München - Medhi Benatia ist beim FC Bayern München definitiv angekommen. Nach seiner ersten Saison-Hälfte in Deutschland konnte der marokkanische Nationalspieler sein wahres Potenzial beim deutschen Rekordmeister zeigen und wurde zum Ende der Hinrunde immer stärker.

Im Gespräch mit bundesliga.de urteilt er die Hinrunde seiner Mannschaft sowie seine persönliche.

bundesliga.de: Herr Benatia, sind Sie am Ende dieses Jahres 2014 bei Ihrem neuen Verein angekommen?

Medhi Benatia: Absolut. Vom ersten Tag an wurde ich an der Säbener Straße positiv aufgenommen. Ich bin mit diesen ersten fünf Monaten hoch zufrieden. Ich habe schnell meinen Rhythmus gefunden und ich fühle mich in der Mannschaft sehr wohl.

"Ich habe schon beim AS Rom bewiesen, dass ich Tore schießen kann"

bundesliga.de: Nach dieser Hinrunde ist der FC Bayern nicht nur Herbstmeister, sondern hat auch einen großen Vorsprung auf seine Verfolger. Wie ist diese fast perfekte Hinserie zu erklären?

Benatia: Wir spielen einen sehr dominanten Fußball und wir haben ein großes Selbstbewusstsein. Die Qualität in unserem Kader ist sehr groß. Uns ist diese erste Saisonhälfte wahnsinnig gut geglückt, obwohl wir viele Verletzte haben. Das sagt schon alles über unser Potenzial und über die Qualität unserer Truppe.

bundesliga.de: In Augsburg haben Sie Ihr erstes Bundesliga-Tor erzielt. Ein besonderer Moment für Sie?

Benatia: Es hat mich sehr gefreut, weil ich weiß, dass ich auch meiner Mannschaft bei Standardsituationen behilflich sein kann. Bereits beim AS Rom habe ich öfter bewiesen, dass ich auch Tore machen kann. Aber meine erste Aufgabe ist es Gegentore zu verhindern. Bisher ist es mir ganz gut gelungen, auch weil das Zusammenspiel mit Manuel Neuer und Jerome Boateng sehr gut funktioniert.

bundesliga.de: In diesem Zusammenhang hat der FC Bayern nur vier Gegentore nach 17 Spieltagen kassiert.

Benatia: Das ist eine hervorragende Bilanz und das ist der Lohn für unsere tägliche gute Arbeit. Darauf sind wir besonders stolz. Und diese Bilanz wollen wir in der Rückrunde so lang wie möglich verteidigen.

bundesliga.de: Sind Sie mit der Zahl Ihrer Spiele ebenfalls zufrieden ?

Benatia: Für mich zählt an erster Stelle das Vertrauen des Trainerstabs und das ist der Fall. Natürlich habe ich mehrfach auf der Bank gesessen, aber in solch einem großen Team, wo die Konkurrenz brutal ist, muss man die Entscheidungen des Trainers akzeptieren. Man muss auch nicht vergessen, dass ich aus einem anderen Land gekommen bin und dass ich insofern eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigt habe. Nun fühle ich mich aber voll integriert. Wenn mich der Trainer von Anfang an bringt, dann gebe ich stets alles. Ich fühle mich bei 100 Prozent meines Leistungspotenzials. Klar ist die Spielweise in der Bundesliga viel schneller als in Italien. Ich bin rundum zufrieden.

bundesliga.de: Das einzig negative Erlebnis war die Rote Karte bei Manchester City am letzten Spieltag der Gruppenphase der Champions League.

Benatia: Das kann man so sehen, aber davon habe ich mich schnell erholt und mit meinem Treffer in Augsburg habe ich gezeigt, dass ich es gut verarbeitet habe. Das war die beste Antwort. Ich versuche die Erwartungen von Pep Guardiola zu erfüllen und bisher ist es mir im Großen und Ganzen gut gelungen.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass Manuel Neuer am 12.Januar Weltfußballer werden wird?

Benatia: Er hätte den Ballon d´Or auf jeden Fall verdient. Manuel ist ein Phänomen. Er arbeitet bei jeder Trainingseinheit unheimlich viel, er will immer mehr. Und er ist als Typ völlig bescheiden, bodenständig. Gegen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi hat er seine Chance, weil er ein überragendes Jahr absolviert hat. Zwar erzielt er nicht 60 Tore pro Saison, aber er bekommt sehr wenig Tore. Damit ist er unentbehrlich.

Das Gespräch führte Alexis Menuge