BSC hätten die Münchner den Meistertitel so gut wie sicher und könnten am Sonntag ganz entspannt zuschauen, wie sich der Zweitplatzierte VfL Wolfsburg bei Borussia Mönchengladbach schlägt.

Und am Dienstag steht bereits das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund auf dem Plan. "Wir sind einen Schritt davon entfernt, Meister zu werden und ins Pokalfinale einzuziehen", sagte Guardiola (Video: FCB heiß auf Titel).

Auch in der Champions League soll der Weg nun weiter ins Finale führen. Nach der Gala gegen Porto lebt der Traum vom Triple. Die Chancen auf den Gewinn aller drei Titel werden durch die Rückkehrer sicherlich nicht geringer. Für Torhüter Manuel Neuer hat aber der Erfolg gegen Porto zusätzlich eine wichtige Erkenntnis geliefert: "Wir können auch mit einem geschrumpften Kader jeden Gegner schlagen."

Aus München berichtet Maximilian Lotz

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