Riva del Garda - Es war nur ein Spiel gegen eine gecastete "Traumelf", gegen insgesamt 28 ganz passable Kicker, ausgesucht aus 19.209 Bewerbern. Nicht der große Gegner, nicht der harte Prüfstein, aber Pep Guardiola scheint so etwas egal zu sein - Spiel ist Spiel. Und so sprang der neue Trainer des FC Bayern München regelmäßig hoch von seinem Sitz, als sei dieser eine heiße Herdplatte, und gebärdete sich an der Seitenlinie wie ein perfektionistischer Dirigent, der an den Misstönen seines indisponierten Orchesters verzweifelt.

Wenn er spricht, klingt Guardiola dagegen milde. "Wir haben gut gespielt, vor allem in der zweiten Halbzeit", sagte er dem TV-Sender "SPORT1", der den sommerlichen Kick live übertrug. Das mit der zweiten Halbzeit war unübersehbar, da erzielte der Triple-Sieger elf der 13 Tore. Das hatte mit einem Jungen namens Alessandro Schöpf zu tun, mit dem spielfreudigen Claudio Pizarro - und mit Xherdan Shaqiri: Alle trafen je drei Mal. Doch vor allem Shaqiri, das kleine, gedrungene und so enorm quirlige Kraftpaket aus der Schweiz, hinterließ Eindruck.

Und genau darum geht es im Trainingslager am Gardasee. "Es hat einen Trainerwechsel gegeben, und jeder will sich jetzt zeigen", sagte Shaqiri ziemlich nüchtern, allerdings mit diesem Unterton, der keine Zweifel lässt an seiner persönlichen Intention. In seiner ersten Saison beim FCB, so der 21-Jährige, habe er unter Jupp Heynckes "viel gelernt", und das in sportlicher wie in menschlicher Hinsicht. Jetzt aber, bekräftigte er, "will ich mich weiterentwickeln".

"Shaq" will mehr



Vor einem Jahr war Shaqiri vom FC Basel nach München gekommen und seine Bilanz ist respektabel: 26 Einsätze in der Bundesliga (vier Tore/sechs Vorlagen); dazu sieben Einsätze in der Champions League (ein Treffer/zwei Assists) und fünf im DFB-Pokal (drei/fünf). Er müsste also nicht einmal flunkern, würde er behaupten, er habe einen wichtigen Beitrag zum Triple geleistet. Shaqiri allerdings reicht das nicht - nicht mehr. "Ich will in den wichtigen Spielen auch mal von Anfang an spielen", erklärte er am Samstag. Und dafür haut er sich ganz schön rein.

Mit Guardiola hat Shaqiri noch kein längeres Gespräch geführt, berichtete er. Das erstaunt ein bisschen, weil der neue Trainer mit Händen und Füßen derzeit auf so ziemlich jeden einredet, den er auf dem Fußballplatz sieht. Shaqiri aber versichert, er sei eben nicht der Typ, "der groß ein Einzelgespräch braucht", und womöglich hat Guardiola auch einfach nichts an "Shaq" auszusetzen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könne Shaqiri ein Spieler sein, auf den Guardiola steht: schnell, wendig, technisch stark.

Mit Gelassenheit und Geduld ans Ziel



Shaqiri ist auch ein Spieler mit einem gewissen Etwas, seine Stärke ist außerdem eine große Portion Individualität. Ob das bei Guardiola ankommt, scheint er aber selbst noch nicht zu wissen, deshalb antwortete er auf die Frage, ob der neue Trainer nicht grundsätzlich auf Typen wie ihn stehen müsste, eher ausweichend. "Erst mal geht es darum, was der Trainer möchte. Deine Individualität kannst du immer wieder mal dazubringen, wichtig ist erst mal, dass die Mannschaft gut harmoniert", meinte Shaqiri.

Der Rekordmeister hat nun ja auch noch Mario Götze geholt und der Nationalspieler wird, wenn er denn Ende Juli fit sein sollte, ein direkter Konkurrent für Shaqiri. Zunächst allerdings, sagte der junge Schweizer, "ist es wichtig, dass wir uns kennenlernen, alles andere ergibt sich". Einen ersten guten Eindruck hat Shaqiri jedenfalls schon hinterlassen. Und reden wird Guardiola mit ihm auch noch. Ganz sicher sogar.