Wolfsburg - "Er wird unser Spiel variabler machen", prophezeite Dieter Hecking bei der Verpflichtung von Max Kruse. Dass sich der Ex-Gladbacher nicht nur so schnell beim VfL Wolfsburg einleben, sondern sich in nur zwölf Wochen zum Leistungsträger entwickeln würde, hatte der Trainer allerdings nicht erwartet.

"Jeder Spieler braucht Zeit, sich an eine neue Mannschaft zu gewöhnen. Das ist doch normal und war doch bei Bas (Dost) und Kevin (de Bruyne; die Red.) so", erklärt der Trainer. Und ausgerechnet mit dem überragenden belgischen Spielmacher, der den Wölfen im Sommer den Rücken kehrte, verglich Hecking den Sommer-Neuzugang.

Kruse so wichtig wie de Bruyne

"Natürlich sind sie unterschiedliche Spielertypen", weiß Hecking, aber "Max ist bei uns ein ebenso wichtiger Spieler wie es Kevin war. Mit Max haben wir wieder einen Spieler, der die Bälle zieht, weil die Mitspieler wissen, dass sie bei ihm gut aufgehoben sind", hob Hecking den 27-Jährigen entgegen seiner Gewohnheit auf der Pressekonferenz nach dem 6:0 gegen Werder Bremen explizit heraus.

Gegen Bremen hatte Kruse zwei Mal selbst getroffen und Stoßstürmer Dost einen Treffer aufgelegt. Vier Pflichtspiele hatte der Nationalspieler vor dem Duell gegen Bremen mit einem Muskelfaserriss gefehlt, drei davon hat der VfL verloren: 1:3 im Pokal gegen den FC Bayern  und jeweils 0:2 in der Champions League beim PSV Eindhoven sowie in der Bundesliga bei Mainz 05.

Als "emotionslos" beschrieb Hecking das Spiel der Wölfe in Eindhoven und Mainz. Trainer und Sportdirektor Klaus Allofs nahmen die Spieler während der Länderspielpause ins Gebet. "Ich fand es sehr gut, dass sich die Mannschaft auch ohne die sportliche Leitung getroffen hat", ergänzte der Coach. "Wir haben im richtigen Moment die Finger gehoben. Die Ansage ist genau richtig gewesen", ist der Coach sicher, dass die Einzelgespräche Wirkung gezeigt haben. Und nicht zuletzt hat die Rückkehr von Kruse dem Team wieder Leben eingehaucht.

Trotz Verletzung: Kruse ist der Topscorer

Die Zahlen belegen das. In seinen letzten drei Bundesliga-Spielen netzte Kruse fünf Mal ein. Immer, wenn der ehemalige St. Paulianer trifft, gewinnt der VfL. Und auch als Vorbereiter erinnert sein Spiel an de Bruyne. Neben seinen sieben Treffern legte er zu weiteren sieben Pflichtspiel-Toren auf. Damit ist Kruse Wolfsburgs Top-Scorer.

Und so uneigennützlich und mannschaftsdienlich wie er spielt, gibt sich Kruse auch abseits des Spielfeldes. Über seine eigene Leistung zu reden, war dem 27-Jährigen nach der Partie gegen Werder sichtlich unangenehm. "Ich denke, wir haben heute eine starke Partie gezeigt", lobte er lieber das Team.

"Max Kruse ist ein wichtiger Spieler. Er strahlt Torgefahr aus, hat Raffinesse in seinem Spiel und arbeitet viel nach hinten", lobt Allofs den Angreifer. Keine Frage: Aus dem Fohlen wurde in nur wenigen Wochen ein Wolf.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs