Zusammenfassung

  • Max Kruse hat bereits fünf Tore erzielt und sechs vorbereitet.

  • Filip Kostic ist mit vier Treffern bester Goalgetter der Hamburger.

  • Kruse hat noch nie gegen den HSV verloren.

Köln - Die Vorzeichen sehen diesmal anders aus als in der glorreichen Vergangenheit dieser beiden Clubs. Wenn der SV Werder Bremen am Samstag um 18.30 Uhr den Hamburger SV zum meistgespielten Duell der Bundesliga-Geschichte empfängt, heißt es für beide Teams Abstiegskampf pur. Große Hoffnungen setzen die Fans beider Lager im 108. Nordderby in der Bundesliga vor allem auf die beiden besten Offensivspieler der Teams - Max Kruse und Filip Kostic sind die Schlüsselspieler des ewigen Duells der Nordlichter.

Für die beiden Trainer auf den Bänken der Clubs von der Weser und der Elbe ist das Derby Neuland. Sowohl Florian Kohfeldt (Werder) als auch Bernd Hollerbach (HSV) sind erst im Laufe der Saison geholt worden mit dem klaren Auftrag, den Klassenerhalt noch zu schaffen. Und unter beiden ist es seit ihrer Verpflichtung bergauf gegangen. Kohfeldt bringt es in 13 Bundesliga-Spielen auf 18 Punkte, Hollerbach hat zwar erst zwei Remis in vier Spielen auf der Habenseite, doch spielerisch und kämpferisch sah das zuletzt gut aus.

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Vor allem zwei Spieler sind unter ihren neuen Coaches dabei richtig aufgeblüht: Max Kruse und Filip Kostic. Beide haben sich gerade seit dem Trainerwechsel enorm gesteigert und sind in Topform. Klar, dass es im großen Nordderby besonders auf diese beiden ankommen wird. Schließlich sind beide die Offensivanführer und Topscorer ihrer Teams.

Video: Das 108. Nordderby - es geht um den Klassenerhalt

Max Kruse war bereits an elf Toren beteiligt

Max Kruse hat seit dem Wechsel von Alexander Nouri auf Kohfeldt so richtig aufgedreht. Gebremst auch durch einen Schlüsselbeinbruch im September, durch den er vier Spiele ausfiel, blieb der gebürtige Hamburger bis zum zehnten Spieltag ohne eine einzige Torbeteiligung. Seit Kohfeldt die Zügel in die Hand genommen hat, stehen für Kruse indes fünf Tore und sechs Assists in zwölf Bundesliga-Partien zu Buche. Darunter war auch ein lupenreiner Hattrick (drei Tore in Serie in einer Hälfte) gegen Hannover 96. Kruse ist der einzige Spieler, dem dies in dieser Saison gelungen ist. Und auch den vorletzten Dreier dieser Art hatte Kruse erzielt (im April 2017 in Ingolstadt). Macht er auch den nächsten Hattrick, wäre er der erste Spieler in der Bundesliga-Geschichte, der drei Hattricks in Serie erzielt, ohne dass sich ein anderer Spieler mit einem Hattrick dazwischen schiebt.

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In den vergangenen sechs Jahren war Kruse immer Topscorer seines Clubs, egal ob beim FC St. Pauli, in Freiburg, Mönchengladbach, Wolfsburg oder jetzt in Bremen. In 206 Bundesliga-Spielen sammelte der 29-Jährige starke 125 Scorer-Punkte und war dabei als Schütze und Vorbereiter gleichermaßen stark (62 Tore, 63 Torvorlagen). Dabei ist er nicht nur ganz vorne in der Spitze effektiv, sondern lässt sich immer wieder ins Mittelfeld zurückfallen und gibt den Spielmacher. 42 Abschlussaktionen der Werderaner hat er so in dieser Saison bereits vorbereitet. Mehr als jeder andere Spieler im Team.

Max Kruse ist mit fünf Treffern Bremens bester Goalgetter
Max Kruse ist mit fünf Treffern Bremens bester Goalgetter © imago

Kostic gab schon 48 Torschüsse ab

Auch Filip Kostic fand äußerst schwer in die Saison, musste schon in der Vorbereitung immer wieder kürzer treten und fiel dann auch während der Spielzeit wegen einer Muskelverletzung aus (im September vier Bundesliga-Spiele verpasst). Mittlerweile sind aber alle körperlichen Rückstände aufgearbeitet. Kostic erzielte vier Tore (darunter zwei der drei HSV-Treffer in der Rückrunde) und ist damit bereits alleiniger Top-Torschütze der Hamburger. Auch gab er insgesamt mit 48 die meisten Torschüsse der Rothosen ab. Allerdings ließ er lange die Zielgenauigkeit vermissen. Unter Coach Markus Gisdol lief er zumeist im linken offensiven Mittelfeld auf. 37 Mal schoss er in diesen ersten 19 Partien drauf, nur zwei landeten im Tor.

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Bernd Hollerbach setzt den Serben weiter vorne als Stürmer in der Doppelspitze ein - und prompt trifft der besser. Zwei Tore in den jüngsten vier Spielen, zwei Treffer bei elf Schussversuchen. Seine größte Stärke ist sicher das Tempodribbling, wenn er gerade bei Kontern immer wieder für Gefahr sorgt. Eine Waffe, die natürlich auch im Nordderby gefragt ist, zumal die Hanseaten auswärts antreten.

Filip Kostic hat schon vier Mal zugeschlagen, ist damit Hamburgs Torscorer
Filip Kostic hat schon vier Mal zugeschlagen, ist damit Hamburgs Torscorer © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Alex Grimm/Getty Images

Derby-Bilanz: Kruse top, Kostic flop

Legt man die persönliche Bilanz der beiden Stars gegen den kommenden Gegner zugrunde, so ist Kruse klar im Vorteil gegenüber Kostic. Für beide ist es das dritte Nordderby, beide fehlten verletzt im Hinspiel, waren aber in der Vorsaison zweimal am Start. Da siegte Werder in einem Duell, das zweite endete Remis. Beim 2:1-Sieg der Bremer war Kruse entscheident beteiligt, erzielte das 1:1 selbst, legte das 2:1 dann für Florian Kainz auf. Auch insgesamt ging Kruse gegen den HSV noch nie als Verlierer vom Platz. Von zwölf Aufeinandertreffen gewannen Kruses Mannschaften sieben, fünf Mal gab es ein Remis. Der deutsche Nationalspieler steuerte dazu vier Tore und drei Assists bei.

Im Gegensatz dazu ist Kostics Bilanz gegen Werder alles andere als berauschend. Von sechs Partien konnte der Serbe erst eins gewinnen, zwei Mal gab es ein Remis, drei Spiele wurden verloren. Seine einzige Torbeteiligung gegen Bremen hatte Kostic am 15. Spieltag 2015/16. Bei einem 1:1 des VfB Stuttgart gegen die Bremer gab er die Torvorlage zum 1:0 durch Lukas Rupp.

Die Tendenz spricht klar für Werder

Florian Kohfeldt will mit einem Sieg im Nordderby den Abstand nach unten vergrößern
Florian Kohfeldt will mit einem Sieg im Nordderby den Abstand nach unten vergrößern © imago / Nordphoto

Und grundsätzlich spricht ja auch die Tendenz klar für die Grün-Weißen. In den jüngsten neun Spielen holten die Bremer immerhin zwölf Punkte. Zuhause sind sie seit sieben Partien ungeschlagen, in denen sie 15 Zähler einfuhren. Der HSV hingegen konnte seit zehn Spielen keinen Sieg mehr bejubeln (vier Remis, sechs Niederlagen). Und auswärts haben sie ebenfalls seit zehn Partien keinen Dreier mehr eingefahren, da reichte es seit dem Auftaktsieg in Köln nur noch zu zwei Punkten.

Wahrscheinlich ist aber wieder ein Remis, denn von 107 bisherigen Partien endeten 35 unentschieden - keine andere Paarung in der Bundesliga-Historie fand so häufig keinen Sieger.

Von Tobias Schild und Eike Sachs (Statistiken)