Die Stadien der Bundesliga und 2. Bundesliga zählen zu den modernsten und komfortabelsten Spielstätten weltweit. Längst haben sich Stadien und Arenen über die reine Funktion als Austragungsort für Fußballspiele weiterentwickelt: Stadien gehören zur individuellen Visitenkarte der Städte und Clubs, sie sind zum wichtigen Identifikationsort geworden.

Die Planung neuer Arenen berücksichtigt diese Entwicklung. "Das Alleinstellungsmerkmal ist heute das Wichtigste. Stadien sollten einen hohen Wiedererkennungswert und eine Identität für ihren Club bieten. In Zeiten, in denen sich der Name des Stadions schon mal ändert, bietet das Stadion an sich eine emotionale Nachhaltigkeit", sagt Dr. Stefan Nixdorf, Architekt von agn Niederberghaus & Partner, eines großen Generalplaners für Sportstätten.

Stadion muss zum Club passen

Standardbauten sind deshalb nicht gefragt. Was zum einen Verein passt, kommt für einen anderen nicht so in Frage. Dr. Nixdorf erklärt es an den Beispielen Aachen und Hoffenheim, deren neue Arenen agn geplant hat.

"Für Aachen haben wir die Tradition des alten Tivoli im neuen Tivoli fortgesetzt. Eng, steil, gelb und laut waren die bestimmenden Attribute. Entstanden ist deshalb ein klassisches Einrangstadion mit größtmöglicher Nähe zum Spielfeld. Typisch und passend zum Club Alemannia Aachen."

Verschiedene Generationen von Stadien

Auch die Rhein-Neckar-Arena von 1899 Hoffenheim ist ein Einrangstadion, aber mit anderen Intentionen geplant. "Hoffenheim ist ein moderner Club mit einer der modernsten Arenen. Dieses Selbstvertrauen drückt sich schon durch die Lage auf einer leichten Anhöhe direkt an der Autobahn aus. Das freitragende Dach schwebt wie eine Wolke über dem Stadion, das vermittelt Leichtigkeit. Die Farbe oder Enge war hier weniger entscheidend, dennoch gehört die Rhein-Neckar-Arena zu den steilsten Stadien in Deutschland", erläutert Dr. Nixdorf.

Der Architekt unterteilt die Geschichte der Stadien in verschiedene Generation. Die erste sei in den fünfziger Jahren entstanden mit den typischen Bauten auf großen Erdwällen. Es folgten die großen medientauglichen Stadien der siebziger Jahre noch mit Laufbahnen - nutzbar für verschiedene sportliche Veranstaltungen – bis hin zu den aktuellen Bauten, die neben sportlicher Funktionalität auch ökonomischen und ökologischen Ansprüchen gerecht werden müssen.

Fans werden in Planungen einbezogen

"Die fünfte Generation der Stadien von morgen ist familienfreundlich und längst nicht nur auf die 90 Minuten am Spieltag reduziert. Sie hält die Zuschauer im Stadion, in den Kids Clubs oder den Kindergärten. Unter der Woche kann dort in Geschäften eingekauft oder in Restaurants gegessen werden", so Dr. Nixdorf.

Die Planung der Stadien erfolgt keineswegs allein im Ingenieurbüro. Eine wichtige Rolle spielen die Fans, deren Meinung und Bedürfnisse in die Planung einfließen. So finden im Vorfeld regelmäßig Treffen mit verschiedenen Fanvertretern statt.

Fantreff in Hoffenheim ein neuer Identifikationspunkt

"Es wird über Zäune gesprochen, über die Stellen, wo Fahnen und Bahnen aufgehängt werden sollen oder über den Platz, wo der Einpeitscher stehen soll", nennt Dr. Nixdorf typische Beispiele. Aber natürlich müsse man sich "am Machbaren orientieren".

In Hoffenheim haben die Planungen dazu geführt, dass die Fans von 1899 nicht nur ihren Platz auf der Tribüne gefunden haben. Ihnen steht zusätzlich ein eigener Fantreff in der Fankneipe der Rhein-Neckar-Arena mit 450 Plätzen zur Verfügung. Dr. Nixdorf: "Das ist ein neues Element, das sehr gut bei den Fans angekommen ist. Hier wurde ein ganz neuer Identifikationspunkt innerhalb des Stadions geschaffen."

Stefan Kusche