Köln - Kaum jemand kennt sich mit der Entwicklung der Kids-Clubs in Deutschland besser aus als Nadja Pilzweger vom SV Werder Bremen. Seit fast zehn Jahren arbeitet sie mit jungen Bundesliga-Fans zusammen. Zunächst bei Arminia Bielefeld, ab 2008 dann in Bremen. Im Interview mit bundesliga.de erinnert sie sich an die Anfänge der Kids-Clubs, nennt ihre schönsten Erlebnisse und wagt einen Blick in die Zukunft.

bundesliga.de: Guten Tag, Frau Pilzweger. Mittlerweile gibt es in jedem Bundesliga-Club und elf Vereinen der 2. Bundesliga einen Kids-Club, der jungen Fans ein buntes Programm - auch abseits des Rasens - anbietet. Können Sie sich noch an die Anfänge der Kids-Clubs erinnern?

Nadja Pilzweger: Natürlich. Ich gehöre ja zum Personal der ersten Stunde. Ich habe 2005 mit der Betreuung des Kids-Clubs von Arminia Bielefeld begonnen. Damals gab es noch kein großes Netzwerk und wenig Erfahrungswerte, was unsere Arbeit anbelangt. Wir haben uns 2006 in Bielefeld mit Vertretern der anderen Kids-Clubs zusammengesetzt. Wenn ich mich richtig erinnere, waren damals neun Clubs dabei. Auch die DFL saß noch nicht mit im Boot.

bundesliga.de: Wie war die Atmosphäre damals?

Nadja Pilzweger: Die Zusammenarbeit verlief von Beginn an sehr kooperativ. Wir wollten voneinander lernen und haben uns nicht als Konkurrenten gesehen. Nicht jeder Kids-Club muss das Rad neu erfinden.

"Aktiv am Aufbau der Kids-Clubs beteiligt"

bundesliga.de: Welche Clubs hatten damals schon einen Kids-Club?

Nadja Pilzweger: Beim ersten großen Treffen in Bielefeld 2006 waren neben dem DSC auch Stuttgart, der HSV, Hertha BSC, Wolfsburg, Dortmund, Mainz, Leverkusen, Bochum und ein Vertreter von Hannover 96 mit dabei.

bundesliga.de: Seit wann werden die Kids-Clubs von der DFL unterstützt?

Nadja Pilzweger: Die DFL, vertreten durch Thomas Schneider (Leiter Fanangelegenheiten der DFL, d. Red.) nahm ebenfalls an dem Treffen 2006  teil. Er war von unserer Arbeit sehr angetan, sodass unter dem Dach der DFL die Kids-Club fortan gebündelt wurden. Des Weiteren wurden die Kids-Clubs in Regionen aufgeteilt (Nord-Ost, West und Süd) und in jeder Region zwei Vertreter gewählt. In unserer Region Nord-Ost vertreten Andrea Halle vom VfL Wolfsburg sowie meine Person die Kids-Clubs. Wir treffen uns regelmäßig mit den anderen Vertretern der Regionen bei der DFL in Frankfurt.

Video: Kids-Clubs beim Auswärtsspiel

bundesliga.de: Für die DFL ist der präventive Aspekt ein ganz wichtiger Faktor der Arbeit der Kids-Clubs. War das von Beginn an eines der zentralen Themen Ihrer Arbeit?

Nadja Pilzweger: Ja. Mein größtes Ziel ist Prävention. Gemeinsame Aktionen - wie zuletzt mit Hannover 96 - vermitteln Respekt gegenüber den Fans anderer Clubs. Das ist und bleibt eine der wesentlichen Aufgaben der Kids-Clubs. Mit Arminia Bielefeld sind wir mit 500 Kindern nach Wolfsburg gefahren und haben vor dem Spiel für ein respektvolles Miteinander geworben. Unser Motto lautete damals schon: „WölfiClub und Arminis setzen ein Zeichen – gemeinsam gegen Rassismus und Gewalt, für Respekt und Toleranz“. Bei den Kleinen funktioniert das, was bei den großen Fans manchmal nicht mehr möglich ist.

"Wir arbeiten intensiv an Inklusion und Integration"

bundesliga.de: Was sind für Sie weitere Highlights aus ihrer Arbeit mit den Kids-Clubs?

Nadja Pilzweger: Das ist gar nicht so leicht zu sagen. 2012 haben wir in Bremen das 2. DFL-Sommercamp mit über 200 Kindern ausgerichtet. Es war das erste Camp in dieser Größenordnung. Das war eine große Herausforderung. Auch die Inklusionscamps, bei denen gehandicapte Kinder gemeinsam mit nichtbehinderten und Kindern mit Migrationshintergrund spielen, sind immer Höhepunkte meiner Arbeit. Es ist toll zu beobachten, wie Kinder, die sich am ersten Tag vielleicht noch mit einer gewissen Scheu beäugen, ihre Vorurteile verlieren und ausgelassen miteinander spielen.

bundesliga.de: Mehr als 120.000 Kinder sind mittlerweile in den 29 Kids-Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga organisiert. Welche Ziele verfolgen Sie für die Zukunft?

Nadja Pilzweger: Neben der präventiven Arbeit arbeiten wir intensiv an den Themen Inklusion und Integration. In gemeinsamen Camps und durch gemeinsame Aktionen lernen Kinder sehr schnell einen unbefangenen Umgang mit behinderten Kindern oder fremden Kulturen. Das macht die Arbeit der Kids-Clubs so wertvoll.

Das Gespräch führte Florian Reinecke