Leverkusen - Nur die Älteren könnten sich überhaupt noch daran erinnert haben, lag der letzte Bundesligasieg des SV Darmstadt 98 doch mehr als 33 Jahre zurück. Damals gewannen die Lilien am 5. Mai 1982 gegen den MSV Duisburg mit 2:0. Nun hat der ungeschlagene Aufsteiger nicht nur seinen ersehnten ersten Dreier eingefahren, sondern mit dem 1:0-Sensationserfolg in Leverkusen auch den Rest der Bundesliga aufhorchen lassen.

Sechs Punkte aus vier Spielen, drei Unentschieden und ein Sieg – die Startbilanz des Neulings kann sich wahrlich sehen lassen. Mit einer starken kämpferischen Leistung und einer Menge Teamgeist gelang es dem Team von Trainer Dirk Schuster nach den ersten Achtungserfolgen gegen Hannover (2:2), auf Schalke (1:1) und gegen Hoffenheim (0:0) auch Champions-League-Teilnehmer Bayer 04 Leverkusen vor große Probleme zu stellen. Mit zwei dicht gestaffelten Viererketten und ständigem Doppeln der Gegenspieler störten die Gäste immer wieder das Kombinationsspiel der Werkself und kamen ihrerseits zu einigen gefährlichen Kontern und Standardsituationen.

"Wollen ein unbequemer Gegner sein"

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Eine davon führte bereits in der 8. Minute zum Tor des Tages durch Aytac Sulu (zum Interview), der eine Freistoßflanke von Konstantin Rausch wuchtig einköpfte. "Wir wollen in jedem Spiel ein Wörtchen um die Punkte mitreden und für jede Mannschaft ein unangenehmer Gegner sein. Defensiv stabil stehen, wenig zulassen und mit unseren gegebenen Mitteln Tore erzielen", erklärte der Kapitän die Erfolgsformel seines Teams.

"Wir können nur gewinnen, weil wir in jedem Spiel krasser Außenseiter sein werden", hatte Trainer Schuster vor der Saison prophezeit. Entsprechend unbekümmert und couragiert präsentierte sich seine Elf auch beim großen Favoriten in der BayArena. "Wir wollten uns nicht einmauern und haben von Beginn an mutig nach vorne gespielt. Ein Sahnetag in der Defensive und vorne ein Quäntchen Glück – schon war der Coup perfekt. „Wir haben alles in die Waagschale geworfen und sind der glückliche Sieger. Mentalität schlägt Qualität", meinte Peter Niemeyer.

Vorfreude auf die Bayern

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"Für unsere Verhältnisse ist das natürlich ein Top-Start. Vor allem wenn man bedenkt, gegen welche Mannschaften mit welchen Etats wir bisher gespielt haben. Aber es wird auch Negativerlebnisse geben, das ist uns klar", sagte Flügelflitzer Marcel Heller, der unermüdlich die rechte Außenbahn beackert hatte. "Wir haben viel Kraft gelassen, müssen nun gut regenerieren und dann freuen wir uns auf das Spiel gegen Bayern."

Auch bei Aytac Sulu kribbelt es mit Blick auf das Spiel der Spiele am Böllenfalltor bereits: "Wir haben nun das Vergnügen gegen die beste Mannschaft der Welt spielen zu dürfen und freuen uns sehr auf dieses Bonusspiel. Über welche Qualitäten die Bayern verfügen, haben wir in den letzten Jahren regelmäßig am Fernseher verfolgt. Wir werden es auf jeden Fall genießen und versuchen auch ein bisschen Spaß zu haben."

"Die Bayern sind das Maß aller Dinge, in unserem Stadion da wird eine bombastische Stimmung sein. Da freut sich jeder drauf. Wir werden alles versuchen, aber auch keine Tränen vergießen, falls wir verlieren sollten", ergänzte Marcel Heller.

Paderborn als warnendes Beispiel

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Dass die Lilien nach dem Durchmarsch in die Bundesliga auch das Zeug zum Klassenerhalt haben, davon ist Kapitän Sulu überzeugt. "Die Mannschaft hat die Qualität in dieser Liga zu bestehen. Das haben wir bisher jede Woche auf dem Platz gezeigt."

Spätestens nach dem Spiel in Leverkusen werden sich die kommenden Gegner - in fünf der nächsten sieben Runden hat es Darmstadt mit Europapokalteilnehmern zu tun (Leverkusen, Bayern, Dortmund, Augsburg und Wolfsburg) - darüber bewusst sein, dass Duelle mit dem vermeintlichen Underdog keine Selbstläufer sein dürften.

Auch wenn das Beispiel des SC Paderborn, der als Aufsteiger am 4. Spieltag der vergangenen Saison sogar die Tabelle anführte und am Ende als Letzter abstieg, als Warnung steht – mit seiner Art Fußball zu spielen und aus bescheidenen Mittel das Maximale herauszuholen, hat sich der SV Darmstadt 98 bereits zu Beginn seiner "Mission Klassenerhalt" eine Menge Respekt verschafft.

Aus Leverkusen berichtet Markus Hoffmann