Wenn er künftig den Spieler mit der Nummer 22 und dem Vornamen "Ruuuud" ankündigen wird, schlägt ihm das "van Nistelrooy" wohl in Orkanstärke in der HSH Nordbank Arena entgegen. Lotto King Karl, Hamburger Kult-Musiker und Stadionsprecher des HSV, kann es immer noch selbst kaum glauben, Ruud van Nistelrooy als Spieler des HSV ansagen zu können.

Vor der Heimpremiere des holländischen Superstars in der Europa League gegen den PSV Eindhoven hat bundesliga.de mit Lotto King Karl über den Transfer-Coup des HSV gesprochen: über Euphorie in der Stadt, Vergleiche mit Kevin Keegan und nervöse Gegner.

bundesliga.de: Lotto, ist das noch der ganz normale Wahnsinn oder schon ein bisschen mehr, was sich in Hamburg um Ruud van Nistelrooy abspielt?

Lotto: Das ist schon abenteuerlich! Ich kann es selbst noch kaum glauben, dass er jetzt beim HSV ist. Ich glaube, seine Mitspieler wollten ihm nach seinem ersten Tor in Stuttgart eher die Hand schütteln als ihn umarmen - so viel Respekt hatten die.

bundesliga.de: Wie würden Sie ihn sportlich einstufen?

Lotto: Mehr als Ruud van Nistelrooy geht nicht. Das ist ein Spieler der höchsten Stufe. Das ist einer, den will jeder PlayStation-Spieler weltweit in seiner Mannschaft haben. Rafael van der Vaart war auch ein Star, als er zum HSV gekommen ist, aber van Nistelrooy ist einfach eine Nummer größer. Durch ihn bekommt der HSV auch international eine ganz andere Wahrnehmung, zumal wir sonst eher Stars abgegeben haben.

bundesliga.de: Allein bis Montag hat der HSV mehr als 4000 Mal das Trikot mit der Nummer 22 verkauft - haben Sie auch schon eins?

Lotto: Natürlich, ich habe mir das sofort bestellt, als Ruud nach seiner Verpflichtung noch auf der Tribüne saß. Das ist Pflicht! Ich habe mir immer die Trikots besorgt, die mir besonders gefallen. Der HSV hat mir diesmal das Trikot sogar geschenkt.

bundesliga.de: Können Sie sich noch an die Euphorie um Kevin Keegan erinnern, der 1977 nach Hamburg kam?

Lotto: Na klar, ich habe sogar noch einen Kevin-Keegan-Aufkleber von damals zu Hause. Das ist heute schon vergleichbar mit der Zeit Ende der siebziger Jahre. Aber Kevin Keegan ist als Star aus Liverpool gekommen und ist als noch größerer Star aus Hamburg weggegangen. Ruud van Nistelrooy kommt als größtmöglicher Star, der seinen Höhepunkt vielleicht vor drei, vier Jahren hatte. Aber wenn er weiter alle zwölf Minuten ein Tor für den HSV schießt, auch noch Torschützenkönig in der Bundesliga wird, dann kann er hier gerne an seiner Legende weiterarbeiten.

bundesliga.de: Und plötzlich haben alle wieder einen ganz anderen Respekt vor dem HSV.

Lotto: Das bekomme ich besonders auf Konzerten mit, die außerhalb von Hamburg laufen. Da sagen dir Fans von Bremen, Bayern oder St. Pauli: "Alter Schwede, wie habt ihr das denn gemacht?". Wer jetzt gegen den HSV spielt, der weiß, dass er ein Problem hat. Da wird noch manchem Abwehrspieler die Düse gehen. Ich habe schon vor van Nistelrooys erstem Tor gegen Stuttgart gewusst, dass er den reinmacht. Es gibt nur ganz wenige Spieler, die immer treffen. Früher bei Manni Kaltz und Horst Hrubesch wussten wir auch: Gleich kommt die Flanke und Hrubesch köpft ihn rein.

bundesliga.de: Müssen Sie jetzt nicht auch Ruud van Nistelrooy in Ihr Stadionlied "Hamburg, meine Perle", das Sie vor jedem Heimspiel singen, einbauen?

Lotto: Nein, dieser Song ist jetzt zehn Jahre alt und er wird nicht verändert. Es gibt ja schon eine Extra-Version, wenn die Bayern kommen. Aber ich freue mich unheimlich, das Lied vor dem ersten Heimspiel von van Nistelrooy zu singen. Mensch, ich kann es mir noch immer schwer vorstellen, ihn für den HSV anzusagen...