Zusammenfassung

  • Max Kruse gibt beim SV Werder Bremen alles

  • Der Angreifer lebt die Siegermentalität vor, die es im Abstiegskampf braucht

  • Viel Lob gibt es von der Sportlichen Leitung

München - Die Kapuze seines Sweatshirts tief ins Gesicht gezogen, stapfte Max Kruse durch die Katakomben der Allianz Arena. Es war der enttäuschte Abgang eines verhinderten Matchwinners. Gegeben hatte er alles in den 90 Minuten auf dem Platz, reden wollte er nicht mehr darüber, denn gesagt hatte er dort eigentlich auch schon alles. "Es spielt keine Rolle, ob du 2:4 oder 0:6 verlierst und ob du gut gespielt hast, interessiert morgen auch keinen mehr", sprach Kruse auf dem Rasen ins Sky-Mikrofon. Dennoch kann das Team des SV Werder Bremen viel Positives aus München mitnehmen.

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Mutig wollten die Bremer dem FC Bayern München die Stirn bieten, umsetzen konnten sie dieses Vorhaben auch größtenteils. Jerome Gondorf sorgte für die nicht unverdiente Führung (25.). Nachdem die Bayern die Partie zwischenzeitlich gedreht hatten, ließ die Gäste ein Eigentor von Niklas Süle (74.) zum 2:2 wieder von einem Punktgewinn träumen. Am Ende mussten sich die Grün-Weißen aber vor allem der individuellen Klasse der Münchner Doppeltorschützen Thomas Müller und Robert Lewandowski geschlagen geben.

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"Wir haben den angekündigten Worten auch Taten folgen lassen. Trotzdem bin ich nicht zufrieden, weil wir verloren haben", sagte Bremens Trainer Florian Kohfeldt. Die Reaktionen seiner Spieler fielen ähnlich aus. "Wir sind alle enttäuscht, weil wir die Mentalität haben müssen, überall gewinnen zu wollen - auch hier! Klar, ist das schwer. Und in zwei Wochen spielen wir auf Schalke, aber natürlich fahren wir dahin, um zu gewinnen", unterstrich Kohfeldt, der das "Nicht-Zufrieden-Sein" in eine Siegermentalität umwandeln will.

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Kruse lebt Siegermentalität vor

Exemplarisch dafür steht Max Kruse. "Diese Mentalität lebt Max vor - und er lässt Taten folgen. Das ist das Entscheidende", betonte sein Coach. Ein Beispiel dafür lieferte Kruse in der 74. Minute. Ein verunglückter Befreiungsschlag von Sven Ulreich segelte per Bogenlampe zurück in den Strafraum Richtung Bayern-Keeper. Die Situation erschien eigentlich harmlos, doch Kruse witterte die Chance, zog einen Sprint an, stellte geschickt seinen Körper zwischen Ball und Ulreich und erzwang so eine Ecke. Diese trat der 29-Jährige selbst und von Süles Hüfte prallte das Spielgerät zum 2:2-Ausgleich ins Tor der Bayern.

"Er ist sehr wichtig, nicht nur mit seiner individuellen Klasse, sondern auch mit seinen Charaktereigenschaften." Florian Kohfeldt über Max Kruse

Auch zum ersten Bremer Treffer gab Kruse die Vorlage, nachdem er mit einer schnellen Richtungsänderung vor dem Strafraum die Lücke gerissen hatte. Mit vier Toren und vier Assists ist der Offensivmann Bremens Topscorer. Diese Zahlen allein unterstreichen aber nicht seinen Wert für das Spiel der Werderaner. "Er ist sehr wichtig, nicht nur mit seiner individuellen Klasse, sondern auch mit seinen Charaktereigenschaften", sagt Kohfeldt über seinen Anführer auf dem Feld.

Kruse auf dem Platz omnipräsent

Nominell als Sturmspitze aufgeboten, war Kruse beim Gastspiel in München omnipräsent. Er schlüpfte in die Rolle des Spielgestalters, ließ sich zum Aufbau sogar bis an den eigenen Sechzehner fallen und riss so vor allem im ersten Durchgang große Lücken ins Mittelfeld der Bayern, die mit Kruses Laufwegen teilweise überfordert waren. "Das wirkt immer sehr frei", erklärte Kohfeldt seinen Plan mit Kruse. "Ich kann mich sehr gut darauf verlassen, dass er Situationen erkennt. Viel wichtiger ist, dass die anderen genau wissen, welche Laufwege daraus resultieren."

Max Kruse übernimmt Verantwortung bei Werder Bremen
Max Kruse übernimmt Verantwortung bei Werder Bremen © imago / Nordphoto

Vor allem Torschütze Gondorf und Zlatko Junuzovic wussten in München die Räume hinter Kruse immer wieder zu nutzen. "Wir wenden das häufiger an, um in gewissen Zonen Überzahl zu schaffen", erläuterte Bremens Geschäftsführer Sport Frank Baumann den Schachzug mit Kruse. "Er hat ein sehr gutes Gefühl für Räume, wo er sich zeigen muss und wie er dann weiterspielt. Das wollen wir in der Form nutzen, dass er möglichst viel im Spiel ist." In München hatte Kruse die meisten Ballbesitzphasen aller Bremer (63). Und er spielte die meisten Pässe - mit einer starken Erfolgsquote von 90 Prozent.

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"Wir haben 15 Spiele vor der Brust. Jedes davon ist für uns ein wichtiges Spiel, in dem wir Punkte holen können. Nur das zählt", sagte Kruse noch vor seinem Abgang am Sonntagabend. Dieser soll am Samstag nach der nächsten wichtigen Partie gegen Hertha BSC möglichst zufriedener ausfallen - wenn Kruse auf dem Platz wieder voran geht.

Aus München berichtet Maximilian Lotz