Der dreimalige Weltschiedsrichter Markus Merk hat die ungleiche Regelauslegung der Referees bei der WM in Südafrika harsch kritisiert. "Das ist Wettbewerbsverzerrung. Die Diskrepanz in der Regelauslegung bei der WM ist gravierend. Und es sind ja keine Einzelfälle. Das wird sich durch das ganze Turnier ziehen."

Laut Merk hatte insbesondere die deutsche Nationalmannschaft in ihren ersten beiden WM-Spielen gegen Australien (4:0) und Serbien (0:1) unter der Unberechenbarkeit der Schiedsrichter zu leiden. "Es kann nicht sein, dass die deutschen Spieler in so ein wichtiges Spiel wie gegen Ghana mit angezogener Handbremse gehen müssen, weil zwei Drittel der Mannschaft mit Gelb vorbelastet sind. Das kostet auf jeden Fall ein paar Prozent", meinte Merk.

"Starke Charaktere wil man nicht haben"

Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil, Sami Khedira, Kapitän Philipp Lahm und Cacau gehen mit jeweils einer Verwarnung ins letzte Vorrundenspiel gegen Ghana am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD und Sky live). Bei einer weiteren Gelben Karte würden sie im Achtelfinale fehlen. Angreifer Miroslav Klose ist wegen seiner Gelb-Roten Karte aus dem Serbien-Spiel gegen die Black Stars bereits gesperrt. Die Gelben Karten werden erst nach dem Viertelfinale gestrichen.

Merk behauptete allerdings, dass nicht die WM-Referees, sondern die Schiedsrichter-Kommission um den Vorsitzenden Jose Maria Garcia-Aranda Schuld an der Misere sei. Der Spanier war nach der WM 2002 in Japan und Südkorea an die Macht gekommen und habe seitdem das internationale Schiedsrichterwesen komplett auf den Kopf gestellt.

"Starke Charaktere will man jetzt nicht mehr haben. Alle Schiedsrichter werden in ein Korsett gezwungen. Das ist ganz bitter. Die Schiedsrichter sind bei der WM derart verunsichert, dass sie entweder total gehemmt oder ganz kleinlich pfeifen. Das beeinflusst die Ergebnisse beim Turnier. Aber die Kommission interessiert ohnehin mehr, ob die Rote Karte mit der rechten oder linken Hand gezeigt wird", sagte Merk.