Leverkusen - Nach der 1:3-Heimniederlage im Achtelfinalhinspiel der Champions League gegen den FC Barcelona tendieren die Chancen von Bayer Leverkusen, doch noch ins Viertelfinale der "Königsklasse" einzuziehen, vermutlich gegen Null. Das findet auch Verteidger Stefan Reinartz, der im bemerkenswert offenen Interview die Erfolgsaussichten der "Werkself" mit der Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns vergleicht.

Frage: Stefan Reinartz, Bayer hat gegen den FC Barcelona mit 1:3 verloren. Wie war das Spiel?

Stefan Reinartz: Anstrengend. Barcelona hat uns leider gut ans Laufen gebracht. Das war aber auch zu erwarten. In der ersten Halbzeit haben wir uns leider nur auf die Defensive beschränken können. Bis zum 0:1 haben wir auch wenig zugelassen. Aber nach vorne konnten wir nicht viele Akzente setzen. Nach der Pause haben wir versucht, offensiver zu agieren. Wir sind weiter vorne draufgegangen. Positiv war, dass wir zwischenzeitlich gute Torchancen herausgespielt haben. Wir hätten das 2:2 machen können. Am Ende ist Barcelona aber einfach etwas besser und abgezockter.

Frage: Spielte Leverkusen mit zu viel Ehrfurcht vor dem Titelverteidiger?

Reinartz: Wir waren nicht unbedingt schlecht. Es war ja nicht so, dass Barcelona sich Chance um Chance erspielt hat. Sie hatten bis zum 0:1 wenige Torchancen. Es war also nicht das Falscheste, was wir gespielt haben. Trotzdem hätten wir uns erhofft, bessere Konter zu spielen. Das hat vor der Pause nicht so geklappt. In der zweiten Halbzeit wurde es besser.

Frage: War der Knackpunkt des Spiels, dass Bayer nach dem Ausgleich sehr schnell wieder in Rückstand geriet?

Reinartz: Nein, das finde ich nicht. Gerade nach dem 1:2 hatten wir unsere beste Phase im Spiel. Da hatten wir zwei, drei Torchancen, darunter den Pfostenschuss von Gonzalo Castro und der Kopfball von Stefan Kießling. Der Aufwecker für uns war komischerweise das 0:1. Ab dem Zeitpunkt haben wir versucht mitzuspielen und uns aktiv am Spiel beteiligt. Wir haben mehr mit offenem Visier und mutiger gespielt.

Frage: Kurz vor Ende des Spiels haben Sie ein Mal versucht, Messi zu foulen, ihn aber nicht erwischt. Ist es sogar so schwer, ihn einfach nur zu foulen?

Reinartz: Ich hätte da rustikaler zu Werke gehen müssen und Foul spielen müssen. Ich habe versucht zu hakeln. Aber das hat nicht gereicht.

Frage: Ist Lionel Messi in irgendeiner Form auszurechnen?

Reinartz: Es ist ein bisschen merkwürdig mit ihm. Er steht manchmal etwas teilnahmslos auf dem Platz. Man denkt gar nicht daran, dass er den Ball haben will oder mitspielt. Und dann explodiert er plötzlich, vor allem in Situationen, in denen man ihm in Überzahl gegenübersteht. Dann hat er unfassbare Aktionen. Ansonsten steht er 80 Minuten auf dem Platz wie ein bedröppelter Junge. Man glaubt dann eigentlich gar nicht, dass der groß Fußball spielen kann.

Frage: Was macht es so schwer, gegen Barca zu spielen? Vor allem die Ballsicherheit?

Reinartz: Wir haben in der zweiten Halbzeit versucht, vorne draufzugehen. Aber es ist schwer, Barcelona zu pressen, weil sie dann trotzdem zu ihren Torchancen kommen, da sie sich gut befreien können. Deshalb spielen die meisten Mannschaften nicht von ungefähr so, wie wir vor der Pause gespielt haben. Sie stellen sich Catenaccio-mäßig hinten rein.

Frage: Mit welchen Gefühlen fahren Sie in drei Wochen zum Rückspiel? Freude, Pflichterfüllung, Hoffnung?

Reinartz: Freude werden wir haben. Aber wir haben zuhause 1:3 verloren. Es ist ein bisschen so, als würde ich morgen Lotto spielen gehen. Die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen, dürfte ähnlich hoch sein.

Frage: Was nehmen Sie aus dem Spiel mit für die Bundesliga?

Reinartz: Schwere Beine.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski