Köln - Der 1. FC Köln hat den freien Fall in der Bundesliga gestoppt. Dank eines etwas schmeichelhaften 2:0-Heimerfolges gegen den rheinischen Rivalen Bayer 04 Leverkusen verschafften sich die Kölner wieder etwas Luft im Abstiegskampf und ein respektables Vier-Punkte-Polster auf den Relegationsplatz 16. Auf dem rangiert derzeit die Frankfurter Eintracht, die am kommenden Samstag den FC empfängt.

Wer hätte das gedacht? Nach einer selbst für Kölner Verhältnisse turbulenten Woche gelingt den Domstädtern die Trendwende. Viel hatte nicht darauf hingedeutet in den vergangenen Tagen. Nach dem überraschenden Rücktritt des in Köln ungemein populären Trainers Frank Schaefer rumorte es. Die Mannschaft sei zerstritten, das Verhältnis zu den Fans gestört, hieß es. Sportdirektor Volker Finke fiel die Rolle des Buhmanns zu.

Finke übernimmt

"Es hat weh getan, dass die Leute in mir den Königsmörder sahen", gab Finke vor seinem Comeback auf der Trainerbank zu, zu dem ihn der Kölner Vorstand in seiner Not gedrängt hatte. Finke ging ein hohes persönliches Risiko ein und stellte die Interessen seines Arbeitgebers im Abstiegskampf über die eigenen. Der Coup gelang.

"Ich habe versucht, der Mannschaft vorzuleben, dass wir uns auf Fußball konzentrieren sollen, dass wir in den Tunnel rein müssen, dass es nur um fußballspezifische Anforderungen auf dem Platz geht", sagte Volker Finke nach den intensiven 90 Minuten gegen Bayer Leverkusen.

"Das haben wir ganz gut hingekriegt. In der ersten Halbzeit haben wir auf Augenhöhe gespielt. In der zweiten Halbzeit hatten wir auch ein bisschen Glück. Es war eine gute kämpferische Leistung", meinte Finke erleichtert: "Bei mir herrscht große Freude. Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie keine Mannschaft mit guten und bösen Jungs ist, dass sie nicht gespalten ist. Sie kann professionell Fußball spielen."

Petit und Pezzoni bringen Stabilität

Mit dem achten Heimsieg in den letzten neun Heimspielen hat der 1. FC Köln einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt getan. Gegen Bayer Leverkusen, den designierten Vizemeister und die beste Rückrundenmannschaft, sorgte Finke mit dem Einbau der defensiven Mittelfeldakteure Petit und Kevin Pezzoni für mehr Stabilität.

Das zuletzt desolate Defensivverhalten war dadurch stark verbessert. Immerhin zum neunten Mal in dieser Spielzeit blieben die Kölner ohne Gegentor. Zur konzentrierten Leistung gesellte sich das Glück bei zwei Aluminiumtreffern und einigen vergebenen Großchancen der "Werkself".

So beendeten die Kölner mit ihrem ersten Derbysieg seit 14 Jahren die letzten vagen Meisterschaftsträume ihres ungeliebten Konkurrenten und ebneten damit Borussia Dortmund den Weg zu seiner siebten Meisterschaft, der vierten seit Einführung der Bundesliga im Sommer 1963. Doch noch ist der 1. FC Köln nicht über den Berg. Bei einer Niederlage in Frankfurt droht ein nervenaufreibendes Endspiel am letzten Spieltag gegen Schalke 04. Das soll unbedingt bereits in Frankfurt vermieden werden.

"Brauchen einen Punkt in Frankfurt"

"Wir brauchen noch ein Unentschieden in Frankfurt, dann sind wir durch", weiß FC-Kapitän Lukas Podolski: "Dann müssen wir Ruhe reinbekommen. Es ist nicht gut, wenn im Verein wie in den letzten Monaten ständig Unruhe herrscht und etwas passiert. Wenn wir die Klasse gehalten haben, müssen wir einen Schnitt machen und schauen, dass wir nicht jedes Jahr gegen den Abstieg spielen."

Mit voller Konzentration geht die Truppe nun die Aufgabe bei den schwer angeschlagenen Hessen an. In den bisherigen beiden Spielen nach dem Wiederaufstieg blieben die Kölner in Frankfurt ungeschlagen. Im Vorjahr gewann der FC unter Trainer Zvonimir Soldo mit 2:1, im Jahr davor gelang unter Christoph Daum ein 2:2.

Daum sitzt inzwischen auf der Frankfurter Trainerbank und wartet noch immer auf seinen ersten Sieg als Eintracht-Coach. Das löste unter den Kölner Journalisten bereits ein wenig Schadenfreude aus. Sie haben sich schon die Überschrift für das kommende Wochenende einfallen lassen: "Daum rettet den FC" soll sie lauten. Es wird noch ein hartes Stück Arbeit.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski