Köln – Die Partie zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem SSV Ulm 1846 vom 15. Oktober 1999 wird immer einen besonderen Platz in der Geschichte der Bundesliga einnehmen. Nicht, weil die Werkself damals mit 4:1 gewinnen konnte, sondern, weil es die erste Bundesliga-Partie war, die dank einer speziellen Reportage für blinde- und sehbehinderte Fans im Stadion erlebbar war. Mittlerweile hat sich die Blinden- und Sehbehindertenreportage fest in der Bundesliga etabliert und wird flächendeckend in der Bundesliga und 2. Bundesliga angeboten. Am letzten Wochenende vor dem Bundesliga-Start kamen in der Sportschule Kaiserau über 80 Sehbehindertenreporter, Behindertenfanbeauftragte und Nutzer zum DFL-Expertenforum Sehbehinderten- und Blindenreportage zusammen.

Bereits zum neunten Mal fand das jährliche Treffen des Netzwerks der Blinden- und Sehbehindertenreportage statt – zum achten Mal unter der Federführung der DFL Deutsche Fußball Liga. Auch dank dieses Engagements konnte die Qualität der Reportagen in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert werden. Das bekräftigten die langjährigen Nutzer des Services auf dem zweitägigen Seminar, die aus denselben Gründen ins Stadion gehen, wie sehende Fans auch: Sie wollen die Atmosphäre hautnah erleben und mit ihrem Team mitfiebern.

Spielgeschehen steht immer im Mittelpunkt

Damit dies gelingt, müssen die Reporter eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe erfüllen. Eine gute Blinden- und Sehbehindertenreportage zeichnet sich dadurch aus, dass sie jederzeit auf Ballhöhe ist. Das Spielgeschehen steht immer im Mittelpunkt. In verschiedenen Workshops arbeiteten die Reporter an ihren Fähigkeiten. So wurde zum Beispiel ein Schwerpunkt auf die besonderen Anforderungen bei Umschaltsituation gelegt sowie Möglichkeiten und Techniken einer schnellen und eindeutigen Verortung des Spielgeschehens aufgezeigt.

Noch in diesem Jahr wird das vom Zentrum für Blinden- und Sehbehindertenreportage (ZBSR)herausgegebene "Handbuch für Blinden- und Sehbehindertenreportage" erscheinen, in dem Expertisen und Erfahrungen aus über 17 Jahren gebündelt, aber auch Anforderungen an die Reporter definiert sind. Das Zentrum wurde zur Saison 2014/15 in Kooperation mit der Bundesliga-Stiftung und der Aktion Mensch ins Leben gerufen. Diese erstmalige schriftliche Fixierung ist ein Meilenstein der Blinden und Sehbehindertenreportage in Deutschland.

Audiovisitenkarten für den Online-Reiseführer

Bereits am ersten Rückrundenspieltag werden im Rahmen der Partie RB Leipzig gegen die TSG Hoffenheim alle Standorte mit Blinden- und Sehbehindertenreportage der Bundesliga und 2. Bundesliga mit kurzen Audiovisitenkarten vorgestellt. Diese sind anschließend auf barriefrei-ins-stadion.de, dem Reiseführer für Menschen mit Behinderung der Bundesliga-Stiftung, zu hören. So können alle wesentlichen Informationen nutzerfreundlich abgerufen werden. Das ist gerade vor dem Hintergrund, dass immer mehr blinde- und sehbehinderte Fans ihren Clubs auch auswärts begleiten, enorm wichtig. Und ein wichtiger Schritt im Bestreben der Bundesliga, den Besuch im Stadion möglichst inklusiv zu gestalten.

Florian Reinecke