Nach dem Abpfiff löste sich bei Arnold Bruggink die ganze Anspannung. Mit Tränen in den Augen sprach Hannovers Kapitän nach dem ersten Bundesligaspiel ohne Robert Enke über die schwersten Minuten seiner Karriere - und zollte Mitspielern und Fans Respekt.

Vor einer Woche noch hatte Bruggink den Sarg Enkes mit aus der Hannoveraner AWD-Arena getragen. Jetzt führte er die Mannschaft auf Schalke als Kapitän aufs Feld - ein erster, schwerer Schritt zurück in den Bundesliga-Alltag. Doch bei aller Mühe, ein Stück Normalität zu leben - die Trauer ist noch allgegenwärtig. Mit stockender Stimme und feuchten Augen gewährte Bruggink nach der 0:2-Niederlage von 96 beim FC Schalke 04 einen Blick in sein Innenleben.

Frage: Wie schwierig war es für Hannover, diese ersten 90 Minuten Fußball ohne Robert Enke zu bewältigen?

Arnold Bruggink: Während des Spiels ging es, aber nach der Partie kommen die Gefühle einfach durch. Wenn du etwas Ruhe hast und all die Fragen kommen, dann ist es sehr, sehr schwierig. Aber auf dem Platz war alles fokussiert auf Fußball - und zwar mit allem, was dazu gehört. Man hat genauso gemeckert mit dem Schiedsrichter wie immer.

Frage: War es die richtige Entscheidung, diese Partie zu diesem Zeitpunkt durchzuführen?

Bruggink: Ich glaube schon, dass es gut war. Auch das Training in den letzten Tagen war eine gute Möglichkeit, sich abzureagieren und sich abzulenken. Wir haben auch versucht, auf dem Platz miteinander Spaß zu haben. Je näher das Spiel kam, desto schwieriger wurde die Situation. Aber es war die richtige Entscheidung, zu spielen. Das sieht auch die ganze Mannschaft so.

Frage: Wie haben Sie die Atmosphäre im Stadion empfunden?

Bruggink: Ich möchte unseren Fans ein Riesenkompliment machen. Aber auch denen des FC Schalke für ihr Verhalten. Sowohl vor dem Spiel als auch danach ist alles sehr respektvoll abgelaufen. Das tat gut.

Frage: War die Gedenkminute vor Beginn des Spiels noch einmal ein besonders emotionaler Moment?

Bruggink: Der gesamte Anfang dieses Spiels bis zur Trauerminute - das waren meine schwersten Minuten auf dem Platz, die ich je erlebt habe. Das war sehr emotional. Dann ertönt der Pfiff und dann geht's einfach wieder los. Wir haben aber gut umgeschaltet und uns auf das Spiel konzentriert. Es war hart, aber wir haben es gut gemacht. Und wenn man erstmal angefangen hat, geht es auch irgendwie.

Frage: Hannover hatte sogar Chancen, dieses so schwierige Spiel für sich zu entscheiden.

Bruggink: Wir haben alles versucht, um dieses Spiel zu gewinnen. Wenn man es auf den Fußball fokussiert, kann man schon sagen, dass wir das sehr gut gemacht haben. Wir hätten in Führung gehen können. Meine Chance in der zweiten Halbzeit war sogar unsere größte im ganzen Spiel. Wir hätten auch einen Elfmeter bekommen können, aber Jiri Stajner hat sich in dieser Situation sehr fair verhalten und trotz Fouls weitergespielt. Am Ende war eine Standardsituation der Schalker zu viel für uns.

Frage: Eine besondere Last lag vor allem auf Florian Fromlowitz als Nachfolger Robert Enkes im Tor, der teilweise glänzend reagiert hat. Wie haben Sie ihn erlebt?

Bruggink: Was er abgerufen hat in seinem Alter und in dieser Situation, ist absolut klasse. Er hat super gehalten und sich absolut auf den Fußball fokussiert in den 90 Minuten. Und das war gerade für ihn sicher nicht einfach. Es ist keine Frage, dass er diese Qualität als Torhüter besitzt. Aber das in so einer Situation auch abzurufen, das muss man erst einmal schaffen.

Frage: Am kommenden Sonntag trifft Hannover zuhause auf den FC Bayern. Wird das auch noch einmal eine besondere Partie?

Bruggink: Das wird vor unseren eigenen Fans noch einmal sehr emotional werden. Da wird noch einmal einiges auf uns zukommen. Es gibt so viele Dinge, die immer wieder neu sind, weil Robert jetzt nicht mehr da ist.

Frage: Wird Hannover dann auch nochmals mit den neuen Trikots mit der kleinen, schwarzen Nummer eins in Gedenken an Robert Enke auflaufen?

Bruggink: Ich hoffe sehr, dass wir weiter mit der Nummer eins auf den Trikots spielen können und dürfen. Das wäre ein gutes Zeichen. Aber diese Entscheidung liegt nicht in unseren Händen.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte