Vergangene Saison machte der Karlsruher SC als Aufsteiger nicht nur aufgrund seines starken Saisonstarts auf sich aufmerksam. Vor allem die vielen jungen, talentierten Spieler sorgten für positive Schlagzeilen. Auch ein Jahr später sind es neue Gesichter, die beim KSC auftrumpfen.

So wie Stefan Celozzi. Der 19-Jährige gehört überraschend zu den Stammkräften bei den Badenern und hat großen Anteil am Aufschwung in den vergangenen Wochen. Dabei sollte Celozzi eigentlich noch gar nicht zur ersten Elf gehören.

Bei bundesliga.de spricht der Abwehrspieler über seinen unverhofft steilen Aufstieg, das für ihn ganz persönliche Duell gegen den FC Bayern München am 8. Spieltag und darüber, wie er seinem Trainer Edmund Becker das Leben gern ein wenig schwerer machen möchte.

bundesliga.de: Herr Celozzi, wie fällt Ihr ganz persönliches Fazit nach sechs Bundesliga-Spielen aus? Immerhin waren es Ihre ersten sechs Partien.

Stefano Celozzi: Ich bin natürlich unheimlich zufrieden. Es hat wohl niemand damit gerechnet, dass ich gleich zu Beginn spielen würde. Und dann auch noch alle sechs Saisonspiele von Beginn an. Damit war wirklich nicht zu rechnen.

bundesliga.de: Und wie schätzen Sie den Saisonstart des Karlsruher SC ein?

Celozzi: Es gab eine Phase zu Saisonbeginn - vor dem Wolfsburg-Spiel - da standen wir enorm unter Druck, da wir nur drei Punkte aus den ersten vier Partien geholt hatten. Die Lage hat sich aber dank der Siege gegen Wolfsburg und Bielefeld geändert und mit neun Punkten nach sechs Spielen sieht es doch wieder sehr gut für uns aus.

bundesliga.de: Sie kamen vom FC Bayern nach Baden und wurden aufgrund der Verletzung von Andreas Görlitz gleich ins kalte Wasser geworfen. Dennoch wirken Sie auf dem Platz sehr ruhig und selbstbewusst. War die Umstellung von der Regionalliga auf die Bundesliga denn so leicht, wie es den Anschein hat?

Celozzi: Ich hatte ja vor meinem Wechsel zum KSC bei den Bayern schon die Saisonvorbereitung mitbestritten. Ich habe auch bei vielen Freundschaftsspielen mitgespielt, zum Beispiel in Hong Kong gegen Sao Paulo, aber auch gegen den 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach und den RCD Mallorca. Im Training hat man zudem immer Gegenspieler wie einen Franck Ribery oder Ze Roberto. Und die Spieler, gegen die man als Profi antreten kann, werden ja kaum besser - nicht nur in der Bundesliga, sondern weltweit. Dennoch besteht natürlich ein großer Unterschied zwischen der Regionalliga und der Bundesliga. Das Tempo in der Bundesliga ist viel höher. Außerdem werden Fehler hier knallhart bestraft. Obwohl ich bei meinem Patzer im Bochum-Spiel Glück hatte. Vom Trainingsniveau her war ich also die Umstellung bereits gewohnt. Im Wettkampf habe ich mir dann einfach keinen Kopf drum gemacht. Es war sicher ganz gut, mir die Umstellung nicht so zu Herzen zu nehmen.

bundesliga.de: Apropos FC Bayern. Von 2005 bis 2008 haben Sie dort in der Regionalliga gespielt. Wie sehr haben Sie sich in München weiterentwickelt?

Celozzi: Ich kam mit 16 Jahren zu den Bayern. Ich war für die A-Jugend vorgesehen, habe aber von Beginn an für die Amateure gespielt. Vor allem Herman Gerland (Regionalliga-Trainer des FC Bayern München; Anm.d.Red.) hat mich unheimlich weiter gebracht.

bundesliga.de: Nun ist Görlitz nach fünf Monaten ohne Pflichtspiel wieder einsatzbereit. Wie gehen Sie mit dem neu gewonnenen Konkurrenzkampf um?

Celozzi: Ich mache mir da momentan noch gar keinen Kopf drüber. Ich versuche im Training und in den Spielen ohnehin immer, mein Bestes zu geben. Ich will mich immer so zeigen, dass der Trainer weiß, dass ich spielen will. Andy ist nun zurück. Das ändert aber nichts an meiner Einstellung. Ich will immer Vollgas geben und mich zeigen. Letztendlich entscheidet immer der Trainer, wer spielt.

bundesliga.de: Wissen Sie schon, ob Sie oder Görlitz am Wochenende gegen den FC Bayern auflaufen werden?

Celozzi: Leider noch nicht. Wir machen es ihm auch nicht leicht. Ich hoffe das zumindest. Denn es ist ja auch schön für einen Trainer, wenn er auch mal eine schwere Entscheidung bezüglich der Aufstellung zu treffen hat. Es ist doch für einen Trainer eigentlich auch schöner zu wissen, dass er nicht nur elf Spieler hat, die er spielen lassen will.

bundesliga.de: Ist es denn ein besonderer Anreiz für Sie, gegen die Bayern zu spielen?

Celozzi: Definitiv! Ich habe ja drei Jahre bei den Bayern gespielt und bin dem Verein auch unheimlich dankbar für alles, was ich dort gelernt habe. Es war einfach fantastisch, was ich nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz mitbekommen und mitgenommen habe. Wir müssen die drei Punkte aber leider trotzdem im Wildpark behalten. Und entsprechend werden wir uns auch präsentieren.

bundesliga.de: Der KSC ist aktuell punktgleich mit dem amtierenden Meister. Gibt diese Tatsache mehr Selbstvertrauen?

Celozzi: Auf jeden Fall. Wobei wir ja sogar noch ein Spiel weniger absolviert haben als die Bayern. Wir sind also punktgleich und haben noch ein Spiel in der Hinterhand. Aber klar gibt es Selbstvertrauen, zumindest in der Tabelle mit dem FC Bayern auf Augenhöhe zu sein. Man darf aber nicht vergessen, welches Potential diese Mannschaft zur Verfügung hat. Franck Ribery, Luca Toni und alle anderen sind ja weltweit bekannt. Deswegen haben die Bayern auch einen anderen Anspruch als wir - daher auch den größen Druck. Die müssen bei uns gewinnen, wir können gewinnen. Wir können befreit aufspielen. Je länger das Spiel dauert und je länger es 0:0 steht oder wir gar in Führung liegen, desto schwieriger wird die Situation für die Bayern.

bundesliga.de: Ihr Trainer sagte in einem Interview, er wünsche sich, dass Sie den Torabschluss mehr suchen würden. Fühlen Sie sich in der eigenen Hälfte einfach wohler oder ist das eine Erfahrungssache?

Celozzi: Ich spiele eigentlich gern auch nach vorne. Aber der Trainer hat schon Recht, ich muss mehr nach vorne arbeiten und den Torabschluss suchen. Da es meine ersten Spiele in der Bundesliga waren, war ich darauf bedacht, meinen Job hinten gut zu erledigen und zu schauen, dass wir möglichst kein oder maximal ein Gegentor zulassen. Ich habe mich wenig auf die Offensive konzentriert. Aber ich werde versuchen, dies besser zu machen. Vielleicht mal ein Tor schießen und auch mal einen Treffer vorbereiten. Das ist mein Wunsch fürs Wochenende - ein Tor gegen die Bayern schießen.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz