Wolfsburg - Mit dem Einzug ins Achtelfinale der Champions League hat der VfL Wolfsburg gezeigt, was diese Mannschaft zu leisten im Stande ist. Vor dem Gastspiel des Hamburger SV in Wolfsburg spricht Maximilian Arnold über die bisweilen schwankenden Leistungen der Wölfe, über seine eigene Entwicklung und den Umgang mit schwierigen Phasen in seiner noch jungen Karriere und über die wiedergewonnene Stärke des HSV.

bundesliga.de: Herr Arnold, gegen Manchester United hat der VfL erstmals das Achtelfinale der Champions League erreicht, neben dem DFB-Pokalsieg im Sommer das Highlight Ihrer noch jungen Karriere?

Maximilian Arnold: Ein Titel ist etwas ganz Besonderes. Deshalb rangiert der DFB-Pokalsieg noch etwas über diesem Sieg gegen Manchester United. Nichtsdestotrotz ist der Einzug ins Achtelfinale der Champions League, noch dazu als Gruppen-Erster, ein absolutes Karriere-Highlight und absolut geil.

bundesliga.de: Die Auftritte des VfL wechseln bisher zwischen solchen Glanz- und eher durchschnittlichen Leistungen. Verlässt man sich bisweilen zu sehr auf die eigene fußballerische Klasse?

Arnold: Das würde ich so nicht sagen. Wir wollen stets versuchen unser Spiel durchzubringen. Das gelingt aber nicht immer gleich gut und hängt ein Stück weit auch von der Leistung des Gegners ab. Gegen Dortmund zum Beispiel war es zu Beginn sehr schwierig. Erst nach etwa 25 Minuten konnten wir uns stabilisieren und waren dann eigentlich gut drin in der Partie (der VfL musste sich dem BVB trotz einer sehr starken Leistung in der zweiten Halbzeit durch einen Treffer in der Nachspielzeit mit 1:2 geschlagen geben; d. Red.)

"Unsere Gegner wissen jetzt, was auf sie zukommt"

bundesliga.de: Ist es grundsätzlich für den Vize-Meister der Vorsaison schwieriger geworden?

Arnold: Das ist definitiv so. Zum einen liegt das sicherlich an den Abgängen, die wir auffangen mussten. Zum anderen ist es so, dass viele Teams jetzt sehr viel defensiver gegen uns auftreten, als das bisher der Fall war. Das hat man zum Beispiel in der zweiten Halbzeit gegen Dortmund gesehen. Da hatten wir sehr viel Ballbesitz, weil der BVB sich entschieden hatte sehr tief zu stehen. In der vergangenen Saison konnten wir immer wieder mal auch Kontertreffer erzielen. Das ist jetzt weit schwieriger, weil die Gegner genau wissen, was auf sie zukommt. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir noch eine Schippe drauflegen müssen, wenn wir dasselbe erreichen wollen wie in der Vorsaison.

bundesliga.de: Eine Parallele zur Vorsaison ist, dass Sie zu Beginn Startschwierigkeiten hatten, mittlerweile Ihren Rhythmus aber gefunden haben. Entwickelt man da eine gewisse Gelassenheit?

Arnold: Gelassenheit ist vielleicht zu viel gesagt. Auf jeden Fall habe ich aber gelernt, mich nicht völlig aus der Ruhe bringen zu lassen. Die Situation in der vergangenen Saison war für mich weitaus schwieriger. Diesmal aber wusste ich, wie ich damit umzugehen habe. Man muss einfach hart weiterarbeiten und das habe ich getan. Wer Erfolg haben und belohnt werden will, der muss alles geben. Anders geht es nicht.

"Habe immer vom Konkurrenzkampf profitiert"

bundesliga.de: Sie haben eine kluge Strategie entwickelt und sich im Wortsinne ein Stück weit zurückgezogen, von der Zehner- auf die Sechser-Position.

Arnold: Wenn man in einer so stark besetzten Mannschaft spielen will, ist es unabdingbar, dass man bereit ist, sich eine gewisse Flexibilität anzueignen. Das allein war für mich schon Grund genug auch eine andere Position kennenlernen zu wollen. Im Übrigen habe ich in der Jugend schon einmal auf der Sechser-Position gespielt, so dass die Sechs für mich kein absolutes Neuland war. Ich konnte darauf vertrauen, dass ich auch auf der Sechs nicht ganz blind herumlaufen würde (lacht).

bundesliga.de: Erst mussten Sie sich mit Diego, dann mit Kevin de Bruyne und jetzt mit Julian Draxler auseinandersetzen. Ärgert einen das?

Arnold: Wieso ärgern? Konkurrenz belebt doch das Geschäft (lacht)! So etwas treibt mich höchstens noch mehr an. Ich habe von dem Konkurrenzkampf, dem man auf diesem Niveau stets ausgesetzt ist, immer auch profitiert. All diese tollen Spieler haben mich nur noch besser gemacht.

"Fußball ist das, was ich über alles liebe"

bundesliga.de: Sie sind gerade erst 21, wirken aber sehr abgeklärt. Wird man als Profi schneller erwachsen?

Arnold: Ich denke schon. Als Fußballprofi hat man eine Vorbildfunktion und entwickelt ein Bewusstsein für die damit einhergehende Verantwortung. Das mag bei dem einen etwas schneller gehen, bei dem anderen etwas weniger schnell. Ganz entziehen kann man sich dem aber kaum. Ich denke oft daran, dass ich vielleicht Vorbild für manche Kids bin. Die möchte ich nicht enttäuschen und nehme meine Verantwortung sehr ernst.

bundesliga.de: Druck, Konkurrenz, Verantwortung - fühlt sich ein 21-Jähriger da nicht schon mal überfordert?

Arnold: Ich kann natürlich nur für mich sprechen: Ich spüre dieses Gefühl von Überforderung nicht, auch Druck von außen empfinde ich nicht. Wenn überhaupt, dann mache ich mir selbst Druck, weil ich sehr ehrgeizig bin und im Fußball viel erreichen möchte. Fußball ist das, was ich über alles liebe. Und ich bin überglücklich, dass ich die Chance bekommen habe, Fußball zu meinem Beruf zu machen und den auch ausüben zu dürfen.

"Allüren? – Da hätte es von meiner Mutter eins auf den Deckel gegeben!"

bundesliga.de: Nicht jeder Jung-Profi gibt sich so reflektiert. Sind Sie, wie der Volksmund sagt "anders als andere Kinder?"

Arnold: Nein. Das hoffe ich doch nicht (lacht). Jeder ist auf die eine oder andere Art ganz besonders, aber deshalb nicht besser oder schlechter.

Ich bin von zu Hause aus einfach so erzogen worden. Und wenn ich irgendwelche Allüren an den Tag gelegt hätte, hätte es von meiner Mutter beizeiten wohl eins auf den Deckel gegeben. Ich bin einfach nicht der Typ, der sich in den Vordergrund spielen- und auffallen will. Das war nie meine Art und wird – hoffe ich – auch nie so sein.

bundesliga.de: Höchstens auf dem Rasen...

Arnold: Okay, da kann es schon mal vorkommen (lacht). Aber auch nur in einer Art und Weise, die auch die Mannschaft davon profitieren lässt.

"Ich rechne mit einem starken HSV"

bundesliga.de: Vielleicht schon am Samstag gegen den HSV, der ganz anders auftritt als in der vergangenen Saison?

Arnold: Unser Ziel ist es auf jeden Fall, die drei Punkte in Wolfsburg zu behalten. Und mit dieser Einstellung werden wir die Partie angehen. Leicht wird das aber wohl nicht. Wir alle haben noch das Spiel des HSV gegen den BVB vor Augen, das die Hamburger 3:1 gewonnen haben. Da sind sie sehr aggressiv aufgetreten und haben enorm viel Laufarbeit geleistet. Und mit einer kämpferisch ähnlich starken Leistung des HSV rechne ich wieder. Nichtsdestotrotz gilt: Wir spielen zuhause. Und ich glaube, dass wir in der Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen haben, dass wir im eigenen Stadion eine Macht sind. 

bundesliga.de: "Wir alle haben das Spiel gegen den BVB noch vor Augen“: Schauen Sie eine solche Partie bereits unter dem Aspekt, dass beide Teams in Kürze auch Gegner des VfL sind?

Arnold: Das Spiel war ein Freitagabendspiel, das wir gemeinsam im Mannschaftshotel angeschaut haben. Das kann ich mir dann aber wie ein neutraler Fußball-Fan anschauen, ganz gelassen und ohne gleich jede Szene haarklein analysieren zu wollen. Warum auch nicht? In der direkten Vorbereitung auf jedes Spiel bekommen wir ohnehin eine ausführliche Videoanalyse des jeweiligen Gegners. Dann erklärt uns der Trainer einzelne Situationen und stellt uns exakt darauf ein. Manchmal ist es dann aber auch ganz schön, Fußball einfach nur als unbeteiligter Fan zu genießen.

Das Gespräch führte Andreas Kötter