Erst gab es warme Worte von der Bundeskanzlerin, dann eine knallharte Ansprache vom Bundestrainer.

Am Tag der Berliner Reden wurde die deutsche Nationalmannschaft auf die WM 2010 in Südafrika eingeschworen.

"Ich werde an manche Dinge erinnern, die eigentlich schon seit langem zu unseren Regeln zählen. Zudem sage ich den Spielern, was ich für die Zukunft von ihnen erwarte", verdeutliche Joachim Löw bereits vor seinem Vortrag am Montagabend, wie er nach den Querelen um Michael Ballack, Torsten Frings und Kevin Kuranyi die Nationalelf wieder auf Kurs bringen wollte.

Kanzlerin schwört Mannschaft ein

Wenige Stunden zuvor hatte die Krisen erprobte Regierungschefin Angela Merkel bei einem Empfang im Bundeskanzleramt Ballack, Frings und den Rest der Mannschaft ebenfalls darauf eingeschworen, wie in der Vergangenheit wieder an einem Strang zu ziehen und zukünftig wieder für positive Schlagzeilen zu sorgen.

Dabei erinnerte die Bundeskanzlerin zwei Tage vor dem letzten Länderspiel der DFB-Auswahl in diesem Jahr in Berlin gegen England am Mittwoch (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) noch einmal an die insgesamt zufriedenstellende EURO im Sommer mit Platz 2 und den erfolgreichen Start in die WM-Qualifikation, blickte aber auch schon zuversichtlich in Richtung Südafrika.

Auftreten ganz hervorragend

Diesen Optimismus strahlte auch Löw aus, der im vergangenen Monat unfreiwillig zum Krisenmanager mutiert war. "Diese Dinge sind ausgeräumt, die Geschichte ist abgehakt. Ich bin mir sicher, dass so etwas nie wieder passieren wird", erklärte der 48-Jährige.

Er wies noch einmal darauf hin, dass die Vorfälle des vergangenen Monats die Mannschaft in ein "falsches Licht gerückt" hätten: "Insgesamt war das Auftreten der Mannschaft seit der WM 2006 ganz hervorragend."

Schweinsteiger stellt sich hinter Löw

Unterstützung erhielt er von Bastian Schweinsteiger: "Die meisten Spieler wissen, wie man sich zu verhalten hat. Aber nach den turbulenten Wochen kann es nicht schaden, wenn der Bundestrainer allen noch einmal die Regeln klar macht", erklärte der Münchner.

Ballack und Frings, die aus unterschiedlichen Gründen nicht im Aufgebot für das England-Spiel vertreten sind, aber wegen der Prämien-Verhandlungen für die WM-Qualifikation in der Hauptstadt angereist waren, hielten sich nach ihren Entschuldigungen gegenüber dem Bundestrainer dagegen in der Öffentlichkeit bewusst zürück. Dafür stellte Löw noch einmal einige Dinge klar.

Löw entgegnet Skeptikern

"Ich sehe nicht die Gefahr, dass Gräben innerhalb der Mannschaft entstehen oder die Vertrauensbasis zerstört wird. Ich glaube, dass die gute Atmosphäre schnell wieder hergestellt werden kann", entgegnete er Skeptikern, die das Verhältnis zwischen Ballack und dem Rest des Teams dauerhaft gestört sehen.

"Es ist durchaus legitim, dass es unterschiedliche Interessenlagen gibt. Bei uns herrscht aber eine gute Gesprächs- und Vertrauenskultur", meinte Löw, der aus gegebenen Anlass noch einmal unterstrich, dass sich Teammanager Oliver Bierhoff nicht in sportliche Dinge einmische.

Klare Ansage

Grundsätzlich will der Bundestrainer zwar am Dialog mit den Spielern festhalten, die letzte Entscheidung aber nach wie vor selbst treffen. Dies gelte auch für Ballack, der als Kapitän zwar eine "besondere Funktion" ausübe und das Recht habe, seine Meinung zu sagen und Dinge anzusprechen, die ihm nicht gefallen.

"Kader, Aufstellung und taktische Dinge liegen aber in der Entscheidungsgewalt des Trainers. Alles andere wäre ja auch Schwachsinn, schließlich trifft der Trainer seine Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen", sagte Löw.

Quartett hofft auf Debüt

Dies treffe auch auf die Berufung der drei Neulinge Marvin Compper, Tobias Weis und Marcel Schäfer zu, die sich am Mittwoch berechtigte Hoffnungen auf ihr Debüt in der Nationalelf machen dürfen. Aller Wahrscheinlichkeit nach verhilft der Bundestrainer gegen England auch dem Bremer Torwart Tim Wiese zu seinem ersten Länderspiel.

"Aber erst nach dem Abschlusstraining am Dienstagabend werde ich mich festlegen, wie wir beginnen", meinte der Löw, der trotz der vielen Ausfälle auf Seiten der "Three Lions" nichts von einem Muster ohne Wert hören will.

"England ist die Mannschaft der Stunde, die können auch einen Wayne Rooney oder andere problemlos ersetzen. Ich sehe für uns da keine Vorteile."

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung: Adler - Friedrich, Mertesacker, Westermann, Schäfer - Schweinsteiger, Jones, Rolfes, Trochowski - Podolski, Klose