Dortmund - Ganz Dortmund ist seit Samstag ein Hort schwarz-gelber Glückseligkeit. Und der siebte Deutsche Meistertitel, der vierte seit Einführung der Bundesliga im Sommer 1963, ist selbst für langjährige Begleiter des Traditionsvereins aus dem Ruhrpott ein Meilenstein besonderer Art.

BVB- und Liga-Präsident Dr. Reinhard Rauball machte aus seinen Gefühlen keinen Hehl: "Das ist einer der emotionalsten Tage meines Fußball-Lebens. Wer weiß, wie wir 2005 gezittert haben - und jetzt stehen wir hier als Meister, das ist kaum zu glauben."

Wiedergeburt auf höchstem Niveau

Nicht wenige erinnerten in der Stunde des Triumphes an die Beinahe-Insolvenz der Borussia vor sechs Jahren, als der Verein wirtschaftlich vor dem Ruin und sportlich vor dem Umbruch stand. Jetzt hat eine neue Generation von jungen, hungrigen Spielern die Schale wieder in den Pott geholt. Nie war eine Meistermannschaft in der Bundesliga-Geschichte jünger. Für Michael Zorc, als Sportdirektor einer der Architekten des Erfolges, ist "diese Meisterschaft die größte Leistung einer Mannschaft in der Geschichte von Borussia Dortmund".

Vielleicht muss man diese Wiederauferstehung, diese Wiedergeburt auf höchstem Niveau, vor Augen haben, um den schwarz-gelben Jubelrausch zu verstehen, der nach dem Spiel im Stadion und in der Stadt losbrach.

"Erstmal auf die Piste und die Sau rauslassen"

Dede, der auch die schweren Zeiten durchlebt hat und den Club nach 13 Jahren verlassen wird, sprang wie ein kleiner Junge mit ausgebreiteten Armen vor der Südtribüne umher. Neven Subotic und Lucas Barrios tanzten mit einer Pappschale über den Rasen, Felipe Santana verpasste Kevin Großkreutz eine Meisterglatze, Nuri Sahin lag weinend Mario Götze in den Armen.

Barrios, der mit seinem 14. Saisontor den Weg zum 2:0-Erfolg über Nürnberg geebnet hatte, konnte es kaum fassen: "Das ist der schönste Tag in meinem Leben als Fußballer. Die Stimmung ist hier besser als in Südamerika." Mats Hummels machte einfach nur "pure Gänsehaut" aus, Kevin Großkreutz fühlte sich "wie im Traum" und der sonst so ruhige Marcel Schmelzer gestand nach dem Spiel ehrlich ein: "Das alles kann man so schnell gar nicht verarbeiten. Aber wir gehen jetzt erstmal auf die Piste - und dann lassen wir die Sau raus."

Klopp ist stolz auf seine Jungs

Vorher aber verpassten Sven Bender, Robert Lewandowski und Sahin ihrem Trainer noch die erste richtige Bierdusche. Auch um eine Solo-La-Ola vor den 25.000 Getreuen der Südtribüne kam Jürgen Klopp nicht umhin, leitete sonst aber alles Lob direkt an seine Spieler weiter. "Was diese Mannschaft geleistet hat, ist nicht in Worte zu fassen. Wir mussten 32 Mal über uns hinauswachsen - und wir haben es getan!"

Der Coach, der passend zum schwarz-gelben Märchen ausgerechnet in seinem 100. Bundesligaspiel als BVB-Trainer den größten Triumph seiner Karriere erlebte, rückte vor allem die Reife seiner jungen Himmelsstürmer in den Fokus: "Wie die Mannschaft mit allen Drucksituationen umgegangen ist, das hat Maßstäbe gesetzt. Und vielleicht war der Druck manchmal doch etwas größer, als wir uns eingestehen wollten."

Subotic mit spontanen Feier-Stopps

Dieser Druck ist nun abgefallen und Verantwortliche und Trainer, Mannschaft und Fans genießen das, jeder auf seine Art. Neven Subotic etwa machte auf seiner Heimfahrt aus dem Stadion mehrfach spontan mitten auf einer Kreuzung Halt, um auf dem Autodach singend mit den Fans zu feiern.

Später ging's für die Spieler nach dem gemeinsamen Essen beim Nobel-Italiener noch in die Disco, bis es draußen wieder hell wurde. Erst am Mittwochnachmittag steht für die Profis wieder Training auf dem Programm. Dann zum ersten Mal als Deutscher Meister.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte